Kardinal Francis Arinze (l) trifft zu einer Kardinalsversammlung im Vatikan ein.  | dpa

Konsistorium der Katholischen Kirche Papst berät mit Kardinälen über Reformen

Stand: 29.08.2022 13:21 Uhr

Im Vatikan kommen etwa 200 Kardinäle mit Papst Franziskus zu einer Vollversammlung zusammen. Mit Spannung wird die Debatte über einen Umbau der Zentralverwaltung der katholischen Weltkirche erwartet.

Von Tilmann Kleinjung, BR

Konklave-Stimmung in Rom: Papst Franziskus hat die Kardinäle der katholischen Kirche in den Vatikan geladen und will ungestört mit den fast 200 Männern bleiben. Die Vollversammlung des Kollegiums findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Aktuell ist keine Pressekonferenz angesetzt, bei der eventuelle Ergebnisse des Treffens vorgestellt werden. Bei dem Konsistorium will Franziskus seine Kurienreform vorstellen und besprechen. Das ist der einzige Hinweis zur Tagesordnung aus dem Vatikan.

Tilmann Kleinjung

Die Reform der Kurie, der mächtigen Vatikan-Behörde, war ein Auftrag, den Franziskus aus dem Konklave 2013 mitgenommen hatte. Sein Ziel: eine "heilsame Dezentralisierung". Die Kurie war immer mehr Machtapparat denn Dienstleisterin.

Das soll sich ändern, sagt der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich: "Es ist eine Mission, die wichtig ist - eine Dienstfunktion, was sehr wichtig ist. Und es werden auch all die Ambitionen, die dahinter verborgen sein können, abgeschnitten. Wenn man für fünf oder zehn Jahre da ist, dann wird es ein Dienst. Das ist eine gute Sache."

Spitzenämter gibt es im Vatikan nur noch auf Zeit: Fünf Jahre - mit der Möglichkeit für weitere fünf Jahre zu verlängern. An der Spitze einer Behörde können auch Nicht-Priester stehen, Frauen oder Männer. Die Behörden sollen sich untereinander regelmäßig abstimmen. Eine richtige Strukturreform ist das nicht.

Papst setzt auf Mentalitätswandel

Der Papst setzt auf den Mentalitätswandel seiner Mitarbeiter. Doch der lässt sich nicht verordnen. Zuletzt hatte der Vatikan in einer Erklärung den Synodalen Weg in Deutschland in seine Schranken gewiesen. In alter vatikanischer Manier. Die Intention von Franziskus ist eine andere, sagt Christopher Lamb von der englischen Fachzeitschrift "The Tablet". Es gehe um "Zuhören, Dialog, einen Kulturwandel".

Für die Kardinäle ist diese Versammlung auch eine Möglichkeit, einander besser kennenzulernen. Schließlich wählt dieses Gremium den nächsten Papst. Die Ernennungspolitik von Franziskus hat dafür gesorgt, dass das Kardinalskollegium deutlich bunter ist. Es gibt weniger Kardinäle aus Europa, mehr aus Asien. "Einige denken schon ans nächste Konklave. Es gibt unterschiedliche Kandidaten mit unterschiedlichen Positionen. Und ich vermute, es gibt auch einen gewissen Widerstand gegen Franziskus."

Kein Widerstand zu erwarten von neuen Kardinälen

Am Samstag hat der Papst 20 neue Kardinäle in die Kirchenleitung berufen. Männer, von denen zunächst einmal kein Widerstand zu erwarten ist. Sie entsprechen dem Ideal von Franziskus, arbeiten an den Rändern der Kirche und der Gesellschaft, engagieren sich sozial und stehen für eine offene Kirche, wie der Erzbischof von Manaus in Brasilien Kardinal Leonardo Steiner.

"Was wir immer in der Vergangenheit als Kraft hatten, ist eine Synodale Kirche. Laien von den indigenen Völkern, Bischöfe, Priester - alle nehmen teil an den verschiedenen Versammlungen. Das heißt eine Synodale Kirche", so Steiner. Eine solche Kirche unterscheidet sich doch ziemlich von der Versammlung, die in diesen Tagen in Rom stattfindet.

"Ich glaube, er macht noch weiter"

Die Kardinäle unter sich, eine Generalprobe fürs Konklave? Franziskus selbst hat mit der Ansetzung dieser Vollversammlung Spekulationen befördert. Wird da ein Rücktritt vorbereitet? "Er ist 85 Jahre alt, er hat gesundheitliche Probleme, braucht einen Rollstuhl. Kann man behaupten, dass jemand der im Rollstuhl sitzt, keine wichtige Rolle mehr spielen kann? Da setzt er ja auch ein Zeichen. Ich glaube, er macht noch ein bisschen weiter und lässt alle spekulieren", sagt Vatikanexperte Lamb.

Das Konsistorium endet morgen Nachmittag mit einem Gottesdienst. Mindestens so lange wird weiter spekuliert in Rom.

Dieser Beitrag lief am 29. August 2022 um 13:07 Uhr auf BR24.