Tarcila Rivera Zea, Nicola Sturgeon und Fatou Jeng nehmen an der UN-Klimakonferenz teil. | AFP

Klimawandel "Die Hüterinnen der Saaten"

Stand: 09.11.2021 19:03 Uhr

Frauen sind vom Klimawandel stärker betroffen als Männer. Sie können zugleich wichtige Impulse geben im Kampf gegen die Erderwärmung. Gleichberechtigung spielt in der internationalen Debatte daher durchaus eine Rolle.

Von Werner Eckert, SWR

Fantou Jeng stammt aus Gambia, einem Küstenland in Westafrika. Dort haben Stürme und Überflutungen in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Folgen treffen vor allem Frauen und Mädchen: "Mädchen sind zu Kinderhochzeiten gezwungen worden, weil die Bauern wegen der Folgen des Klimawandels verarmt sind. Kinder, vor allem die Mädchen, durften nicht mehr in die Schule, weil die Eltern Angst hatten, dass sie in den Fluten umkommen."

Werner Eckert

"Die Hüterinnen der Saaten"

Frauen sind in vielen Ländern für die Ernährung der Familie zuständig. Eine Sprecherin der equadorianischen indigenen Völker sagt dazu: "Wir nennen uns die Hüterinnen der Saaten. Und deshalb auch die Bewahrerinnen der zukünftigen Generationen, ihrer Ernährung und ihrer Gesundheit."

Sie sorgen für Aussaat und Ernte, holen das Wasser und kochen. Sie leiden deshalb mehr unter dem Klimawandel. Aber nicht nur das. Nancy Pelosi, die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, zitiert aktuelle Studien: "80 Prozent der Menschen, die durch die Folgen des Klimawandels ihre Heimat verlassen müssen, sind Frauen", sagt sie.

Nur ein Drittel der Delegierten sind Frauen

Die besondere Betroffenheit von Frauen soll eigentlich auch in den internationalen Verhandlungen und Verträgen deutlich werden. Es gibt seit 2015, im Paris-Abkommen zum Klimaschutz, die Pflicht, das zu berücksichtigen. Doch nur 40 Prozent der nationalen Klimaschutzpläne beschäftigen sich mindestens am Rand mit speziellen Gender-Fragen. Nur ein Drittel der Delegierten bei den Klimakonferenzen sind Frauen.

Die mangelnde Beteiligung von Frauen sei ein generelles Problem und führe zu schlechteren Lösungen, sagt Sven Harmeling von der Hilfsorganisation CARE. Deshalb sprechen die Helfer vor Ort auch ganz gezielt mit Frauengruppen: "Es wird immer wieder deutlich, dass da ganz andere Dinge und viel klarer herauskommt, was eigentlich gebraucht wird. Um Wasser zu speichern, ob es Maßnahmen im Bereich der Landwirtschaft sind, ob vielleicht auch Schulen und Gebäude sicherer gebaut werden müssen gegenüber Stürmen."

Zuverlässige Kreditnehmerinnen

Und auch Sylvia Holten von der Kinderhilfsorganisation Worldvision setzt bei Kleinkrediten stark auf Frauen: "Im Bereich Mikrofinanzen arbeiten wir zu über 90 Prozent mit Frauen, weil sich herausgestellt hat, dass wir uns darauf verlassen können, dass dann die Kredite auch zurückgezahlt werden." Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Zusammenarbeit nennt sie als starke Argumente für frauenorientierte Projekte.

Aktionspläne alleine bringen noch keine Gerechtigkeit, sagen viele in Glasgow. Die müssten auch in den fast 200 Staaten umgesetzt werden. Die US-Amerikanerin Nancy Pelosi jedenfalls spricht den Frauen bei der Klimakonferenz aus dem Herzen, wenn sie sagt: "Wenn Frauen es schaffen, schafft es die Welt."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. November 2021 um 20:15 Uhr.