In Zagreb sitzen Cafebesucher an Tischen auf der Straße | AFP

Tourismus Kroatien hofft noch auf Pfingsturlauber

Stand: 16.03.2021 16:40 Uhr

Mit einem Sicherheitskonzept will Kroatien bald wieder Touristen anlocken. Das Land hängt wie kein anderer EU-Staat am Tourismus. Das Wegbleiben der Urlauber zehrt an den Reserven.

Von Nikolaus Neumaier, ARD-Studio Südosteuropa

Elmar Vogel will sich seine Zuversicht nicht nehmen lassen, nicht von Corona und nicht von den unsicheren Zukunftsaussichten. Der 66-Jährige aus Unterfranken betreibt seit 40 Jahren auf Lošinj, einer Insel in der Kvarner Bucht, eine Surf- und Katamaranschule. Mit sechs Angestellten konnte er bislang ganz gut davon leben. Er vermietet auch noch Mountainbikes oder Stand-Up-Boards. Die Insel ist für deutsche Urlauber vergleichsweise nah und mit dem Auto gut zu erreichen.

Nikolaus Neumaier ARD-Studio Wien

So setzt Vogel darauf, dass die urlaubshungrigen Gäste auf jeden Fall ab Pfingsten kommen. "Bis dahin sind die meisten Menschen schon geimpft, und alle, die geimpft sind, dürfen gerne kommen", hofft er. Doch bis es soweit ist, muss sich der Surflehrer noch gedulden.

Das Ostergeschäft jedenfalls hat er schon abgeschrieben. So wie in normalen Zeiten, zehn Kunden in der Karwoche und 20 in der Woche nach Ostern, wird es dieses Jahr nicht sein. Zumal die Zahl der Coronafälle im Land weiter hoch ist - die 7-Tage-Inzidenz betrug am 15. März 112,3 (Deutschland: 86,1).

Surflehrer Elmar Vogel wartet auf Urlauber | Nikolaus Neumaier

Warten auf Touristen aus Deutschland: Surflehrer Vogel ... Bild: Nikolaus Neumaier

Anita Stefanič mit ihren Dalmatinern vor einem Ferienhaus

... und die Agenturbetreiberin Stefanič.

Optimistisch für die Gesamtsaison

Die Bedeutung des Tourismus für die kroatische Wirtschaft ist enorm. 2019 besuchten nach Angaben des nationalen Tourismusverbands rund 21 Millionen Urlauber das Land, die meisten davon aus Deutschland. Im Vorjahr hatte der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt 18,4 Prozent betragen, deutlich mehr als in jedem anderen Land der EU.

So lebt die Insel Lošinj vom Tourismus, wie auch die anderen Inseln Cres oder Krk. Istrien und die Kvarner Bucht gehören zu den beliebtesten Urlaubsregionen in Kroatien. Die kroatische Tourismusministerin Nikolina Brnjac will es den Urlaubern diesmal so leicht wie möglich machen, ins Land zu kommen.

Für Urlauber wurde nun das Programm kreiert: "Stay safe in Croatia". Es soll besondere Sicherheit garantieren, kostenlose Tests inklusive. Dass es jetzt schon Reservierungen für Ostern gibt, findet die Tourismusministerin gut. Vor wenigen Tagen meinte sie: "Wir planen, touristische Test-Spots einzurichten, an denen wir sowohl Antigen- als auch PCR-Schnelltests anbieten würden." Doch bei allen Schritten will die kroatische Regierung europatreu handeln und das bedeutet: keine nationalen Alleingänge.

In Zagreb sitzen Cafebesucher an Tischen auf der Straße | AFP

Anfang März hat die kroatische Regierung die Corona-Vorschriften gelockert. Nun ist wieder der Besuch von Außenflächen von Cafes und Restaurants möglich - wie hier in der Hauptstadt Zagreb. Bild: AFP

Die Reserven werden knapp

Dass es bald wieder losgeht mit dem Tourismus, wünscht sich auch Anita Stefanič. Die Deutsche kommt aus Solingen und lebt seit 2010 in Kroatien. Auf der Insel Krk betreibt sie eine Reiseagentur. Sie besitzt eigene Ferienappartements, vermietet und verwaltet aber auch Wohnungen und Häuser anderer deutscher Eigentümer - zusammen mehr als 30 Objekte, die sich für gutes Geld vermieten ließen, wenn denn die Gäste kämen.

Ihre eigenen Ferienwohnungen hatte Stefanič zuletzt im Oktober vermietet. Jetzt aber braucht sie dringend Urlauber. Ab Pfingsten, so ihre Hoffnung, könnte es richtig losgehen. "Wir hatten finanziell ein halbes Jahr Einnahmeausfall, und das merkt man natürlich gerade jetzt im Winter, wo man mit den Reserven des Vorjahres über die Runden kommen muss."

Nun hofft sie, dass bald wieder die gewohnte Reisefreiheit herrscht. "Das brauchen wir, sonst wird es hart mit dem Überleben", sagt sie. Bis dahin widmet sie sich ihrer zweiten Leidenschaft, den Damaltiner-Hunden. Elmar Vogel nutzt die Zeit bis zum Saisonstart für das Windsurfing. Bei fast jedem Wetter geht er mit Segel und Surfbrett raus aufs Meer.

Und wenn demnächst wieder Gäste kommen sollten, dann will er auf sein bewährtes Verkaufskonzept setzen: Am Samstag und Sonntag spendiert er seinen Surfschülern zum Kursende immer eine Ausfahrt in der Bucht vor seiner Schule. Denn viele Surfer auf dem Wasser locken auch neu ankommende Touristen an - und so soll es auch in diesem Sommer wieder sein.

Mehr zu diesem Thema sehen Sie heute auch im Report München - um 21.45 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete die Sendung Report München am 16. März 2021 um 22:05 Uhr.