Podium des Klimagipfels in Glasgow | AP

Kompromiss zum Kohleausstieg Klimagipfel erzielt Einigung

Stand: 13.11.2021 21:48 Uhr

Nach fast zweiwöchigen Verhandlungen haben sich die Staaten bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow auf eine Abschlusserklärung geeinigt. Beim Kohleausstieg wurde aber eine Formulierung abgeändert, um einen Kompromiss zu erzielen.

Die UN-Klimakonferenz in Glasgow hat die Staaten der Welt erstmals dazu aufgefordert, den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten. Die gebilligte Erklärung von rund 200 Staaten forderte zudem, "ineffiziente" Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Allerdings wurde die Formulierung in letzter Minute auf Druck von China und Indien abgeschwächt.

Zudem verpflichteten sich die Länder gemeinsam dem Ziel, die Erderwärmung bei 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu stoppen. Dazu sollen sie bis Ende 2022 ihre bislang unzureichenden Klimaschutzpläne nachschärfen. Dies bleibt aber freiwillig, es gibt keine Pflicht.

45 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030

Bisher reichen die bei den UN eingereichten Pläne nicht aus, das 2015 in Paris vereinbarte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. In der Erklärung wurde nun festgehalten, dass dafür der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase weltweit noch in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent sinken muss. Die Erklärung von Glasgow formuliert deutlicher als das Pariser Klimaabkommen das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Erstmals enthält der Hauptbeschluss einer Klimakonferenz eine Aufforderung zur Abkehr von der Kohle und zur Streichung von Subventionen für fossile Energien. Im letzten Moment wurde aus dem "Ausstieg" aus der Kohleverstromung ein "Abbau". Die Passage war bereits in den vergangenen Tagen schrittweise verwässert worden und betrifft jetzt nur noch Kohle, bei der nicht mithilfe von etwa CCS-Technologie CO2 gebunden werden kann, sowie "ineffiziente" Subventionen. Der Begriff "ineffzient" ist nicht näher definiert.

Der indische Umweltminister Bhupender Yadav hatte zuvor gesagt, Entwicklungs- und Schwellenländer hätten ein Anrecht auf eine verantwortungsvolle Nutzung von fossilen Energieträgern. Der Iran unterstützte die Position Indiens.

Enttäuschung über Last-Minute-Änderung

Die Schweizer Umweltministerin Simonetta Sommaruga sagte, durch diese Änderung in letzter Minute werde es schwieriger, das zentrale Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Der britische Gipfel-Präsident Alok Sharma entschuldigte sich bei den Delegierten mit den Tränen kämpfend dafür, wie und dass diese Last-Minute-Entscheidung zustande gekommen war. Dies tue ihm "zutiefst leid", sagte Sharma.

Finanzhilfen für den globalen Süden

Für Streit hatte bis zuletzt die Frage gesorgt, wie besonders arme Staaten bei der Bewältigung von klimabedingten Schäden und Verlusten unterstützt werden sollen. Länder des globalen Südens und Inselstaaten rückten zuletzt von ihrer Forderung ab, den Aufbau einer eigenständigen Finanzinstitution auf den Weg zu bringen, die dazu Mittel bereitstellen soll. Zugesagt werden auch mehr Finanzhilfen für arme Staaten, damit diese sich an die vielerorts fatalen Folgen der Klimakrise anpassen können. Konkret sollen diese Finanzhilfen bis 2025 verdoppelt werden, also von aktuell etwa 20 auf rund 40 Milliarden US-Dollar (etwa 35 Milliarden Euro.)

Erstmals wird die jahrelange Forderung armer Staaten aufgegriffen, einen Geldtopf für Hilfen bei Schäden und Verlusten einzurichten. Gemeint sind etwa Zerstörungen oder erzwungene Umsiedlungen nach Dürren, Sturmfluten oder Wirbelstürmen. Die Staaten wurden aufgefordert, dafür Geld einzuzahlen. Konkrete Summen wurden indes nicht genannt. Kritik bei den Entwicklungsländern erregte die Weigerung der Industrieländer, für bereits entstandene Schäden durch den Klimawandel endlich konkrete Hilfen zuzusagen.

Beschlüsse zu Abholzung, Straßenverkehr und Methan

Einigung wurde über die weitere technische Umsetzung des Pariser Klimaabkommens erzielt. Das betrifft unter anderem Regeln für einen grenzübergreifenden Emissionsrechtehandel, Berichtspflichten für die Klimaschutzanstrengungen der Länder und die Frage nach dem Zeitrahmen, auf den sich die nationalen Klimaschutzziele beziehen.

Überdies wurden in Glasgow Initiativen zum Schutz des Waldes, zur Verringerung des Methangasausstoßes, für emissionsfreien Straßenverkehr und andere Klimaschutzmaßnahmen auf den Weg gebracht. Unklar ist allerdings, wie deren Umsetzung überprüft und sichergestellt ist.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. November 2021 um 21:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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Nettie 13.11.2021 • 23:35 Uhr

@Thomas-Eggenfelden, 22:08

Genau das haben Sie hier vor ein paar Tagen schon einmal geschrieben (meta.tagesschau.de/id/150204/greenpeace-klagt-gegen-vw-wegen-unzureichenden-klimaschutzes). Und darauf fundierte Antworten erhalten. Deren Inhalt Sie offenbar geflissentlich ignorieren.