Menschen gehen an der Themse in London spazieren.

Lockerungen in England "Genießt es vorsichtig"

Stand: 29.03.2021 15:26 Uhr

Das Impfprogramm läuft gut, die Zahl der Neuinfektionen fällt: Nach einem monatelangen Lockdown startet England mit schrittweisen Lockerungen. Versammlungen in kleinen Gruppen im Freien sind wieder erlaubt.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Dave, Mitglied eines lokalen Fahrradclubs in Derbyshire, konnte es gar nicht abwarten: Punkt Mitternacht stand er mit einigen Freunden und Fahrrädern auf dem Dorfplatz. "Manche von uns haben sich seit Monaten, ein paar seit einem Jahr nicht mehr gesehen. Wir warten jetzt darauf, dass die Glocke läutet, und dann geht es los zur ersten Sechs-Leute-Fahrradtour."

Thomas Spickhofen ARD-Studio London

Seit heute ist es in England wieder erlaubt, bis zu sechs Leute zu treffen, allerdings nur draußen. In Wales gilt das schon seit dem Wochenende, Schottland und Nordirland folgen in den nächsten Tagen. Auch Außenanlagen für kontaktarme Sportarten wie Tennis oder Golf können wieder genutzt werden. "Genießt es", sagt Marc Walport, jahrelang der Top-Berater der Regierung in Sachen Gesundheitspolitik, genießt es, "aber genießt vorsichtig".

Rückgang der Neuinfektionen

Die Infektionszahlen im Vereinigten Königreich sind in den vergangenen Wochen enorm zurückgegangen. Derzeit werden täglich rund 4000 Neuinfektionen gemeldet, der Inzidenzwert liegt landesweit bei 56. Auch die Belastung der Krankenhäuser hat nachgelassen. Dafür hat das Land allerdings auch einen monatelangen harten Lockdown hinter sich, das öffentliche Leben war seit Mitte Dezember praktisch lahmgelegt.

Und das habe auch nur funktioniert, weil die Leute sich an die Vorgaben gehalten haben, sagt Professorin Anne Johnson, Epidemiologin am University College of London. Und weil das Impfprogramm so gut laufe. Mehr als 30 Millionen Menschen sind inzwischen mit einem ersten Impfschutz versehen. Aber das heißt auch, dass 33 Millionen Menschen immer noch keinen Impfschutz haben, warnt Walport. Man müsse deshalb vorsichtig bleiben, auch mit den Treffen draußen.

"Die Übertragung im Außenbereich ist viel geringer, aber am Ende ist es immer noch eine größere Nähe, die da zustande kommt. Vor allem das längere Beieinandersein hat da seine eigenen Risiken", so Walport.

Hohe Impfbereitschaft

Bis Mitte April soll allen über 50-Jährigen, bis Ende Juli allen Erwachsenen in Großbritannien mindestens die erste Impfung angeboten worden sein. Die Impfbereitschaft liegt bei 90 Prozent. Aber die Sorge bleibe, wenn man über den Ärmelkanal schaut, was in anderen europäischen Ländern passiere, sagt Walport.

Reisen oder nicht?

Gespannt warten die Briten nun auf kommenden Montag. Dann nämlich will Boris Johnson sagen, wie es für die Urlaubsplanung aussieht, welche Ausreise-, Rückreise und Quarantäne-Regeln dann gelten sollen. Die Epidemiologin Johnson hat für sich allerdings schon eine klare Entscheidung getroffen. Urlaub im Ausland berge ein großes Risiko, dass Varianten eingeschleppt werden. Anne Johnson ist für Urlaub zu Hause.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. März 2021 um 13:00 Uhr.