Wahllokal in einem weihnachtlich geschmückten Haus in North Shropshire | AFP

Nachwahl in Großbritannien Tories verlieren einstige Hochburg

Stand: 17.12.2021 10:00 Uhr

Eine regionale Nachwahl in Großbritannien galt als Stimmungstest. Den hat Premierminister Johnson nun verloren: Der einstige Stammsitz seiner Konservativen Partei geht an die Liberalen.

Bei der Nachwahl im westenglischen North Shropshire hat die Konservative Partei einen ihr sonst angestammten Parlamentssitz verloren. Das Mandat im Wahlkreis an der Grenze zu Wales geht nun an die Liberaldemokraten, laut Medienberichten mit gewaltigem Vorsprung. Damit verloren die Konservativen einen Sitz im Unterhaus, den sie der Schaffung des Wahlkreises im Jahr 1983 innehatten.

Die Nachwahl in der westenglischen Tory-Hochburg war notwendig geworden, weil der Abgeordnete Owen Paterson wegen seiner Verwicklung in einen Lobbyismus-Skandal zurücktreten musste. Er hatte vorher das Mandat für den Wahlkreis inne.

"Deutliches Signal an Johnson"

Die Nachwahl galt als wichtiger Stimmungstest auch innerhalb der Konservativen Partei. Das Ergebnis dürfte den Druck auf Premierminister Boris Johnson weiter erhöhen. Die Menschen in dem Wahlkreis hätten ein deutliches Signal an ihn geschickt, sagte Wahlgewinnerin Helen Morgan. "Ihre Regierung, die auf Lügen und Geschrei beruht, wird zur Rechenschaft gezogen", so Morgan weiter.

Zugespitzt hatte sich die Lage für Johnson bereits am Dienstag. Im Unterhaus sah er sich mit einer Revolte in den eigenen Reihen konfrontiert, als fast 100 Tory-Abgeordnete gegen die von ihm geforderten neuen Regeln zur Eindämmung des Coronavirus stimmten. Er hatte die Abstimmung nur dank Stimmen der Opposition gewonnen.

Zudem steht Johnson wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die von ihm selbst verhängten Corona-Regeln in der Kritik. Es gibt Berichte über mehrere Weihnachtspartys in der Downing Street im Dezember vergangenen Jahres.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Dezember 2021 um 10:00 Uhr.