Der Vulkan Cumbre Vieja auf La Palma spuckt Lava und Rauch. | EPA

Vulkanausbruch auf La Palma Behörden warnen vor Schwefeldioxidwolke

Stand: 23.09.2021 16:53 Uhr

Der Vulkan auf der Kanarischen Insel La Palma ist weiterhin aktiv. Die Behörden warnen nun vor der Ausbreitung einer Schwefeldioxidwolke. Das spanische Königspaar sprach den Menschen Mut zu.

Der ausgebrochene Vulkan auf der Kanarischen Ferieninsel La Palma kommt nicht zur Ruhe. Er spuckte erneut Lava in den Himmel, während auf die umliegende Gegend ein Ascheregen niederging. Die Lava bahnte sich weiter ihren Weg Richtung Meer, wenn auch etwas langsamer als in den vergangenen Tagen. Auf ihrem Weg hat sie bereits etwa 350 Häuser und Schulen zerstört sowie Bananenplantagen, Straßen und Stromleitungen. Mittlerweile sind 166 Hektar Land mit Lava bedeckt.

Die Behörden warnten die Menschen davor, ungewaschenes Obst und Gemüse zu essen. Es wurde damit gerechnet, dass sich eine Schwefeldioxidwolke nach Osten über den Rest des Kanarischen Archipels in Richtung der iberischen Halbinsel und das Mittelmeer bewegt.

Lava fließt erheblich langsamer

Durch die verringerte Fließgeschwindigkeit der Lava wird befürchtet, dass sie sich über das Land ausbreitet und weitere Häuser zerstört, anstatt ins Meer zu fließen. Der 600 Meter breite Lavastrom, der sich nach dem Ausbruch mit 700 Metern pro Stunde bergabwärts bewegt hatte, floss nach Angaben der Behörden nun mit vier Metern pro Stunde, nachdem er eine Ebene erreicht hatte. Mit der Verlangsamung wurde die Lavaschicht dicker, teilweise türmte sie sich 15 Meter hoch auf.

Das langsamere Vorrücken der Lava verschafft den Menschen Zeit, ihre Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen. In der Gemeinde Todoque, die nah am Meer liegt, wurden Einwohnerinnen und Einwohner von der Guardia Civil zu ihren Häusern begleitet. "Alles, was am Sonntag als etwas Außergewöhnliches begann, etwas Schönes zum Anschauen, wurde am nächsten Tag zu einer Tragödie", sagte eine Frau, die ein Schmuckgeschäft besitzt, der Nachrichtenagentur Reuters. Viele ihrer Freunde hätten alles verloren. "Unsere Herzen sind gebrochen."

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Flucht vor den Lavamassen auf La Palma

Spanisches Königspaar spricht Menschen Mut zu

Spaniens König Felipe VI. und Königin Letizia flogen auf die Insel. Das Königspaar besuchte zunächst einige der mehr als 6000 Evakuierten und sprach ihnen Mut zu, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtete. Viele von ihnen haben ihr gesamtes Hab und Gut durch den Vulkanausbruch verloren. Felipe und Letizia wurden von Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez begleitet. Sie trafen Vertreter der Inselregierung und wollten sich bei einem Besuch der Einsatzleitstelle in der Nähe des Vulkans mit eigenen Augen einen Eindruck von den Zerstörungen und den Hilfsarbeiten machen.

Die Regionalregierung der Kanaren verhängte ein Sperrgebiet im Umkreis von zwei Seemeilen rund um die Stelle, wo die Lava den Berechnungen zufolge ins Meer fließen könnte. Ob die Lava die noch zweieinhalb Kilometer entfernte Küste noch erreichen würde, ist indes ungewiss.

Vulkanausbruch könnte noch Monate dauern

Nach Angaben des kanarischen Vulkanforschungsinstituts Involcan spuckt der Vulkan seit Beginn der Eruption jeden Tag zwischen 6000 und 11.500 Tonnen Schwefeldioxid aus. Die Wolke hat bereits die Küste Marokkos erreicht und sollte später über dem spanischen Festland eintreffen, bevor sie sich weiter Richtung Balearen und Südfrankreich fortbewegt. Berechnungen gehen davon aus, dass die Wolke den gesamten westlichen Mittelmeerraum und einen großen Teil der nordafrikanischen Maghreb-Region bedecken könnte.

Die Experten befürchten, dass sich giftige Gase bilden könnten, sollte die heiße Lava ins Wasser fließen. Auch Explosionen glühender Lavabrocken und kochend heiße Flutwellen sind nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS möglich. Die Nachwirkungen des Ausbruchs könnten nach Ansicht von Experten noch zwischen drei und zwölf Wochen dauern. Involcan erklärte zuletzt, es habe bei seiner Kalkulation auf Daten früherer Ausbrüche auf den Kanarischen Inseln zurückgegriffen, die wie der jüngste Ausbruch von heftigen Lavaströmen und fortdauernder seismischer Aktivität begleitet waren.

Karte mit La Palma und dem Vulkan Cumbre Vieja

Cumbre Vieja (Deutsch: Alter Gipfel) ist eine knapp 2000 Meter hohe und etwa 14 Kilometer lange Vulkankette im Süden von La Palma. Zuletzt war der Vulkan 1949 und 1971 ausgebrochen.

Lava, Asche und Rauch in bis zu 4200 Metern Höhe

Der Cumbre Vieja spuckt seit Sonntag Asche, Gesteinsbrocken und um die 1000 Grad heiße Lava aus. Die seismische Aktivität auf La Palma war vor dem Ausbruch angestiegen und blieb seither hoch; nach Angaben der Guardia Civil stabilisierte sie sich inzwischen. Flüssige Lava, Asche und Rauch wurden weiter bis zu 4200 Meter hoch aus der Vulkanöffnung geschleudert, erklärte Involcan. Das schürte zuletzt die Sorge um die Sicherheit des Luftraums über der Insel und ob dieser offen bleiben kann. Nach Mitteilung der spanischen Flugsicherung Enaire wurden zwei Bereiche über dem betroffenen Gebiet zu Flugverbotszonen erklärt, damit Rettungsdienste sich frei bewegen können.

Die Kanaren, zu denen auch die beliebten Ferieninseln Gran Canaria, Teneriffa und Lanzarote gehören, sind vulkanischen Ursprungs.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. September 2021 um 17:00 Uhr.