Emmanuel Macron und Angela Merkel | EPA

Abschiedsbesuch in Frankreich Begeisterter Empfang für Merkel

Stand: 03.11.2021 22:54 Uhr

Eine jubelnde Menge hat Kanzlerin Merkel im Weinort Beaune begrüßt. Dorthin hatte Präsident Macron sie zu einem Abschiedsbesuch eingeladen. Am Abend erhielt Merkel die höchste Auszeichnung der französischen Republik.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nur noch geschäftsführend im Amt, endgültig könnte sie im Dezember abtreten. Bis es aber soweit ist, nutzt sie ihre Zeit, um sich von jenem Präsidenten zu verabschieden, mit dem sie in den vergangenen vier Jahren am engsten in Kontakt stand: Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron.

Der hatte sie ins Städtchen Beaune in Burgund eingeladen. Gemeinsam mit ihrem Mann Joachim Sauer wurde sie vom Präsidenten und dessen Frau Brigitte im Weinort empfangen. Dort begrüßte eine jubelnde Menschenmenge von mehreren Hundert Menschen die Kanzlerin.

Vor altehrwürdiger Kulisse ließ sie sich bei einem kurzen Rundgang durch die Stadt feiern und fotografieren und streckte den Schaulustigen die Covid-Faust zum Gruß entgegen. Der Spaziergang durch die Altstadt dauerte deshalb etwas länger. Der Empfang fiel sehr herzlich aus.

Historischer Gipfelort

Gemeinsam mit ihrem Ehemann besuchte Merkel im Anschluss eine Hospitalstiftung, bevor sie sich zu Musik und Essen auf ein Anwesen in der Weinregion zurückzogen. Es folgten ein Klavierkonzert und ein Empfang im Château du Clos de Vougeot, wo 1993 bereits der damalige Präsident Francois Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl zu einem deutsch-französischen Gipfel zusammenkamen.

Bei dem Treffen überreichte Macron der scheidenden Bundeskanzlerin das Großkreuz der Ehrenlegion als Zeichen der Verbundenheit. Dies ist die höchste Auszeichnung in Frankreich.

Macron zeigte sich selbstkritisch und dankbar

Und Macron richtete sehr persönliche Worte an Merkel: "Danke, dass du mir soviel beigebracht hast. Danke, dass du diesen ungestümen jungen Präsidenten, der soviel umwerfen wollte, akzeptiert hast." Mit diesen überraschend offenen und selbstkritischen Worten brachte Macron seine Zuneigung und Anerkennung für die Kanzlerin zum Ausdruck.

In Anspielung auf Differenzen zwischen ihm und Merkel - etwa nachdem er die NATO als "hirntot" bezeichnet hatte - sagte der Präsident: "Du hast meine Energie und zuweilen wohl auch meine Frechheit mit Wohlwollen und Weisheit aufgenommen und dadurch habe ich gelernt."

In den vielen Jahren, da es Merkel gelungen sei, Europa trotz aller Erschütterungen zusammenzuhalten, habe Frankreich die Kanzlerin kennen- und auch lieben gelernt. Auf Macrons kurze Rede und die Verleihung des Großen Kreuzes folgte eine lange und innige Umarmung.

Verhältnis war wechselhaft

Wie der Elyséepalast mitteilte, stellt der Besuch den Abschluss einer ertragreichen Zusammenarbeit zwischen dem Präsidenten und der Kanzlerin, sowohl für die deutsch-französische Kooperation, als auch auf europäischer Ebene dar. Macron habe für das Treffen den Burgund wegen seines reichen französischen Erbes gewählt, sowohl in Gestalt historischer Monumente als auch der Weinbaukultur. Im Sommer hatte der Staatschef angekündigt, einen Abschied organisieren zu wollen.

Das Verhältnis zwischen Merkel und Macron war durchaus wechselhaft. So war der Präsident höchst irritiert, als das Kanzleramt zu seiner Sorbonne Rede 2017 nur schwieg. Als glühender Europäer hatte er sich präsentiert und Deutschland aufgefordert, mit ihm die EU zu reformieren. Seine Visionen griff die Pragmatikerin in Berlin nicht auf und ließ Macron scheinbar ins Leere laufen.

In den vergangenen Monaten gewann Frankreich im deutsch-französischen Verhältnis offenbar wieder an Gewicht - so nimmt man es in Paris wahr. Dass Merkel und Macron den milliardenschweren europäischen Wiederaufbaufonds inklusive gemeinsamer Schulden auf den Weg brachten, schreibt man der Beharrlichkeit des Präsidenten zu. In den Jahren zuvor war Merkels Haltung dazu sehr rigide.

Mit Informationen von Friederike Hofmann und Julia Borutta, ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichtete am 03. November 2021 tagesschau24 um 18:00 Uhr und die tagesschau um 20:00 Uhr.