Lava fließt ins Meer vor La Palma | AP

Nach Vulkanausbruch La Palma muss neu vermessen werden

Stand: 04.10.2021 10:22 Uhr

Seit zwei Wochen spuckt der Vulkan auf La Palma Feuer und Asche. Durch die Lavamassen ist eine neue Landzunge entstanden. Das hat Folgen - unter anderem für die Schifffahrt.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Javier Gonzáles Matesanz steht vor einer aufwändigen 3D-Karte der Kanaren. Also einer Karte, auf der Berge nicht nur eingezeichnet, sondern maßstabsgetreu aufgebracht sind. Man kann sie ertasten. Diese Karte ist gerade einmal ein Jahr alt, sagt der Präsident der spanischen Gesellschaft für Kartografie im Sender TVE: "An dieser Karte muss nun die Küste von La Palma ausgebessert werden. Denn hier hat sich ja schon einiges verändert."

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Lava verfestigt sich

Unmengen glühende Lava sind ins Meer geflossen. Dort wird sie sofort fest, wodurch eine Landzunge entstanden ist. Bisher hat sie eine Fläche von etwa 30 Hektar, wächst aber weiter. La Palma wird also größer, verändert seine Form.

Rund um die Landzunge hat sich auch Lava am Meeresboden abgelagert, erklärt Experte Gonzáles Matesanz, was zu Untiefen führt: "Früher konnte vielleicht ein Schiff einen bestimmten Bereich passieren, jetzt nicht mehr, weil das Meer dort weniger tief ist als vor dem Vulkanausbuch."

Auch Straßen ändern sich

Auch diese Informationen gehören in Karten, zumindest in solche für die Schifffahrt. Doch auch auf der Insel selbst sorgt der Vulkan für Veränderungen: Die glühende Lava hat rund 1000 Gebäude zerstört - die meisten davon Wohnhäuser - und etliche Straßen unpassierbar gemacht.

"Durch die neuen Lavaströme werden Namen auf den Karten verschwinden, von kleinen Ortschaften zum Beispiel. Neue Namen kommen vielleicht hinzu. Die Kartografie ist also etwas Lebendiges", so Gonzáles Matesanz.

Weitere Hilfe für Bewohner

Was den Fachmann fasziniert, bedeutet für Bewohner des Vulkangebiets eine Katastrophe. Viele stehen vor dem Nichts, haben ihr Hab und Gut verloren. Rund 600 Bananenbauern müssen mit ansehen, wie die Lava ihre Plantagen verwüstet. Der Anbau von Bananen macht etwa die Hälfte der Wirtschaftsleistung der Insel aus, ernährt Tausende Familien.

Die spanische Regierung kündigte bereits Hilfe an. Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte den Bewohnern von La Palma gestern bei einem Besuch weitere 207 Millionen Euro zu. Damit solle vor allem die Infrastruktur, die Landwirtschaft und die Trinkwasserversorgung wieder aufgebaut werden: "Am Dienstag wird das Kabinett dieses Hilfspaket beschließen, damit der Wiederaufbau der Insel schnell beginnen kann. Ich möchte auch Urlauber aufrufen, die nach La Palma reisen wollen, das weiter zu tun. Dies ist ein sicherer Ort, den Touristen genießen können."

Das Auswärtige Amt in Berlin rät dagegen von nicht notwendigen Reisen nach La Palma ab. Es sei nicht auszuschließen, dass es zu Evakuierungen weiterer Gebiete komme - oder auch dass der Flughafen geschlossen werde, hieß es am Wochenende. Denn der Vulkan stoße immer noch Lava und Asche aus.

Weltkarten nicht betroffen

Auch die Kartografen um Gonzáles Matesanz müssen mit ihrer Arbeit warten, bis der Vulkan wieder Ruhe gibt. Erst dann steht fest, um wie viele Hektar genau sich La Palma vergrößert hat, wie die Landkarten also aussehen müssen.

So viel sagen die Experten schon jetzt: Weltkarten müssen wohl nicht verändert werden. Ihr Maßstab ist so groß, dass die Kanarischen Inseln wiederum winzig klein abgedruckt sind. Details wie eine neue Landzunge von La Palma erkenne man sowieso nicht.

Die Karte zeigt die Insel La Palma mit dem Lavastrom aus einem Vulkan des Cumbre Vieja, Kanarische Inseln.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Oktober 2021 um 20:00 Uhr.