Oxfam-Aktivisten beim Weltklimagipfel in Glasgow | AFP

Kritik an Klimaschutz-Maßnahmen "Noch lange nicht Paris-kompatibel"

Stand: 01.11.2021 20:19 Uhr

Die internationalen Staatenlenker rufen zu mehr Engagement beim Klimaschutz auf - und haben doch selbst bislang erschreckend wenig geleistet, finden Umweltschutzverbände. Auch an Kanzlerin Merkel gibt es deutliche Kritik.

Zu Beginn der Weltklimakonferenz in Glasgow haben Aktivisten die Staats- und Regierungschefs zu energischem Handeln gegen die Erderwärmung aufgefordert. Anstatt Emissionen zu reduzieren und die Welt auf einen sichereren Weg zu bringen, hätten sie bislang nur heiße Luft ausgestoßen, erklärte die bei der Organisation Oxfam für Klimapolitik zuständige Nafkote Dabi. Nötig seien keine leeren Versprechungen, sondern konkrete Taten.

Die Oxfam-Aktivisten posierten als Mitglieder einer schottischen Dudelsack-Band und trugen Masken mit den Konterfeis von US-Präsident Joe Biden, dem britischen Premierminister Boris Johnson und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Arme Länder und gefährdete Gemeinschaften bräuchten Geld zur Bewältigung des Klimawandels, erklärte Dabi. "Sie müssen das ernst nehmen, gefährdete Länder unterstützen, um sich an die schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise anzupassen", erklärte sie.

Konkrete Kritik an Merkel-Rede

Auch an der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel gab es konkrete Kritik: Zwar habe die scheidende Kanzlerin an die Weltgemeinschaft appelliert, "mehr Ambition an den Tag zu legen und eine Dekade der Umsetzung einzuläuten", erklärte WWF-Vorstand Eberhard Brandes. "Zum deutschen Beitrag verkündete Merkel nichts Neues", fügte er jedoch hinzu.

Während ihrer Kanzlerschaft sei "der Erneuerbaren-Ausbau zusammengebrochen, fast zehn Jahre sanken die Emissionen kaum, dafür flossen Milliarden Euro an umweltschädlichen Subventionen". Insofern sei es nun die Aufgabe der kommenden Regierung, "Deutschland endlich durch entschlossenes Handeln auf den 1,5-Grad-Kurs zu bringen".

"Es ist schon eine Ironie der Geschichte, dass sie nach 16 Jahren zu langsamer Fortschritte jetzt der kommenden Regierung eine so klare Aufforderung zum Handeln vor die Tür legt", kommentierte auch Germanwatch-Geschäftsführer Christoph Bals. Damit habe Merkel jedoch den Erfolgsdruck für die sich anbahnende Ampel-Koalition erhöht und so "den Finger in die kritische Flanke der Koalitionsverhandlungen" von SPD, Grünen und FDP gelegt.

"Es ist erschreckend wenig passiert"

Vor 26 Jahren habe Merkel als damalige Umweltministerin die erste Klimakonferenz geleitet, "seither ist erschreckend wenig passiert", zog der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt ebenfalls eine kritische Bilanz. Die deutschen Klimaschutzmaßnahmen seien "noch lange nicht Paris-kompatibel". Auch Bandt forderte, die neue Regierungskoalition müsse "umgehend die notwendigen Maßnahmen ergreifen". Konkret nannte er einen Kohleausstieg bis 2030 und den naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien, deutliche Fortschritte im Gebäudebereich sowie "eine echte Agrar- und Verkehrswende".

"Angela Merkel hat in ihrer Amtszeit Klimaschutz auf internationaler Bühne vorangebracht, im eigenen Land aber immer wieder aufgeschoben", warf Greenpeace-Klimaexpertin Lisa Göldner der Kanzlerin vor. Sie kritisierte zudem den Fokus von Merkel in ihrer Rede auf eine höhere CO2-Bepreisung. "Mit keinem Wort erwähnt sie die wirklich notwendigen Schritte: den Ausbau der Erneuerbaren und den Ausstieg aus klimaschädlichen Energien wie Kohle, Öl und Gas."

"Merkel ist mitverantwortlich für 16 Jahre klimapolitischen Stillstand in unserem Land", erklärte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Sascha Müller-Kraenner. "Dass ihr zum Ende nichts weiter einfällt als der globale Emissionshandel ist ein Armutszeugnis."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. November 2021 um 20:00 Uhr.