Auf dem Foto der Pressestelle des serbischen Verteidigungsministerium sind 155-mm-Haubitzen nahe der Grenze zum Kosovo in Südserbien zu sehen. | AP

Spannungen im Westbalkan Serbien ordnet Kampfbereitschaft an

Stand: 27.12.2022 07:50 Uhr

Die Spannungen zwischen Serbien und dem Kosovo nehmen erneut zu. Nach Schüssen in der Nähe von serbischen Straßenblockaden im Kosovo hat Serbien seine Truppen an der Grenze zur Nachbarrepublik in "höchste Kampfbereitschaft" versetzt.

Serbien hat seine Sicherheitskräfte an der Grenze zum Kosovo inmitten wachsender Spannungen in höchste Kampfbereitschaft versetzt. Innenminister Bratislav Gasic erklärte, er habe die Anordnung an die Polizei und andere Einheiten auf Befehl des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic hin erteilt. Ziel sei es, "alle Maßnahmen zu ergreifen, um das serbische Volk im Kosovo zu schützen".

Die Sicherheitskräfte seien dem Kommando von Generalstabschef Milan Mojsilovic unterstellt worden, hieß es weiter. Die Lage sei ernst und erfordere die "Präsenz der serbischen Streitkräfte entlang der administrativen Grenze" zum Kosovo, wird Mojsilovic vom Staatssender RTS zitiert.

Was die Alarmbereitschaft bedeutet, ist unklar

Was der Befehl vor Ort bedeutet, war zunächst unklar, zumal die serbischen Truppen an der Grenze seit geraumer Zeit in Alarmbereitschaft sind. Serbien verlor die Kontrolle über das Kosovo nach einer Intervention der NATO im Jahr 1999, die ein blutiges Vorgehen Serbiens gegen Unabhängigkeitsbestrebungen der Kosovo-Albaner stoppte.

Die Regierung in Belgrad erkennt die Souveränitätserklärung des Kosovos von 2008 aber nicht an und sieht die Serben im Kosovo durch die mehrheitlich albanische Bevölkerung schikaniert.

Straßenblockaden und nächtliche Schüsse

Am Sonntagabend waren in der Stadt Zubin Potok im Norden des Kosovo, wo Serben zuletzt Straßenblockaden errichteten, Schüsse gefallen. Die von der NATO geführte Friedenstruppe KFOR erklärte, der Vorfall habe sich in der Nähe einer ihrer Patrouillen ereignet.

Verletzt worden sei durch die Schüsse aber niemand, die KFOR habe Ermittlungen aufgenommen, hieß es. Dennoch reisten Serbiens Verteidigungsminister Milos Vucevic und Generalstabschef Mojsilovic in die Nähe der Grenze zum Kosovo, wo sie die Gefechtsbereitschaft der Truppen und deren Feuerkraft lobten.

Streit um Autokennzeichen beigelegt

In den vergangenen Monaten hatten die Spannungen an der Grenze zu Serbien wieder zugenommen. Hunderte Kosovo-Serben blockieren seit Wochen mit Straßensperren den Verkehr im Norden des Kosovo.

Erst Ende November war ein Streit über Autokennzeichen beigelegt worden. Viele der im Norden des Kosovos lebenden Serben hatten die mittlerweile ungültigen Kfz-Kennzeichen aus der Zeit, als die Region noch zu Serbien gehörte, weitergenutzt. Die Regierung des Kosovo hatte jedoch auf einem Wechsel der Nummernschilder beharrt, worauf aus Protest alle serbischstämmigen Beamten der kosovarischen Polizei den Dienst quittiert hatten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Dezember 2022 um 09:00 Uhr.