Ein Boot mit Geflüchteten vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa. | REUTERS

Lampedusa Mehr als 2000 Geflüchtete binnen 24 Stunden

Stand: 10.05.2021 17:55 Uhr

Die Zahl der Geflüchteten auf der italienischen Insel Lampedusa hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht - zuletzt kamen mehr als 2000 Menschen innerhalb von 24 Stunden. Private Seenotretter werden weiter ausgebremst.

Auf der kleinen italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa sind innerhalb kurzer Zeit mehr als 2000 Geflüchtete mit Booten angekommen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Zudem würden weitere Boote mit Geflüchteten erwartet werden. In Italien mehrten sich die Alarmrufe, nachdem sich die Zahl der Ankünfte im Vergleich zum Vorjahr insgesamt verdreifacht hat.

In der Nacht hatten Patrouillenschiffe vor Lampedusa mehrere hundert Menschen aus kleinen Booten aufgenommen und an Land gebracht. Andere erreichten laut Ansa selbst die Küste. Damit sei die Zahl der Geflüchteten, die auf der Insel innerhalb von 24 Stunden bei 20 Anlandungen registriert wurden, auf 2128 gestiegen.

Lampedusa liegt zwischen Nordafrika und der Hauptinsel Sizilien, zu der sie verwaltungsmäßig gehört. Auf Lampedusa leben normalerweise rund 6000 Einwohner.

"Menschliches Drama im Mittelmeerraum"

Der sizilianische Regionalpräsident Nello Musumeci sprach von einem "menschlichen Drama der Migranten im Mittelmeerraum", das ungelöst sei. Jeder wisse, dass in den kommenden Wochen viele Migranten auf dem Meer sterben würden. "Aber niemand rührt einen Finger, weder in Rom noch in Brüssel", schrieb er auf Facebook.

Nach UN-Angaben starben in diesem Jahr etwas mehr als 500 Migranten im zentralen Mittelmeer. In den vergangenen Wochen hatten auch private Seenotretter auf dem Mittelmeer beobachtet, dass sich wieder sehr viele Migranten in Schlauchbooten und kleinen Holzschiffen auf die gefährliche Fahrt Richtung Europa machen, oft von Libyen und Tunesien aus. Ein Grund sei das gute Maiwetter mit oft ruhiger See, hieß es.

Deutlich mehr Geflüchtete als im Vorjahr

Seit Beginn des Jahres kamen nach einer Zählung des Innenministeriums in Rom insgesamt fast 12.900 Migranten nach Italien. Vor einem Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt gut 4180. Besonders viele stammen aus Tunesien, der Elfenbeinküste und aus Bangladesch.

Die italienische Regierung ist bemüht, die Geflüchteten schnell innerhalb der Europäischen Union (EU) in andere Länder weiter zu verteilen. Viele dieser Länder wehren sich aber dagegen.

Seenotretter-Schiffe festgesetzt

Die Seenotretter der "Sea-Watch 4" fürchten derweil, länger im Hafen der sizilianischen Stadt Trapani festgesetzt zu werden. Dort hatten die freiwilligen Helfer in der vergangenen Woche mehr als 450 aus dem Mittelmeer gerettete Geflüchtete hingebracht. Aktuell befinde sich die Crew noch in einer 14-tägigen Quarantäne, erklärte eine Sprecherin von Sea-Watch. Danach sei jedoch unklar, ob das Schiff wieder auslaufen dürfe.

Nach Angaben der Organisation wurde die "Sea-Watch 4" auf Grundlage einer Anordnung aus dem September 2020 wieder festgesetzt, wegen der sie schon einmal im Hafen gehalten wurde. Diese sei zwischenzeitlich aufgehoben worden, bis die italienische Küstenwache zuletzt dagegen Einspruch eingelegt habe.

Damit können derzeit beide Schiffe der privaten Seenotretter nicht auslaufen, da auch die "Sea-Watch 3" weiter im Hafen der sizilianischen Stadt Augusta festsitzt. Im Fall der "Sea-Watch 4" werfen die italienischen Behörden der Organisation vor, unter falscher Registrierung zu fahren. Nach UN-Angaben starben in diesem Jahr mehr als 500 Menschen im zentralen Mittelmeer.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2021 um 18:00 Uhr.