Blick über Lissabon | picture alliance / Arcaid

Delta-Variante in Lissabon "Die Zahlen nehmen rapide zu"

Stand: 18.06.2021 17:27 Uhr

Die Zahl der Infektionen steigt, die Delta-Variante ist in Portugals Hauptstadt Lissabon mittlerweile dominant. Um ihre Ausbreitung einzudämmen, wird der Großraum nun abgeriegelt - mit Ausnahmen.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Urlauberinnen und Urlauber aus Deutschland sind durch die sogenannte Abriegelung in Portugal nur in Ausnahmefällen betroffen. Etwa, wenn sie einen Finca-Urlaub im Alentejo gebucht haben, aber bei der Anreise an diesem Wochenende einen Kurzaufenthalt in Lissabon mitnehmen wollten.

Reinhard Spiegelhauer ARD-Studio Madrid

Ausflüge in der Metropolregion möglich

Vom Flughafen in Lissabon aus direkt ins Alentejo zu fahren, ist trotz der für Lissabon geltenden Mobilitätseinschränkungen erlaubt. Und selbst wer auf einer Städtereise in Lissabon ist, hat kaum Einschränkungen: Alle relevanten Ausflugsziele - wie die Paläste in Sintra in den Bergen oder der Badeort Estoril - liegen innerhalb des Gebietes, das "abgeriegelt" ist: Die Metropolregion Lissabon ist größer als das Saarland.

Es geht um eine Vorsichtsmaßnahme, sagt Vitor Almeida vom Krisenstab der portugiesischen Ärztekammer: "Der Großraum Lissabon ist wirklich eine Ausnahme in Portugal, die Zahlen nehmen sehr rapide zu. Der Grund ist eindeutig auch die Delta-Variante, die in Lissabon dominant ist", so Almeida.

"Daher die Entscheidung der Regierung, am Wochenende um Lissabon einen Sicherheitskordon aufzubauen. Weil man einfach vermeiden möchte, dass die Situation überschwappt auf den Rest des Landes."

Problem in Lissabons Vorstädten

Almeida, der in Deutschland aufgewachsen ist und dort Medizin studiert hat, sieht vor allem die Vorstädte Lissabons als Problemzonen. Dort leben Menschen sehr dicht zusammen, haben nach dem Lockdown ein großes Nachholbedürfnis an sozialen Kontakten. Hochzeiten und Familienfeste würden wieder im großen Kreis gefeiert - leichtes Spiel für Delta.

Trotzdem sei die Lage nicht mit der zu Anfang des Jahres vergleichbar: "Wir haben weiterhin sehr, sehr niedrige Todesraten. Gestern sind in Portugal zwei Menschen gestorben. Die Intensivstationen sind nicht unter Druck, die Situation ist sehr entspannt. Das ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Impfung funktioniert."

 

Infektionen sehen die Ärzte jetzt vor allem bei Menschen unter 40, die noch gar nicht oder zumindest nicht vollständig geimpft sind. Gerade die Jungen sehnten sich aber besonders nach sozialen Kontakten, seien besonders mobil, sagt der Arzt.

Testpolitik Deutschlands als Vorbild

Er sieht Deutschland als mögliches Vorbild für Portugal: "Die Testpolitik in der Bundesrepublik, die ich erst kürzlich im Mai in Hannover gesehen habe, ist wirklich der richtige Weg. Das ist vielleicht unangenehm für die Bevölkerung, aber es muss wirklich weiter getestet werden. Es muss geimpft werden, und wir müssen weiterhin vorsichtig sein, was Zusammenkünfte in Gruppen angeht."

Die Impfpriorisierung aufzuheben, und auch Jüngere zu impfen, sei der richtige Weg, glaubt Almeida. Für Touristen, die Portugal besuchen wollen, sieht er im Moment kein erhöhtes Risiko.

Familientreffen sind riskant - und finden statt

Wer schon vollständig geimpft sei, der brauche sich wirklich keine Sorgen zu machen: "Lissabon ist für Geimpfte auch weiterhin nicht das Problem. Ein Tourist, der mit seiner Familie kommt, der wird dann nicht zu einer Hochzeit gehen", so Almeida.

"Ich sehe das Problem vor allem bei den Familienzusammenkünften unserer Einheimischen. Etwa Dorffeste wird es dieses Jahr wieder nicht geben - aber: man trifft sich dann doch in Familie und man sitzt dann doch mit 20 Leuten am Tisch."

 

Solche Familientreffen zur Weihnachtszeit waren zu Jahresbeginn schon als Auslöser für die Corona-Wellen in Portugal und Spanien vermutet worden. Neu ist jetzt die gefährliche Delta-Variante: Vollständig Geimpfte scheinen aber auch vor ihr gut geschützt. Im Großraum Lissabon ist allerdings erst etwa ein Fünftel der Bevölkerung zweimal geimpft.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Juni 2021 um 16:25 Uhr.