Ein Kind sitzt auf vertrocknetem Boden. | AFP

Neue Extremwetter-Studie Bis zu siebenmal mehr Hitzewellen

Stand: 27.09.2021 13:38 Uhr

Überschwemmungen, Hitzewellen, Waldbrände: Heutige Kinder werden in ihrem Leben deutlich mehr Extremwetter erleben als ihre Großeltern. Mit düsteren Prognosen mahnt ein internationales Forscherteam zu mehr Klimaschutz.

Ein heute geborenes Kind wird in seinem Leben aufgrund des Klimawandels im Schnitt deutlich mehr Extremwetter erleben als ein im Jahr 1960 geborener Mensch. Das geht aus einer Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams hervor, die in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht wurde.

Die Forscher legten für ihre Studie vorhandene Daten zu globalen Temperaturverläufen und Projektionen für Extremwetterereignisse mit Bevölkerungsdaten und Lebenserwartungszahlen übereinander. Dabei betrachteten sie unterschiedliche Szenarien im Hinblick auf die Erhöhung der weltweiten Durchschnittstemperatur.

"Ein bisher nie dagewesenes Leben"

Demnach erlebt eine 1960 geborene Person im Schnitt etwa zwei bis sechs Hitzewellen. In die Lebenszeit eines 2020 geborenes Kindes fallen dagegen durchschnittlich zehn bis 26 Hitzewellen, wenn der globale Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzt wird. 15 bis 29 Hitzewellen sind es bei einem Anstieg von 2,0 Grad - und 21 bis 39 Hitzewellen, wenn die derzeitigen Klimastrategien der Regierungen beibehalten werden.

Menschen, die heute jünger als 40 Jahre sind, würden "ein bisher nie dagewesenes Leben" führen, was Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen und Ernteausfälle angehe, sagte Hauptautor Wim Thiery von der Freien Universität Brüssel. Die Ergebnisse zeigten eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit der jungen Generationen und legten drastische Emissionsreduzierungen nahe.

Ärmere Länder stärker betroffen

Besonders stark wird der Anstieg von Extremwetterereignissen demnach für derzeit junge Menschen im Nahen Osten und in Nordafrika. Grundsätzlich werden junge Generationen in Ländern mit geringem Durchschnittseinkommen laut der Prognose stärker betroffen sein als in reicheren Ländern. Zwischen 2016 und 2020 im Afrika südlich der Sahara geborene Kinder werden fünfeinhalb bis sechs Mal mehr Extremwetter erleben.

Aber auch Europa wird es demnach treffen: Hier werden für heutige Kleinkinder etwa viermal mehr Extremwetterereignisse prognostiziert. Die Zahlen auf Deutschland herunterzubrechen, ist laut den Studienautoren schwierig. Belastbar seien die Durchschnittswerte, wenn man sie auf kontinentaler Ebene oder für sehr große Länder betrachte.

"Aus der Nutzung fossiler Brennstoffe aussteigen"

"Die gute Nachricht ist: Wir können tatsächlich einen Großteil der Klimabelastung von den Schultern unserer Kinder nehmen, wenn wir die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, indem wir aus der Nutzung fossiler Brennstoffe aussteigen", sagte Mitautorin Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Global könne das für die junge Generation 24 Prozent weniger Extremwetterereignisse bedeuten als wenn die Staaten bei ihren derzeitigen Zusagen zur Emissionsreduzierung bleiben. Für Europa wäre es ein Minus von 28 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 27. September 2021 um 16:30 Uhr.

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Moderation 27.09.2021 • 19:32 Uhr

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