Eine ausgetrocknete Fläche nahe Kapstadt, Südafrika | REUTERS

NATO-Gipfel in Madrid Klimawandel als Katalysator für Terror

Stand: 30.06.2022 08:08 Uhr

Tag eins war von Russlands Aggressionen überschattet, heute richtet der NATO-Gipfel den Blick gen Süden. Viele afrikanische Staaten kämpfen bereits gegen Terrorismus und Hunger. Und der Klimawandel wird die Probleme weiter verschärfen.

Zum Abschluss des NATO-Gipfels in Madrid steht der Kampf gegen Terrorismus im Fokus. In der spanischen Hauptstadt soll es vor allem um Gefahren gehen, die von Gebieten südlich der Allianz ausgehen. Dort sind zum Beispiel die Terrornetzwerke Al-Kaida der sogenannte "Islamische Staat" oder die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz aktiv.

Auch die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Lebensmittelkrise sowie der zunehmende Einfluss Russlands und Chinas etwa auf Afrika stehen auf der Tagesordnung. Vor allem Gastgeber Spanien hatte darauf gedrungen, sich bei dem Treffen auch mit der südlichen Nachbarschaft zu befassen. Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles betonte vor dem Treffen, der Krieg gegen die Ukraine habe auch Auswirkungen auf Länder südlich des Bündnisses wie etwa Somalia, wo nun eine Hungersnot herrsche. Zudem sei Russland in einigen Länder der Sahel-Zone zunehmend präsent.

"Größte Gefahr ist die Klimakrise" 

Hinzukommt, dass der Klimawandel viele Probleme verschärft. Daher fordert Bundesaußenministerin Annalena Baerbock von den NATO-Partnern, den Blick zu weiten: "Menschliche Sicherheit ist mehr als Militär. Die größte Gefahr ist die Klimakrise für dieses und das nächste Jahrhundert. Und auch dieser neuen Realität stellen wir uns mit dem strategischen Konzept."

Neben der Grünenpolitikerin ist es vor allem den USA wichtig, die Folgen des globalen Klimawandels als nationales Sicherheitsrisiko mit in das neue Strategiepapier aufzunehmen. Auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bezeichnete den Klimawandel als neue Herausforderung für das westliche Verteidigungsbündnis:

Vom hohen Norden bis in die Sahelzone - der Klimawandel verstärkt die Krisen. Immer mehr Extremwetter zerstört Städte und Gemeinden und befeuert Spannungen und Konflikte. Klimawandel spielt eine Rolle bei unserer Sicherheit, und deswegen auch bei der NATO.

Klimaflüchtlinge, Auseinandersetzungen um Nahrungsmittel und Wasser - die Folgen des Klimawandels sind vielfältig. Deshalb seien die NATO-Verbündeten entschlossen, den Goldstandard zu setzen, um die sicherheitspolitischen Auswirkungen der globalen Erderwärmung zu bewältigen, so der Generalsekretär: "Für die NATO bedeutet das drei Dinge: unser Verständnis zu vergrößern, das Bündnis an die neuen Gegebenheiten anzupassen und unsere eigenen Emissionen zu reduzieren."

Klimaneutral bis 2050?

Kampfflugzeuge verbrauchen Dutzende Liter Kerosin pro Minute, für die NATO ist es insofern nicht gerade einfach, Energie zu sparen. Dennoch habe man sich beim Gipfel auf Klimaziele für das Bündnis verständigt, so Stoltenberg: "Unser Ziel ist, unseren Treibhausausstoß bis 2030 um mindestens 45 Prozent reduzieren. Und bis 2050 wollen wir klimaneutral werden. Wir können keine Entscheidung treffen zwischen umweltfreundlich oder stark sein. Wir müssen beides sein."

Mehr erneuerbare Energien und mehr synthetische Treibstoffe, außerdem Fahrzeuge, die nicht mit fossilen Treibstoffen betrieben werden, unter anderem damit will die NATO zukünftig mehr Energieunabhängigkeit erreichen.

Gespräche über Flüchtlinge

Neben der Klimakrise beschäftigt sich die NATO heute unter anderem auch mit Migrationsbewegungen im sogenannten globalen Süden. Vor allem Gastgeber Spanien, aber auch Italien und Griechenland fühlen sich durch die Flüchtlingsströme an ihren Südgrenzen in ihrer nationalen Sicherheit bedroht.

Deswegen wollen sich die Staats- und Regierungschefs des westlichen Verteidigungsbündnisses heute mit Vertretern der Maghreb-Staaten zusammensetzen, um Konfliktlösungen zu finden.

Mit Informationen von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington, zzt. Madrid

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Juni 2022 um 19:00 Uhr.