Ex-US-Präsident Obama hält bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow eine Rede | AP

Obama auf Klimagipfel "Die Zeit läuft wirklich ab"

Stand: 08.11.2021 18:20 Uhr

Viele seien "nicht so ehrgeizig wie sie sein sollten" - Ex-US-Präsident Obama hat beim Klimagipfel in Glasgow von einem Versagen der meisten Länder gesprochen. Die Jugend ermutigte er, weiter Druck auf Regierungen machen.

Der Weltklimagipfel in Glasgow geht in die entscheidende Phase. Zu Beginn von Woche zwei konstatierte der frühere US-Präsident Barack Obama in einer Rede: Beim Thema Klima laufe die Zeit davon. Auch wenn es seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 Fortschritte gegeben habe - "wir sind nicht annähernd dort, wo wir sein müssten". Positiv bewertete Obama das kämpferische Engagement der Jugend. "Die Welt ist voller Gretas", sagte Obama mit Blick auf die "Fridays for Future"-Gründerin Greta Thunberg. Die meiste Energie im Kampf gegen die Erderwärmung gehe von jungen Menschen aus. "Der Grund ist klar: Für sie steht am meisten auf dem Spiel."

Seine Generation habe nicht genug getan, um das Problem des Klimawandels anzugehen. In Anspielung auf die von Thunberg ins Leben gerufenen Schulstreiks sagte Obama augenzwinkernd: "Als ich Schule geschwänzt habe, hatte das nichts mit Klimaschutz zu tun." Wer nicht streiken wolle, könne auch im Kleinen etwas bewirken, etwa beim Wählen. Regierungen handelten nur dann, wenn sie den Druck der Wähler verspürten. Die jungen Menschen könnten sich auch darum bemühen, auf ihre Eltern und Großeltern einzuwirken. "Ich bin mir sicher, sie werden Euch eher zuhören als Politikern und Experten", sagte Obama. "Das ist die Macht, die ihr habt. Nutzt sie."

Bundesregierung stockt Finanzhilfen auf

Am heutigen Montag standen die finanziellen Hilfen für die ärmsten Länder im Mittelpunkt - nicht nur für die Anpassung an den Klimawandel, sondern auch als Ausgleich für dessen bereits spürbare Folgen. Obama appellierte an die reicheren Nationen: "Wir müssen nun handeln, um bei Anpassung und Widerstandskraft zu helfen." Der Ministerpräsident der Fidji-Inseln, Frank Bainimarama, sagte daraufhin: "Unter anderem die USA sind leider weit davon entfernt, ihren gerechten Anteil an der Finanzierung zu leisten."

Deutschland kündigte in diesem Zusammenhang an, weitere 150 Millionen Euro für zwei verschiedene Geldtöpfe bereitzustellen. Das Bundesumweltministerium werde seine Unterstützung für den internationalen Anpassungsfonds um 50 Millionen Euro aufstocken, sagte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth in Glasgow. Damit steige Deutschlands Beitrag zu dem Fonds auf 440 Millionen Euro. Weitere 100 Millionen investiert das Entwicklungsministerium in den sogenannten Least-Development Countries Fund, der den am wenigsten entwickelten Ländern zugutekommt.

Anpassung wird "immer wichtiger"

Der Klimawandel sei "eine solche Realität geworden, dass Klimaanpassungsmaßnahmen unabdingbar sind", hob Flasbarth hervor. "Wenn einem das Wasser bis an den Füßen steht, wenn man Ernteverluste zu beklagen hat, wenn es Stürme gibt und Dürren, dann muss man dringlichst vor diesen Auswirkungen geschützt werden". Daher sei "über die Jahre das Thema Anpassung immer wichtiger geworden".

Der Chef des Anpassungsfonds, Mikko Ollikainen, lobte Deutschland als "den größten und einen der beständigsten Unterstützer" des Fonds. Als Beispiele für die Verwendung der Mittel nannte Ollikainen den Bau von Dämmen und die Instandsetzung von Kanälen im Senegal zum Schutz vor Hochwasser infolge des Klimawandels oder Bewässerungsprojekte in Costa Rica zum Schutz vor hitzebedingten Ernteausfällen.

Obama kritisiert Russland und China

Nach Worten von Ex-US-Präsident Obama haben die meisten Ländern trotz gemachter Zusagen bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens versagt. Unter seinem Nachfolger Donald Trump etwa seien "einige unserer Fortschritte ins Stocken geraten", bedauerte Obama. Unter Trump waren die USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgestiegen, der jetzige Präsident Joe Biden machte dies nach seinem Amtsantritt im Januar umgehend rückgängig.

Die meisten Länder seien in Sachen Klimaschutz "nicht so ehrgeizig wie sie sein sollten", sagte Obama. China und Russland beispielsweise legten in dieser Frage einen "gefährlichen Mangel" an Problembewusstsein an den Tag.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. November 2021 um 06:11 Uhr.