Roberta Metsola | EPA
Porträt

Roberta Metsola Macherin für Malta und die EVP

Stand: 18.01.2022 04:31 Uhr

Das EU-Parlament in Straßburg wählt heute die Nachfolge von Ex-Präsident Sassoli. Beste Chancen auf das Amt hat die EVP-Politikerin Metsola. Sie gilt als smart, selbstbewusst und hat sich schon profiliert - nicht nur für ihr Herkunftsland Malta.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Bereits am Anfang stand Europa: Während ihrer Zeit an der Universität, erzählt Roberta Metsola, sei sie zur Politik gekommen: "Ich habe mich zum ersten Mal engagiert als Studentin auf dem Campus - wo es um eine sehr grundsätzliche Frage ging: Möchtest Du, dass Dein Land der Europäischen Union beitritt oder soll Dein Land draußen bleiben?" Sie habe die Seite gewählt, die für den Beitritt zur Europäischen Union war. Mit knapper Mehrheit entschied sich Metsolas Heimatland Malta damals, 2003, für die EU. Fast 20 Jahre später könnte die einstige Uni-Aktivistin aufsteigen in eine der wichtigsten Positionen der Europäischen Union.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Für die Malteserin wäre es die vorläufige Krönung einer steilen politischen Karriere - und für ihr Land ein Imagegewinn, meint der Malteser Blogger und Journalist Manuel Delia: "Malta hat in den vergangenen Jahren einen sehr schlechten Ruf bekommen: Als ein Land, in dem Journalisten umgebracht werden und man mit Geldwäschern zusammenarbeitet". Wenn Metsola gewählt würde, sagt Delia, könne ihre Präsidentschaft zeigen, "dass Malta auf positive Weise zum europäischen Projekt beitragen kann."

Aufklärung im Mordfall Caruana Galizia

Roberta Metsola ist politisch ein Kind der Brüsseler EU-Blase. Nach ihrem Jura-Abschluss auf Malta - damals noch unter ihrem Mädchennamen Tedesco Triccas - ging sie nach Belgien ans College of Europe, wurde Generalsekretärin der Studentenorganisation der Europäischen Volkspartei und arbeitete in der Brüsseler Bürokratie. 2013 rückte Metsola für die Nationalistische Partei ihres Landes als Abgeordnete ins Europaparlament nach.

Vier Jahre später stand die konservative Politikerin im Rampenlicht, als sie in Brüssel nach dem Mord an ihrer Landsfrau, der Journalistin Daphne Caruana Galizia, kompromisslos Aufklärung forderte: "Unsere Botschaft heute ist klar: Diejenigen, die für die Ermordung Daphne Caruana Galizias verantwortlich sind, diejenigen, die es geschehen ließen, die versuchten, es zu vertuschen, müssen einer gerechten Strafe zugeführt werden." Niemand dürfe ungestraft davonkommt und es müsse verhindert werden, "dass so etwas jemals wieder passieren kann."

Metsola, erzählt Blogger Delia, habe der Familie Caruana Galizia nahegestanden und die Aufklärung mit vorangetrieben. Auch in Malta sei sie damit populär geworden: "Das Europäische Parlament war die vielleicht erste internationale Institution, die sich für die Aufarbeitung des Falls engagiert hat". Metsola sei Teil vieler EU-Delegationen auf Malta gewesen, die Druck ausgeübt haben. Letztendlich, sagt Delia, habe dies zum Rücktritt des damaligen Ministerpräsident Joseph Muscat geführt.

Christdemokratin mit Sowohl-als-auch-Positionen

Metsola definiert sich politisch als Christdemokratin, sie gilt als smart und selbstbewusst. Außer im Fall Caruana Galizia hat sie sich in Brüssel unter anderem zu den Themen Migration und Bürgerrechten engagiert - gerne mit Sowohl-als-auch-Positionen: Für mehr legale Zugänge zur EU, aber für eine harte Linie gegen illegale Einwanderung; liberal für mehr Rechte für homo- und bisexuelle und transgeschlechtliche Menschen, konservativ gegen eine Lockerung von Abtreibungsgesetzen.

Europa hat die EU-Parlamentarierin auch bei sich zu Hause: Verheiratet ist sie mit dem Finnen Ukko Metsola, der ebenfalls in der Europäischen Volkspartei aktiv war und jetzt in Brüssel für eine Lobbyorganisation der Kreuzfahrtindustrie arbeitet. Zusammen haben die beiden vier Söhne. "Ich versuche sicherzustellen, dass sie sich genauso maltesisch wie finnisch fühlen", erzählt Metsola und verrät: "In der Küche ist es so, dass mein Mann sehr gut ist - und wenn er kocht, gibt es finnische Sachen."

Sollte Metsola heute in Straßburg gewählt werden, wäre sie die erste Frau im höchsten EU-Parlamentsamt seit 20 Jahren - seit der Französin Nicole Fontaine. Und: Roberta Metsola wäre die Jüngste. Die Malteserin wird genau heute 43 Jahre alt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Januar 2022 um 12:00 Uhr.