Ein Drohnenbild zeigt, wie sich die Lava auf der Insel La Palma ausbreitet. | AFP

Kanareninsel La Palma Lavamassen zerstören mehr als 180 Häuser

Stand: 21.09.2021 17:46 Uhr

Der Vulkanausbruch auf der Kanareninsel La Palma richtet immer größere Schäden an. Bisher sind mehr als 180 Wohnhäuser zerstört worden. Wenn die Lavamassen demnächst das Meer erreichen, droht neue Gefahr.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Was die Lava bisher angerichtet hat, lässt sich am besten aus der Luft überblicken. Spanische Medien haben Kamera-Drohnen losgeschickt: Sie zeigen die dampfende, schwarze Masse, die wie ein riesiger Klecks auf der Landschaft von La Palma liegt. Darunter begraben: Wohnhäuser, landwirtschaftliche Anlagen, Straßen, hier und da stehen brennende Autos herum.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Anwohner können nur mit Sicherheitsabstand zusehen, wie ihr Hab und Gut vernichtet wird, so wie dieser Mann. "Wir sind direkt betroffen, haben unser Anwesen verlassen. Mit einer riesigen Unsicherheit und Angst", sagt er.

In der Nacht hatte auf La Palma wieder die Erde gebebt, mindestens viermal. Daraufhin öffnete sich am Vulkan eine weitere Spalte, aus der nun auch glühende Lava fließt. Inzwischen gibt es neun Öffnungen. Eine weitere Ortschaft ist damit bedroht, Helfer bringen immer mehr Menschen in Sicherheit.

"Wir haben eine Notlage beim Wohnraum"

Die Zahl der Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten, ist auf 6500 gestiegen. Die meisten kommen bei Verwandten unter, andere schlafen in Sporthallen. Doch das kann nur eine Zwischenlösung sein, sagt Kanaren-Präsident Ángel Victor Torres. "Wir haben eine Notlage beim Wohnraum. Für ein paar Tage können die Evakuierten bei Familienangehörigen wohnen oder in den Notquartieren", so Victor Torres. "Aber diese Lage wird lange andauern, dafür müssen wir jetzt Lösungen finden. Die suchen wir zusammen mit dem Inselrat, den betroffenen Gemeinden und der Regierung."

Die Lava-Walze frisst sich weiter über die Insel, allerdings langsamer als gestern noch kalkuliert. Das Tempo liegt nun bei etwa 120 Metern pro Stunde. Fachleute erwarten, dass die glühende Masse heute Abend das Meer erreicht. Das Zusammentreffen von Lava und Wasser berge eine neue Gefahr, sagt Pedro Vélez, der Direktor des ozeanischen Instituts von Teneriffa. "Die Lava ist über 1000 Grad heiß, das Meer aktuell 24 Grad warm. Wir rechnen mit enorm viel Dampf und riesigen weißen Rauchsäulen."

Andere Forscher vergleichen den Effekt mit einer Situation in der Küche: Man gießt Wasser in eine Bratpfanne, die voll ist mit heißem Öl. Das Ganze nur in viel größeren Dimensionen. Daher rufen die Behörden von La Palma die Menschen dazu auf, sich von den Bereichen der Küste fernzuhalten, an denen die Lava erwartet wird. 

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Vulkanausbruch auf spanischer Kanareninsel La Palma

"Die Krise endet nicht, wenn die Lava das Meer erreicht"

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte an, die Insel zum Katastrophengebiet zu erklären. "Die Krise endet nicht, wenn die Lava das Meer erreicht. Nein, sie endet frühestens, wenn das Leben auf La Palma wieder zur Normalität zurückkehrt - und damit begonnen werden kann, alles wieder aufzubauen, was die Lava vernichtet hat."

Die Regionalregierung der Kanaren schätzt die Schäden durch den Vulkanausbruch auf rund 400 Millionen Euro. Was davon Versicherungen übernehmen, ist bisher unklar.

Der Ministerpräsident verlässt die Insel heute, um - leicht verspätet - zur UN-Vollversammlung nach New York zu fliegen. Und früher als geplant von dort auch wieder abzureisen: Am Donnerstag schon will Sánchez erneut auf La Palma sein, wenn auch das spanische Königspaar das Katastrophengebiet besucht, um sich einen Eindruck der Lage zu verschaffen.