Das Verfeuern von Kohle ist die Hauptursache für die enormen Emissionen in China. | AP

Klimaschutz-Index 2022 Die ersten Plätze bleiben unbesetzt

Stand: 09.11.2021 10:30 Uhr

Welche Staaten sind auf dem richtigen Pfad zum vereinbarten Klimaziel? Auf der Weltklimakonferenz präsentieren heute Umweltschutzorganisationen den Klimaschutz-Index 2022. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Von Christoph Prössl, ARD-Studio London

Einen Gewinner gibt es nicht. Die ersten drei Plätze des Klimaschutz-Index bleiben unbesetzt. In keinem Land sei eine Tendenz erkennbar, die ausreiche, um diese Plätze zu belegen, heißt es in dem Bericht, der gemeinsam von Germanwatch, dem New Climate Institute und dem Climate Action Network herausgegeben wurde.

Christoph Prössl ARD-Studio London

Auf Platz 4: Dänemark, gefolgt von Schweden und Norwegen. Die skandinavischen Länder hätten früh angefangen, Klimaschutz zu betreiben, sagt Jan Burck, Referent für Klimaschutz und Energie bei Germanwatch und nennt den Emissionshandel: "Das waren die ersten Länder, die wirklich einen ernsthaften CO2-Preis hatten."

Vor allem Schweden sei lange Vorreiter gewesen - mit einem CO2-Preis von mittlerweile deutlich über 100 Euro pro Tonne. "Das sind Werte, über die man in Deutschland noch träumt. Das hat in Schweden zum Beispiel dazu geführt, dass die Schweden keine Emissionen mehr in Gebäudebereich haben. Die haben komplett dekarbonisiert, was in einem Land, in dem wirklich viel geheizt werden muss, schon was zeigt."

Rangliste nach vier Kategorien

Die Fachleute der drei Einrichtungen tragen für den Klimaschutz-Index Daten zusammen und erstellen Ranglisten nach vier Kategorien. Geschaut wird nach dem Ausstoß klimaschädlicher Gase pro Kopf. In dieser Kategorie liegen Länder wie China, Polen, Russland aber auch die USA und Saudi-Arabien hinten.

Eine weitere Kategorie ist der Ausbau erneuerbarer Energien. Da liegen wieder die nordischen Länder vorne - Staaten wie Australien, Kanada, die USA, Algerien und Mexiko hinten. Außerdem wird der Energieverbrauch verglichen und die Klimapolitik. In dieser Kategorie sind Luxemburg, Dänemark und Marokko vorne. In Marokko sind große Solarkraftwerke gebaut worden.

Die Schlusslichter heißen Brasilien, Algerien und Australien. In Australien wird viel Kohle zur Energie-Gewinnung abgebaut. Die Regierung hat gerade erst ein Klimaziel für 2050 genannt.

Deutschland steigt auf Platz 13 auf

Deutschland ist in diesem Jahr um 6 Plätze auf Platz 13 aufgestiegen, sagt Jan Burck von Germanwatch. "Das liegt vor allem daran, dass Deutschland im Jahr 2019 seine Emissionen relativ stark gesenkt hat durch das Abschalten von einigen Kohlekraftwerken und dass Deutschland durch den Druck des Bundesverfassungsgerichts seine Ziele erhöht hat. Das sind zwei wichtige Indikatoren bei uns und deshalb steigt Deutschland auf."

Ein Aufsteiger sind auch die Niederlande, ein Land, das eigentlich erst recht spät eine erkennbare Klimapolitik umgesetzt hat, sagt Burck. Die Regierung sei von den Gerichten zu einer ordentlichen Klimapolitik gezwungen worden. Lange habe sich das Land geweigert, Windkraftanlagen zu bauen. Das hat sich nun geändert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. November 2021 um 06:00 Uhr.