Lavaströme in der Nähe von Häusern auf der Kanareninsel La Palma.  | REUTERS

Vulkanausbruch auf La Palma Lava schlägt erneut Hunderte in die Flucht

Stand: 21.10.2021 15:32 Uhr

Auf der Kanareninsel La Palma mussten erneut Hunderte Menschen wegen des Vulkanausbruchs in Sicherheit gebracht werden - insgesamt sind mittlerweile etwa 7500 Einwohner betroffen. Der Ausbruch könnte Experten zufolge noch Monate dauern.

Der seit über einem Monat Lava und Asche spuckende Vulkan hat auf der Kanareninsel La Palma erneut Hunderte Menschen in die Flucht geschlagen. Das Notfall-Komitee Pevolca ordnete in der Nacht die Evakuierung mehrerer Ortschaften der Gemeinden Tazacorte und Los Llanos de Aridane an. Wie Juan Miguel Rodríguez, der Bürgermeister des Küstenortes Tazacorte, dem Sender RTVE sagte, halfen die Rettungsdienste rund 500 Menschen dabei, ihre Häuser zu verlassen.

Das Nationale Geographische Institut Spaniens meldete den ganzen Tag über Dutzende Erdbeben, das heftigste mit einer Stärke von 4,3. Seit dem Ausbruch des Vulkans im Süden der spanischen Insel vor der Westküste Afrikas mussten damit bereits etwa 7500 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Das sind schon fast zehn Prozent aller knapp 85.000 Bewohner La Palmas. Viele von ihnen werden nie wieder in ihre von der Lava zerstörten und verschütteten Häuser zurückkehren können.

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Flucht vor den Lavamassen auf La Palma

"Es herrscht ein gewisses Maß an Verzweiflung"

Die Anspannung, nicht zu wissen, ob das sich langsam bewegende geschmolzene Gestein ihre Häuser, ihr Ackerland und ihre Geschäfte begraben wird, mache den Menschen zu schaffen, fügte Rodríguez hinzu. "Es herrscht bereits ein gewisses Maß an Mutlosigkeit und Verzweiflung. Man wartet darauf, dass der Vulkan sich beruhigt." Wissenschaftlern zufolge könnte der Ausbruch noch drei Monate andauern.

Seit der Vulkan am Gebirgszug Cumbre Vieja am 19. September zum ersten Mal nach 50 Jahren wieder aktiv wurde, hat die Lava bereits 2185 Gebäude zerstört, wie das europäische Erdbeobachtungssystem Copernicus mitteilte. Demnach nahm außerdem die von einer meterdicken Lavaschicht bedeckte Fläche innerhalb der vergangenen 48 Stunden um mehr als 54 Hektar auf insgesamt gut 866 Hektar zu. Das entspricht der Größe von ca. 1200 Fußballfeldern.

Ortskern von La Laguna in Gefahr

Die Lavaströme bedrohen unterdessen weiter das Zentrum der Gemeinde La Laguna. Die bis 1270 Grad heiße Masse kam dem Ortskern auf ihrem Weg zum Meer bereits sehr nahe. Die etwa 1650 Bewohner La Lagunas waren aber nicht in Gefahr, denn sie waren bereits vorige Woche aus ihren Häusern vorsichtshalber evakuiert worden.

Je nach weiterem Verlauf könnte die Lava aber neben Hunderten von Häusern auch eine alte Kirche und die Schule der Gemeinde zerstören, wie Pevolca-Chef Miguel Ángel Morcuende erklärte. Es gebe aber noch Grund zur Hoffnung, dass die Lava südlich von La Laguna am Ortskern vorbei fließen werde, betonte er. Eine Tankstelle und ein Supermarkt sowie zahlreiche Häuser außerhalb des Ortes wurden allerdings bereits von der Lava erfasst.

Die Wirtschaft von La Palma, das zu den Kanarischen Inseln Spaniens gehört, basiert hauptsächlich auf dem Tourismus und den Bananenplantagen. Die spanische Regierung hat Millionen von Euro für den Wiederaufbau der beschädigten Infrastruktur zugesagt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Oktober 2021 um 09:00 Uhr.