Dieses vom russischen Außenministerium zur Verfügung gestellte Bild zeigt Lawrow nach Angaben des Ministerium bei seiner Rede in Kairo | AP

Lawrow bestätigt Pläne Kreml will "Regimewechsel" in Ukraine

Stand: 25.07.2022 06:47 Uhr

Russlands Außenminister Lawrow hat erklärt, der Kreml wolle die Regierung in Kiew stürzen. Der ukrainische Präsident Selenskyj reagierte umgehend: Die Ukrainer würden ihre Unabhängigkeit niemals aufgeben - der Weg führe nach Europa.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat im Gegensatz zu früheren Äußerungen erklärt, dass Russland den Sturz der ukrainischen Regierung anstrebe. "Wir helfen dem ukrainischen Volk auf jeden Fall, sich von dem absolut volks- und geschichtsfeindlichen Regime zu befreien", sagte Lawrow bei einem Besuch in Kairo. Das russische und ukrainische Volk würden künftig zusammenleben.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte in seiner abendlichen Videoansprache indirekt auf Lawrows Äußerung. "Nur diejenigen, die die wahre Geschichte nicht kennen und ihre Bedeutung nicht spüren, konnten sich entscheiden, uns anzugreifen", so Selenskyj. Jahrhunderte seien die Ukrainer unterdrückt worden. Sie würden ihre Unabhängigkeit niemals aufgeben und sich nicht einschüchtern lassen, versicherte er.

Selenskyj: Unabhängigkeit von Russland wahren

"Jetzt die Einheit zu bewahren, gemeinsam für den Sieg zu arbeiten, ist die wichtigste nationale Aufgabe, die wir zusammen bewältigen müssen", sagte Selenskyj. Wenn die Ukrainer dies schafften, werde ihnen gelingen, was Generationen vorher misslungen sei: Die Unabhängigkeit von Russland zu wahren, sich zu einem der modernsten Staaten der Welt zu wandeln und gleichzeitig den eigenen Weg Richtung Europa zu gehen, der nach Angaben Selenskyjs mit einer Vollmitgliedschaft in der EU enden wird.

Selenskyj kündigte an, das Land werde am 28. Juli seinen Nationalfeiertag festlich begehen. Vor der Ukraine liege eine wichtige Woche inmitten des grauenhaften Krieges. Die Ukraine werde weiter alles unternehmen, um ihrem Feind den größtmöglichen Schaden zuzufügen. Sogar die Russen erwarteten, dass die Ukraine gewinnen werde.

Die russische Führung hatte in den vergangenen Tagen öffentlich ihre Position im Ukraine-Krieg verschärft. So drohte Lawrow am Mittwoch mit der Besetzung weiterer Gebiete auch außerhalb des Donbass. Angesichts der westlichen Waffenlieferungen und deren höherer Reichweite sei es nötig, die ukrainischen Truppen weiter abzudrängen von den Gebieten Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine, die Moskau als unabhängig anerkannt hat.

Lawrow widerspricht eigenen Aussagen vom April

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hatte Russlands Begründung für mögliche weitere Gebietseinnahmen in der Ukraine als Propaganda bezeichnet. "Russland benutzt jedes Mal ein anderes Argument. Diesmal sagen sie, es sei wegen der militärischen Unterstützung", sagte die Grünen-Politikerin in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Deutschen Welle. Baerbock wies darauf hin, dass Russland bereits in der Vergangenheit Ziele außerhalb der derzeit besetzten Gebiete angegriffen hatte - etwa Kiew. "Es handelt sich also nur um eine neue Propaganda der russischen Seite", sagte Baerbock.

Ziele des Kreml sind, dass die Ukraine die Gebiete Donezk und Luhansk abtritt und die bereits 2014 von Russland annektierte Krim als russisch anerkennt. Mit seiner Ankündigung, die politische Führung in Kiew auswechseln zu wollen, widerspricht Lawrow auch eigenen Aussagen vom April. "Wir haben nicht vor, das Regime in der Ukraine zu wechseln", sagte der russische Chefdiplomat damals in einem Interview mit dem Fernsehsender India Today. Es sei Aufgabe der Ukrainer zu entscheiden, unter welcher Führung sie leben wollten, versicherte Lawrow damals.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Juli 2022 um 07:00 Uhr.