Kyrill I., Patriarch der Russisch-Orthodoxen Kirche | dpa

Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche Brüssel plant Sanktionen gegen Kyrill

Stand: 04.05.2022 14:04 Uhr

Seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine steht der russische Patriarch Kyrill I. fest an Putins Seite - nun will die EU wohl auch Sanktionen gegen ihn verhängen. Kyrill I. zeigt sich von den Plänen unbeeindruckt.

Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche soll auf die Sanktionsliste der Europäischen Union aufgenommen werden. Laut übereinstimmenden Medienberichten schlägt die EU-Kommission in ihrem sechsten Sanktionspaket ein Einreiseverbot für Kyrill I. und das Einfrieren seines Vermögens vor. Eine offizielle Bestätigung liegt nicht vor.

Die litauische Regierung hatte sich für Sanktionen gegen den russisch-orthodoxen Patriarchen stark gemacht, weil er den Krieg gegen die Ukraine unterstütze. Außenminister Gabrielius Landsbergis sagte Ende April, das Kirchenoberhaupt sei eher damit beschäftigt, "Seelen zu töten, als sie zu retten". Das Sanktionspaket wird derzeit in den EU-Mitgliedsländern geprüft und muss anschließend abgestimmt werden.

"Fürchte dich vor keinem - außer vor Gott"

Patriarch Kyrill I. lässt sich von EU-Sanktionen gegen ihn aber offenbar nicht beeindrucken. Man müsse der Geschichte der russisch-orthodoxen Kirche "völlig unkundig sein, um ihre Geistlichen und Gläubigen einzuschüchtern, indem man sie in irgendwelche Listen einträgt", schrieb sein Sprecher Wladimir Legoida in seinem Telegram-Kanal.

Er wolle die Autoren der Sanktionsinitiative daran erinnern, dass Kyrill I. aus einer Familie stamme, deren Mitglieder jahrzehntelang wegen ihres Glaubens und ihrer moralischen Haltung während "der militanten kommunistischen Gottlosigkeit" unterdrückt worden seien, aber "keiner von ihnen hatte Angst vor Gefängnis oder gar Racheakten".

Kyrills Großvater, Wassilij Gundjajew, kämpfte als Priester in den 1920er bis 1940er-Jahren gegen die Schließung von Kirchen. Der Patriarch sagte einmal, selbst mehr als 20 Jahre Haft hätten seinen Großvater nicht gebrochen, sondern im Gegenteil bestärkt, seinem Enkel zu raten: "Fürchte dich vor keinem - außer vor Gott."

Propaganda für eine "russische Welt"

Kyrill I. sorgt mit Äußerungen zu Russlands Angriffskrieg auf Linie des Kreml-Chefs Wladimir Putin besonders in der Ukraine seit Wochen für Entsetzen. Den Militäreinsatz rechtfertigte er als "metaphysischen Kampf" des Guten gegen das Böse aus dem Westen. Der Patriarch propagiert seit Jahren eine "russische Welt", zu der auch die Ukraine gehöre. Am Dienstag sagte er bei einem Gottesdienst in einer Kathedrale im Moskauer Kreml, Russland habe nie jemanden angegriffen, "es hat nur seine Grenzen verteidigt".

Kritik kam auch von Papst Franziskus: Kyrill I. könne "nicht Putins Messdiener werden", sagte er der italienischen Zeitung "Corriere Della Sera". Wegen seines Verhaltens hatte Franziskus unlängst ein geplantes Treffen mit Kyrill I. abgesagt.

Kyrills Sprecher betonte, der Patriarch bete für Frieden. Doch "je wahlloser die Sanktionen werden, je mehr sie den Bezug zum gesunden Menschenverstand verlieren, desto weiter entfernt sich der Frieden", so Legoida.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. Mai 2022 um 09:00 Uhr.