Karin Kneissl | HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutter

Österreich Ex-Außenministerin Kneissl verlässt Rosneft

Stand: 23.05.2022 13:09 Uhr

Erst Altkanzler Schröder, nun Österreichs ehemalige Außenministerin Kneissl: Der Aufsichtsrat des russischen Energiekonzerns Rosneft verliert ein weiteres Mitglied. Kneissl will sich nicht nochmal zur Wahl stellen.

Österreichs ehemalige Außenministerin Karin Kneissl hat ebenso wie der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder den Aufsichtsrat des russischen Energiekonzern Rosneft verlassen. Kneissl habe ihr Mandat am Freitag niedergelegt, erklärte Rosneft. Sie habe das Unternehmen im März informiert, dass sie sich nicht nochmal zur Wahl stellen werde, sagte die Politikerin der Nachrichtenagentur AFP.  Sie sei bis zum jetzigen Zeitpunkt geblieben, "um meine Verpflichtungen aus dem einjährigen Mandat zu erfüllen".

Rosneft bedankte sich in seiner Erklärung bei Kneissl für ihre Arbeit während der "komplexen" internationalen Situation und erklärte, man zähle auf eine künftige Zusammenarbeit mit ihr als Expertin. Auf Kneissls persönlicher Website finden sich mehrere Interviews mit dem staatlichen russischen Nachrichtensender RT, das letzte zwei Tage vor Beginn der russischen Militäroperation in der Ukraine am 24. Februar. 

Kneissl lud Putin zu ihrer Hochzeit ein

Die 57 Jahre alte Kneissl war von Dezember 2017 bis Mai 2019 Außenministerin von Österreich. Sie galt als parteilos, wurde aber von der rechtspopulistischen FPÖ nominiert, die damals eine Koalition mit der konservativen ÖVP bildete.

Kneissl lud Russlands Präsident Wladimir Putin 2018 zu ihrer Hochzeit ein, als ihr Land turnusgemäß die EU-Ratspräsidentschaft innehatte. Bilder davon, wie sie mit Putin Walzer tanzt und einen tiefen Knicks vor ihm macht, gingen damals um die Welt. Im darauffolgenden Jahr verließ sie die österreichische Regierung und trat im Juni 2021 in den Rosneft-Aufsichtsrat ein.

Am Freitag war bekannt geworden, dass Schröder nach fast fünf Jahren seinen Posten als Aufsichtsratschef von Rosneft verlässt. Der 78-Jährige hatte mitgeteilt, dass es ihm unmöglich sei, seine Amtszeit zu verlängern. Details oder Gründe wurden nicht genannt. Der Bundestag hatte dem Altkanzler am Vortag als Reaktion auf seine auch während des Ukraine-Kriegs fortdauernde Tätigkeit für russische Unternehmen sein Büro und seine Mitarbeiter gestrichen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Mai 2022 um 13:00 Uhr.