Ein Eingang des Mountain Dwellings in Kopenhagen | Rikke Detlefsen

Wohnen in Kopenhagen Ein Haus wie ein Berg

Stand: 11.08.2021 05:10 Uhr

Wie können Menschen auf engem Raum wohnen und dabei Natur und Privatssphäre genießen? Eine der Fragen, um die es von heute an in Berlin geht, bei einer Konferenz zur Zukunft des urbanen Lebens. Kopenhagen fand schon 2008 eine Antwort.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Wenn man aus der Ferne auf das Gebäude schaut, sieht es aus, als würden sich viele Reihenhäuser an einen Hang schmiegen. Die Kopenhagener nennen das Haus deshalb auch schlicht "Der Berg". 80 Wohnungen, verschachtelt gebaut, jede mit einem kleinen privaten Garten in Südlage. Die Anlage erfüllt viele Wünsche von Stadtmenschen: Zentrumsnähe, Natur und Privatsphäre.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Christian Dehn und seine Frau sind 2008 nach Bauende direkt eingezogen: "Es ist ein fantastisch schöner Ort zum Wohnen. Eine gute Kombination - man hat einen Garten, aber es ist kein Haus." Stolz zeigt er seine Wohnung: L-förmig angelegt mit einem Ausblick über Gärten, grüne Dächer und in der Ferne ein altes Villenviertel. Die Wohnung ist hell und schlicht gestaltet, Holz und Beton sind die wesentlichen Elemente.

Durch die verschachtelte Bauweise liegen die Gärten in Waben - es entsteht ein Gefühl von Privatsphäre, trotz der vielen Nachbarn. Und es gibt viel Grün, viele Pflanzen. Architekt Bjarke Ingels sagte einmal über seine Idee, das Haus solle am Ende wie eine Tempelruine in Kambodscha aussehen - als ob die Natur sich den Bau zurückerobert habe.

Das Ehepaar Dehn auf seiner Terrasse im Mountain-Dwellings in Kopenhagen. | Rikke Detlefsen

Das Ehepaar Dehn gehört zu den Alteingesessenen im "Mountain Dwellings". Bild: Rikke Detlefsen

21 verschiedene Kletterpflanzen

Ganz so dramatisch ist der Pflanzenbewuchs schließlich nicht ausgefallen, aber grün ist es trotzdem. Und niemand müsse sich kümmern, so der Architekt bei einer Veranstaltung 2009: "Das Regenwasser wird in großen Wassertanks gesammelt. Und dann haben wir ein automatisches Bewässerungssystem entwickelt, damit die 21 verschiedenen Kletterpflanzen immer optimale Bedingungen haben."

Geht man auf die andere Seite des Gebäudes, kommt man zu einem großen Parkhaus. Auch das ist durchdacht und designt: knallige Farben, bis zu 16 Meter hohe Decken, klare Linien. Kein graues Funktionsgebäude, sondern bunt und angelehnt an das Panton-Design der 1960er- und 1970er-Jahre. "Wir nennen das architektonische Alchemie: Eine Mischung aus traditionellen Zutaten wie Wohnen und Parken. Und daraus schaffen wir einen Mehrwert in Form von Häusern mit Garten und Aussicht", so Ingels.

Der Eingang zum Parkhaus im Mountain Dwellings in Kopenhagen. | Rikke Detlefsen

Hinten herum geht es zum Parkhaus. Bild: Rikke Detlefsen

Einst kamen Busse voller Neugieriger

Vor 13 Jahren kamen Busse angefahren voller Menschen, die das Haus bestaunen wollten. Und auch der dänische Kronprinz präsentierte das Gebäude stolz mehrfach bei hohem Staatsbesuch. Inzwischen ist Ruhe eingekehrt rund um Mountain Dwellings - längst gibt es andere, neuere Projekte in der Stadt.

Christian Dehn genießt die Wohnung mit Ausblick und Garten immer noch wie am Anfang, sagt er. "Für mich ist Nachhaltigkeit hier die Gemeinschaft, die wir haben. Man bekommt einen engen Kontakt zu den anderen, und das wollen wir gerne haben. Der Gedanke ist gut!"

Vor- und Nachteile in der Pandemie

Eins allerdings habe der Architekt nicht wirklich bedacht, als er das Gebäude entworfen hat: dass eine Pandemie kommen könnte und viele Bewohnerinnen und Bewohner zu Hause arbeiten müssten: "Es ist unmöglich, hier zu zweit zu arbeiten. Glas und Beton schaffen eine fürchterliche Resonanz."

Dehn ist aber auch klar: Das ist Jammern auf hohem Niveau. Denn eine Wohnung, die sich anfühlt wie ein Haus mit Garten und Aussicht - dieses Glück hatten wenige Stadtmenschen während der Pandemie.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 11. August 2021 um 05:15 Uhr.