Robert Abela spricht während einer Kundgebung der maltesischen Labour Party zwei Tage vor der Parlamentswahl in Malta. | dpa

Parlamentswahl Labour-Partei gewinnt Wahl auf Malta

Stand: 27.03.2022 12:50 Uhr

Im kleinsten Land der Europäischen Union hat die regierende Labour-Partei die Parlamentswahl gewonnen. Maltas Oppositionsführer Grech gratulierte Premierminister Abela zu seinem Erfolg.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Kurz nach Bekanntgabe der ersten Prognosen brach auf der Wahlparty der Labour-Partei Jubel aus. Die Anhänger feierten den Sieg des amtierenden Ministerpräsidenten Robert Abela mit Sprechchören. Nach Berichten der "Times of Malta" zeigt der Trend der am Morgen begonnenen Auszählung einen Vorsprung Labours von knapp zehn Prozent vor der oppositionellen Nationalistischen Partei.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Regierungschef Abela sagte in einer ersten kurzen Stellungnahme, das Land habe sich entschieden, "weiter voranzugehen". Labour werde seine "Politik der Reformen im Geist der nationalen Einheit" fortsetzen. Der Generalsekretär der Nationalisten, Michael Piccinino, kündigte an, seine Partei werde eine starke und engagierte Oppositionsarbeit machen.

Abela kam nach Korruptionsskandal ins Amt

Wahlsieger Abela hatte vor zwei Jahren seinen Parteifreund Joseph Muscat abgelöst, der zurücktreten musste in Folge des öffentlichen Drucks nach der Ermordung der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia. Mehrere Labour-Politiker waren in einen Korruptionsskandal verwickelt, den die Journalistin mit aufgedeckt hatte.

Abela konnte in seiner zweijährigen Amtszeit unter anderem mit einer erfolgreichen Politik in der Covid-Pandemie punkten. Malta bezeichnete sich selbst als Impf-Europameister, bereits Ende vergangenen Jahres waren rund 96 Prozent der Inselbewohner, die älter als zwölf Jahre sind, vollständig geimpft. Gleichzeitig milderte die Regierung mit einer großzügigen Kurzarbeitergeld-Regelung die sozialen Folgen der Pandemie.

Historisch niedrige Wahlbeteiligung

Die oppositionelle Nationalistische Partei hatte Labour im Wahlkampf unter anderem für die Korruptionsskandale in ihrer Regierungszeit kritisiert. Spitzenkandidat Bernard Grech sprach davon, bei der Wahl würde die Demokratie in Malta auf dem Spiel stehen.

Die Beteiligung an der Parlamentswahl in Malta war so niedrig wie noch nie seit der Unabhängigkeit 1964. Traditionell liegt die Wahlbeteiligung im kleinsten Staat der Europäischen Union stets bei über 90 Prozent. Diesmal stimmten 85,5 Prozent der Wahlberechtigten ab. Bereits die Umfragen hatten einen deutlichen Sieg der Labour-Partei vorhergesagt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. März 2022 um 09:10 Uhr und am 27. März 2022 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.