Menschen essen und trinken in einem Restaurant in Palma de Mallorca. | AFP

Osterurlaub auf Mallorca "Warum Gewissensbisse?"

Stand: 30.03.2021 07:34 Uhr

Trotz aller Warnungen verbringen viele ihre Osterferien auf Mallorca. Für alle Rückkehrer gilt inzwischen eine Testpflicht. Aber klappt das logistisch und was passiert, wenn man positiv getestet wird?

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Nun ist sie da, die Testpflicht für Mallorca-Rückkehrer und alle anderen, die im Flugzeug zurück nach Deutschland kommen. Für Johannes und seine Familie ist das nicht lustig. Ein Corona-Test vor dem Heimflug? Als sie losgeflogen sind, war davon nämlich noch keine Rede. "Die Situation ist die", erklärt Johannes, "wir sind hergeflogen und wollten ein paar schöne Tage Urlaub machen auf Mallorca."

Reinhard Spiegelhauer

Doch dann sei die Ansage gekommen, dass sie alle einen Test bräuchten. Sie sind zehn Personen, der günstigste Test in Palma koste 30 Euro, der normale PCR-Test habe einen Preis von 70 Euro. "Und hier im Hotel 90 Euro", sagt Johannes. "Das sind mal zehn 900 Euro."

Das ist viel Geld. Und da die Flüge preiswert umzubuchen waren, hat die Familie lieber einen Ferientag abgeschrieben und ist bereits einen Tag vor der neuen Pflichtregelung nach Hause geflogen.

Verständnis, aber keine Gewissensbisse

Viele Urlauberinnen und Urlauber können die Entscheidungen der Politik nicht mehr nachvollziehen. Erst wurde Mallorca von der Liste der Corona-Risikogebiete gestrichen, dann gab es plötzlich Zweifel an der Entscheidung, und verpflichtende Corona-Tests für Heimkehrer wurden angeordnet.

Trotzdem: Die allermeisten haben sich mit der Testpflicht nun arrangiert. "Ich weiß gar nicht, ob das schon feststand,", sagt Sabrina. "Wir reisen wieder ein und kann ja sein, dass ich unvorsichtig bin, und mir hier was einfange." Sie finde die Regelung daher verständlich.

Dabei wirkt Sabrina absolut nicht so, als ob sie unvorsichtig wäre und auf dem Hotelzimmer Party machen würde. Auch Ralf wirkt vorsichtig, er hat sich bereits wegen eines Tests erkundigt. Er habe kein Problem mit dem Test, sagt er. Aber dass in Deutschland so auf die Urlauber geschimpft werde, kann er überhaupt nicht verstehen. "Ich würde mir wünschen, dass man auch mal liest oder hört, dass man doch eigentlich in Deutschland zufrieden sein kann, dass viele Leute sicher und getestet in ein sicheres Land fliegen", sagt er. Dass sie sich selbst nicht anstecken könnten in Deutschland und damit auch niemand anderen. "Und so quasi entlastend sind. So sehe ich das", sagt Ralf.

Dass Menschen in Deutschland fragen, ob die Urlauberinnen und Urlauber dann gar kein schlechtes Gewissen hätten, jetzt in Urlaub zu fliegen, findet auch Sabrina eigentlich eher unverschämt. "Warum soll ich denn Gewissensbisse haben? Wir haben in Deutschland eine Inzidenz von 130. Ich fahre hierhin und hier ist eine Inzidenz von 30", sagt Sabrina. Sie sagt das ohne Aufregung oder Wut und erklärt: Sie sei selbstständig, habe eine Kindertagesstätte. "Was glauben Sie, was ich da jeden Tag für einer Gefahr ausgesetzt bin? Zuhause, da müsste ich mir denn Sorgen machen", sagt Sabrina.

40.000 Tests erwartet

Auf der Insel genügend Tests anzubieten, sei kein Problem, sagt Karen Storey vom privaten Gesundheitsanbieter Juaneda. Insgesamt könnten die Labore auf der Insel 10.000 bis 12.000 Tests täglich verarbeiten, sagt sie. Natürlich würden PCR-Tests länger dauern, aber das sei die Größenordnung. Das neue Testzentrum am Flughafen nicht mit eingerechnet. Bei erwarteten 40.000 Urlaubern aus Deutschland gehe es also vor allem um die Organisation.

Am Morgen sei Gott und die Welt in der Praxis aufgeschlagen. Das sei ja auch verständlich, sagt sie. Aber grundsätzlich würden mit den Hotels konkrete Zeitspannen abgesprochen, in denen Gäste für die Tests kommen sollen. Wer sich flexibel und auf eigene Faust testen lassen will, der kann das am Flughafen oder in zwei großen Kliniken in Palma tun. Zahlen muss man allerdings selbst.

 

Inselregierung hat Quarantänehotel eingerichtet

Die Testpflicht zu umgehen dürfte schwierig sein. Die Fluggesellschaften werden genau kontrollieren, das haben sie bei anderen Anlässen bereits in der Vergangenheit. Bleibt die Frage: Bei 40.000 Gästen, muss es da nicht automatisch Positiv-Fälle geben? "Als wir vergangenes Jahr von Juli bis September geöffnet hatten, haben wir nicht einen einzigen Fall gehabt", sagt Gina Noghuera, die das Hotel "Riu Playa Park" leitet.

Und sollte doch jemand positiv getestet und das Ergebnis durch einen PCR-Test bestätigt werden, wird eine Quarantäne fällig. Manche Hotels halten dafür Zimmer in abgetrennten Bereichen vor, aber auch die Inselregierung stellt ein Quarantänehotel. Dort reicht die Europäische Gesundheitskarte, damit die Kosten übernommen werden. In privaten Hotels muss man hingegen selbst zahlen, wenn man mit der Reisebuchung keine spezielle Versicherung abgeschlossen hat.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 30. März 2021 um 08:11 Uhr.