Apps auf einem Handy-Display | dpa

Smalltalk an Londoner Uni Handy weg - jetzt wird geplaudert

Stand: 24.02.2021 03:19 Uhr

Junge Leute sind in Social-Media-Zeiten immer weniger in der Lage zu spontaner Kommunikation. Eine Londoner Uni hat diese Lücke erkannt und bietet nun Smalltalk-Kurse an.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio London

Chit-Chat, die Plauderei, der Smalltalk - das ist lebenswichtig für eine gelungene Party, aber auch für eine erfolgreiche Karriere. Die Londoner Privatuniversität BPP Law School hat das jetzt erkannt und bietet daher nun Seminare in Chit-Chat und Networking an. Wobei das eine Folge des anderen ist: Erst plaudern, dann die beplauderte Person im Netzwerk verankern.

Udo Schmidt

Kanzleien schicken die Leute

Chit-Chat Module an der Uni, im Fachbereich Jura. Sind denn die jungen Juristinnen und Juristen besonders langweilig und plauderunfähig? Nein, meint Johnny Hurst von der Law School, das sei ein ganz allgemeines Phänomen: "Die Kanzleien schicken die Leute zu uns und bitten darum, sie auf schwierige Gespräche vorzubereiten. Diese zu beherrschen, das ist schließlich Voraussetzung für eine Karriere." Erst plaudern also, dann Geschäftsabschlüsse besprechen.

In der Generation Social Media könnten alle schnell prägnante Kurztexte verfassen, sagt Hurst, aber ein spontanes, zumindest spontan wirkendes Gespräch führen, das stelle manche inzwischen vor ernste Probleme.

Der Grund ist, dass diese Generation beim Texten viel entspannter ist, es ihr dann aber an Selbstbewusstsein mangelt, wenn es um persönliche Gespräche geht und darum, wirklich wichtige Dinge zu erzählen und Zeit mit einem Menschen zu verbringen.

Gut im Digitalen, schlecht im Persönlichen

Eine interne Umfrage der BPP Law School bestätigt das: Die Hälfte der Befragten äußert, digitale Kommunikation sei ihnen angenehmer als das persönliche Gespräch. 43 Prozent befürchten, wegen der Ausdrucksweise schlecht beurteilt zu werden, ein Drittel gibt an, Angst vor Fragen zu haben, die sie nicht beantworten könnten.

Junge Menschen fühlen sich gut im Digitalen und schlecht im Persönlichen. Obwohl das doch wichtig ist, sagt Kommunikationsexperte Rob Kendall.

"Der Hauptpunkt ist, Fragen stellen zu mögen"

Also wird jetzt gechit-chattet. Und das heißt zum einen: Positiv denken, also offen sein und nicht immer das halb leere Glas sehen. Und es heißt vor allem aber: Fragen stellen.

"Der Hauptpunkt ist, Fragen stellen zu mögen. Wenn man über das Wetter plaudert, dann stellt man Fragen und hört zu und schafft damit eine Situation, in der man etwas gemeinsam hat."

Nach einem guten Wettergespräch ist der Karrieresprung dann nicht mehr weit. Diese Annahme dürfte etwas übertrieben sein, aber grundsätzlich geht es genau darum. Sympathie entsteht eben nicht durch Faktenwissen.

Über dieses Thema berichtete Bayern2 Radiowelt am 25. Februar 2021 um 06:05 Uhr.