Arbeitskräfte kümmern sich um das Gepäck der AIDAnova-Passagiere (Bild vom 3.01.2022). | AP

Corona auf "AIDAnova" Mühsame Rückreise nach Kreuzfahrt-Ende

Stand: 04.01.2022 17:34 Uhr

Wegen Coronafällen war die AIDAnova-Kreuzfahrt für 3000 Passagiere in Lissabon zu Ende - der Rücktransport verlief alles andere als rund: Eine Urlauberin berichtet von Menschenmengen und einer Nacht auf dem Fußboden.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Es hätte die Erholung vom Pandemie-Wahnsinn werden sollen für Mareike Sack aus Darmstadt und ihren Mann: eine Atlantik-Kreuzfahrt mit Silvester-Feuerwerk auf Madeira und einem Besuch der Kanarischen Inseln. Doch Corona macht die Reise kaputt: Wegen 60 Positiv-Fällen bei Besatzungsmitgliedern und einigen bei Passagieren ist in Lissabon schon Schluss.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

"Sehr traurig, dass einfach die Träume und Wünsche für den Winter nicht in Erfüllung gegangen sind. Meine Seele hätte etwas Sonne vertragen können", sagt Sack dazu - und beschreibt ihren Gefühlszustand so: "Über die absolute Fassungslosigkeit bis hin zur Angst ob der Menschenmassen."

 Sonderflüge trafen spät ein

Menschenmassen am Flughafen Lissabon - denn die Rückreise läuft anders als geplant: Gestern erklärte noch der Hafenmeister, dass die Urlauber in kleinen Gruppen von Bord gehen sollen, um Abstände einzuhalten und nicht in einem Schwung am Flughafenterminal anzukommen. Doch genau dort standen schließlich mehrere Hundert Menschen eng beisammen.

Die Reederei AIDA Cruises hatte zwar etliche Sonderflüge organisiert - Maschinen von Condor und TUIfly waren im Spezialeinsatz - allerdings teils stark verspätet. In der Abfertigungshalle habe Chaos geherrscht, erzählt Sack. Eine einzige Ansprechpartnerin von AIDA sei für fast 3000 Passagiere zuständig gewesen. Fast sechs Stunden standen sie und ihr Mann an, bis sie am Abend endlich eine Bordkarte in der Hand hatten.

"Wir standen nach der Security hier im Abflug und hatten keinerlei Infos, wie es jetzt weitergeht. Wir haben dann die Nacht hier im Terminal verbracht", erzählt sie. "Es war sehr kalt, wir haben versucht, uns in eine Ecke zurückzuziehen und haben ein paar Stunden schlafend auf dem Boden verbracht."

400 Leute übernachten im Terminal

Etwa 400 Passagiere waren nachts im Terminal gestrandet - ohne Information, wann sie nun nach Hause kommen. Der Reiseanbieter Kreuzfahrten.de bestätigte auf Nachfrage, dass die Rückholaktion der Passagiere stockend laufe.

Immerhin: Mareike Sack und ihr Mann sollen heute noch zurück nach Frankfurt kommen, am Dienstagnachmittag hatten sie jedenfalls neue Bordkarten. Ihre Kreuzfahrt-Odyssee wäre dann zu Ende - eine Reise, von der sie vorab nie gedacht hätten, dass sie trotz Pandemie so verlaufen könnte.

"Das Konzept hört sich gut an: 2Gplus, geimpft mit PCR-Test am Terminal. Das klang eigentlich so, als wäre es machbar, wie ein eigener Mikro-Kosmos", sagt sie über die Buchung. "Dass das in so einem Fiasko endet - ich glaube, damit hat weder auch nur ein Passagier noch irgendeiner von der Besatzung gerechnet."

Das Coronavirus wirbelt momentan den Kreuzfahrtmarkt durcheinander. Gestern musste ein Schiff in Dubai die Fahrt unterbrechen, heute ein weiteres mit dem Ziel Kanaren - die "MS Amera" kehrte nach Bremerhaven zurück, nachdem auch dort Crewmitglieder positiv getestet worden waren.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Januar 2022 um 14:00 Uhr.