Der niederländische Regierungschef Rutte | dpa

Omikron auf dem Vormarsch Lockdown in den Niederlanden

Stand: 18.12.2021 21:07 Uhr

In den Niederlanden gilt von heute an ein Lockdown. Wie Regierungschef Rutte bekannt gab, müssen alle Geschäfte, Gaststätten, Kultur- und Sporteinrichtungen, Schulen und Friseure schließen.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Die Lage ist ernst. Wohl deshalb brachte Hollands Premier Mark Rutte zum ersten Mal bei einer Corona-Pressekonferenz den obersten Seuchenbekämpfer des Landes mit - Jaap van Dissel, wenn man so will der Lothar Wieler der Niederlande. Als Chef des Krisen-Management-Teams, das die Regierung berät, warnte der Virologe vor einer fünften Welle. Zwar gehe die Zahl der Neuinfektionen seit Tagen deutlich zurück, doch die Omikron-Variante des Virus breite sich schneller aus als erwartet, so van Dissel.

Ludger Kazmierczak ARD-Studio Den Haag

"Zahl der Infektionen verdoppelt sich alle zwei bis drei Tage"

"Die Variante sorgt im Moment nur für einen kleinen Teil der Neuinfektionen im Land, aber durch die sehr schnelle Verbreitung wird das zunehmen. Und diese Zunahme bedeutet nach unseren Erkenntnissen, dass sich die Zahl der Infektionen, alle zwei bis drei Tage verdoppelt."

Rutte zieht die Notbremse

Die geschäftsführende Regierung um Mark Rutte sieht sich daher gezwungen, die Notbremse zu ziehen. Bis zum 14. Januar schickt die Politik die Niederlande in einen harten Lockdown. "Omikron zwingt uns, die Zahl der Kontakte so schnell und effektiv wie möglich einzuschränken. Und deshalb machen die Niederlande dicht."

Das heißt, dass alle Restaurants, Cafés und Kneipen, die bislang noch bis 17 Uhr öffnen durften, geschlossen bleiben. Das gleiche gilt für Museen, Theater, Kinos, Freizeitparks und Fitness-Studios. Auch Friseure und Kosmetiker schickt die Politik in den Lockdown. Nur Supermärkte, Drogerien und Apotheken bleiben geöffnet, alle anderen Geschäfte und Kaufhäuser nicht. Sie dürfen aber Ware zum Abholen anbieten, also per Click and Collect. Dass die Grundschulen vor Weihnachten nicht mehr öffnen werden, hatte das Kabinett schon vor ein paar Tagen verkündet. Nun gilt dies auch für alle weiterführenden Schulen und Universitäten, und zwar bis zum Ende der Weihnachtsferien.

"Bei allen Unsicherheiten aber bitten wir die Schulen und Bildungseinrichtungen, sich auf Distanzunterricht in der ersten Woche nach den Ferien, also ab dem 10. Januar, vorzubereiten. Wie genau es dann weitergeht, werden wir am 3. Januar entscheiden."

Fünfte Welle könnte dramatisch werden

Freizeit-Sport ist nur noch im Freien und bis 17 Uhr erlaubt. Fitnessstudios und Turnhallen müssen schließen. Der Profi-Sport geht weiter, aber wie bislang ohne Publikum. Niederländische Haushalte sollen sich drinnen wie draußen nur noch mit maximal zwei weiteren Personen treffen.

Lediglich für die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel dürfen es vier Besucher sein. Jetzt die Kontakte zu reduzieren sei essentiell, so van Dissel, denn die fünfte Welle könnte eine besonders dramatische werden, so der Chef des Krisen-Management-Teams. "Die Anzahl der Kranken, die wir dann bekommen, könnte durch die sehr schnelle Ausbreitung der Virus-Variante höher sein als in der ersten Welle. Dann hätten wir durch die Omikron-Variante wieder mehr Krankenhaus-Betten mit ernsthaft erkrankten Patienten belegt."

Menschen in den Niederlanden überrascht

Weil die Corona-Kurve sowohl bei den Neuinfektionen, als auch bei den Krankenhausaufnahmen seit Tagen wieder nach unten zeigt, kam der Kabinettsbeschluss für die meisten Menschen überraschend. In vielen Innenstädten war es überdurchschnittlich voll, weil sich die Leute noch mit Weihnachtsgeschenken eindecken wollten. Das Zentrum von Rotterdam war so überfüllt, dass die Stadtverwaltung dazu aufrief, die Innenstadt zu meiden.

Über dieses Thema berichteten am 18. Dezember 2021 die tagesschau um 20:00 Uhr und Inforadio um 21:00 Uhr.

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