Boris Johnson und Jens Stoltenberg | dpa

Stoltenberg trifft Johnson "Vorwarnzeit für möglichen Angriff sinkt"

Stand: 10.02.2022 18:09 Uhr

Russland verlegt weiter Truppen an seinen Grenzen. NATO-Generalsekretär Stoltenberg und der britische Premier Johnson warnten nun vor einem Kriegsausbruch. Zugleich liegt dem Kreml ein Gesprächsangebot vor.

Von Stephan Ueberbach, ARD-Studio Brüssel

Von Entspannung in der Ukraine-Krise kann nach wie vor keine Rede sein. Im Gegenteil. Darin ist sich NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg mit seinem Gast aus London völlig einig. "Europa erlebt gerade den gefährlichsten Moment in der größten Sicherheitskrise seit sehr langer Zeit", sagt der britische Premier Boris Johnson und verweist darauf, dass der russische Truppenaufmarsch an den Grenzen zur Ukraine unvermindert weitergeht.

Stephan Ueberbach ARD-Studio Brüssel

Ins benachbarte Belarus hat Moskau nach NATO-Informationen inzwischen so viele Truppen verlegt wie zuletzt im Kalten Krieg, angeblich für gemeinsame Manöver. Im Schwarzen Meer lässt Moskau Kriegsschiffe den Ernstfall üben, was im Westen für scharfe Kritik sorgt.  

Johnson lehnt Sicherheitsgarantien ab

"Die Zahl der russischen Streitkräfte steigt, die Vorwarnzeit für einen möglichen Angriff dagegen sinkt", befürchtet der NATO-Generalsekretär. Auch Johnson spricht von eher düsteren Geheimdienstberichten und warnt vor einem Krieg, der sinnlos, tragisch und für Russland wirtschaftlich sehr teuer wäre. "Ich weiß nicht, ob Moskau schon über einen Angriff entschieden hat, aber das heißt nicht, dass nicht schon bald etwas absolut Katastrophales passieren kann."  

Die russische Forderung nach Sicherheitsgarantien wie den Verzicht auf eine weitere Ausdehnung der NATO lehnt auch der britische Premierminister entschieden ab. "Es darf kein Zurück geben in eine Zeit, in der einige Großmächte das Schicksal anderer Länder über deren Köpfe hinweg entscheiden", sagte der britische Premier,

Antwort aus Moskau steht noch aus

Um den Konflikt zu lösen, will die westliche Verteidigungsallianz bei ihrem bisherigen Kurs bleiben und auf eine Mischung aus Sanktionsdrohung, militärischer Geschlossenheit und Diplomatie setzen. Bei ihrem Treffen nächste Woche werden die NATO-Verteidigungsminister über eine Verstärkung der sogenannten Battle-Groups, der Kampftruppen im Südosten des Bündnisgebietes, diskutieren.

Großbritannien sagte heute bereits zu, weitere Soldaten, Schiffe und Flugzeuge bereitzustellen. Gleichzeitig bekräftigt die NATO ihre Gesprächsbereitschaft. In einem Brief an den russischen Außenminister Sergej Lawrow ruft Generalsekretär Stoltenberg dazu auf, den NATO-Russland-Rat für weitere Verhandlungen zu nutzen, um die Krise zu entschärfen.

"Wir haben die gegenseitige Unterrichtung über Militärmanöver vorgeschlagen, über mehr Transparenz, um Missverständnisse zu vermeiden, und über Fragen der Rüstungskontrolle, auch was Atomwaffen angeht und bodengestützte Kurz- und Mittelstreckenraketen", sagte er. Ob die russische Seite das Gesprächsangebot annimmt, ist allerdings ungewiss. Die Antwort aus Moskau auf das Schreiben der NATO steht nämlich noch aus.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Februar 2022 um 18:00 Uhr.