Angehörige der Kriminalpolizei am Ort einer Autoexplosion vor dem Liverpooler Frauenkrankenhaus. | REUTERS

Nach Explosion in Liverpool Mutmaßlicher Selbstmordattentäter identifiziert

Stand: 16.11.2021 15:47 Uhr

Nach der Explosion in Liverpool werden weitere Details bekannt: Der mutmaßliche Selbstmordattentäter konnte laut Medienberichten identifiziert werden. Es soll sich um einen 32-jährigen Mann irakisch-syrischer Herkunft handeln.

Nach der Explosion eines Taxis in Liverpool ist der mutmaßliche Selbstmordattentäter identifiziert worden. Medienberichten zufolge handelt es sich um den 32-jährigen Emad Al Swealmeen irakisch-syrischer Herkunft. Er soll unter psychischen Problemen gelitten haben.

Monate in psychiatrischer Klinik

Nachdem Al Swealmeen vor mehreren Jahren in Liverpool wegen eines Vorfalls mit einem Messer festgenommen worden sei, habe er sechs Monate in einer psychiatrischen Einrichtung verbracht. Wie mehrere Medien berichteten, wurden Asylanträge des Mannes wiederholt abgelehnt.

Ein christliches Paar aus Liverpool, Elizabeth und Malcolm Hitchcott, sagte dem Fernsehsender ITV, Al Swealmeen habe bei ihnen gelebt. Er habe dem Islam den Rücken gekehrt, um Christ zu werden. In der Kathedrale von Liverpool sei er getauft und konfirmiert worden. Es handelt sich dabei um dieselbe Kathedrale, auf die Al Swealmeen möglicherweise einen Anschlag verüben wollte. Auch das Frauenkrankenhaus, vor dem das Taxi explodierte, gilt als mögliches Anschlagsziel.

"Er lebte hier acht Monate, wir lebten Tür an Tür", sagte Malcolm Hitchcott. "Wir hatten nie das Gefühl, dass etwas nicht stimmt". Er sei "schockiert". Seine Frau Elizabeth sagte der BBC, sie sei "einfach nur traurig" und "sehr schockiert" über den Vorfall. "Wir haben ihn einfach geliebt, er war ein netter Kerl."

Vier Männer wieder frei

Derweil ließen die Behörden vier zuvor festgenommene Männer wieder frei. Die Männer hätten in Verhören "zufriedenstellende Zeugenaussagen" gemacht, woraufhin sie auf freien Fuß gesetzt worden seien, teilte die britische Anti-Terror-Polizei mit.

Die Behörde erklärte weiter, "seit Sonntagmorgen bedeutende Fortschritte" gemacht zu haben. An einer Adresse in der Rutland Avenue, die "für die Ermittlungen zentral werde", seien wichtige Beweise sichergestellt worden. An dieser Adresse hatte Al Swealmeen am Sonntagmorgen das Taxi bestiegen.

Lob für Tapferkeit von Premier Johnson

Der Mann hatte sich dann von dem Taxi zu der Frauenklinik in der nordwestenglischen Stadt bringen lassen. Als das Ziel erreicht war, explodierte der Sprengsatz und setzte das Auto in Brand. Der Fahrer habe sich retten können und sei mit Verletzungen behandelt worden, sagte der Polizeisprecher weiter. Er sei bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der Fahrgast starb noch vor Ort.

Der geistesgegenwärtige Taxifahrer verhinderte womöglich einen Anschlag, indem er Al Swealmeen im Taxi einschloss. Der Fahrer wurde zunächst im Krankenhaus behandelt, konnte am Montag aber wieder nach Hause zurückkehren. Es sei ein "absolutes Wunder", dass er überlebt habe, schrieb seine Frau bei Facebook. Premierminister Boris Johnson lobte den Mann für seine "unglaubliche Geistesgegenwart und Tapferkeit".

Explosion kurz vor Gedenken an Kriegstoten

Die Explosion ereignete sich Sekunden vor dem jährlichen landesweiten Gedenken an die Kriegstoten, das in der nahegelegenen Kathedrale der englischen Stadt begangen wurde. Der Zeitung "Liverpool Echo" zufolge nahmen an dem Gedenkgottesdienst rund 2000 Menschen teil.

Nach dem mutmaßlich vereitelten Anschlag stufte Großbritannien die Gefahr eines "terroristischen Anschlags" am Montag auf der zweithöchsten Stufe ein, was bedeutet, dass Anschläge sehr wahrscheinlich sind. Johnson mahnte die Bürger, "äußerst wachsam" zu bleiben. Der Sonntag "hat uns allen gezeigt, dass sich das britische Volk niemals vom Terrorismus einschüchtern lassen wird. Wir werden niemals denen nachgeben, die versuchen, uns mit sinnlosen Taten zu spalten", betonte er.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. November 2021 um 13:19 Uhr.