Svenja Schulze | dpa

Nach dem Weltklimagipfel "Der Weg ist jetzt vorgezeichnet"

Stand: 14.11.2021 10:29 Uhr

Die Reaktionen auf die Abschlusserklärung des Klimagipfels fallen sehr unterschiedlich aus. Umweltministerin Schulze äußerte sich zuversichtlich. Andere schätzen die erzielten Vereinbarungen weitaus schlechter ein.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat die Ergebnisse des Weltklimagipfels "als historischen Moment" gewürdigt. "Glasgow bringt eine deutliche Beschleunigung für den Klimaschutz, und mehr Tempo ist auch erforderlich", erklärte die SPD-Politikerin. "Die 20er-Jahre sind das Jahrzehnt, in dem die Weltgemeinschaft die entscheidenden Fortschritte machen kann und muss. Diese Konferenz hat gezeigt, dass die Welt ein gemeinsames Ziel verfolgt, eine klimaneutrale Weltwirtschaft."

Das fossile Zeitalter ende, so Schulze. Die Aussagen zum Kohleausstieg hätte sie sich indes eindeutiger gewünscht. "Aber der Weg ist jetzt vorgezeichnet und wird unumkehrbar sein."

Um das 1,5 Grad-Ziel noch zu erreichen, werde die Welt die Taktzahl, in der sie die Fortschritte des Pariser Abkommens überprüft, deutlich erhöhen. "Ziele sind wichtig für den Klimaschutz, aber Wirklichkeit wird der 1,5-Grad-Pfad nur, wenn man ihn gemeinsam geht und praktisch umsetzt." Das funktioniere mit Fortschritten bei Windrädern, Solaranlagen, Stromnetzen, Ladesäulen, Wäldern, Mooren oder grünen Stahlfabriken.

"Wir haben noch harte Arbeit vor uns"

Optimistisch zeigte sich auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Das Ergebnis der Weltklimakonferenz "hält die Paris-Ziele am Leben", erklärte von der Leyen. "Das macht uns zuversichtlich, dass wir der Menschheit einen sicheren und gedeihlichen Platz auf diesem Planeten bieten können." Die Verhandler in Glasgow hätten wichtige Fortschritte gemacht, erklärte die Kommissionschefin weiter. "Aber wir haben noch harte Arbeit vor uns."

In Glasgow hatten seit dem 31. Oktober fast 200 Staaten über die konkrete Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 verhandelt. In den am Samstagabend verkündeten Beschlüssen wurde unter anderem das Maximalziel des Pariser Abkommens einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad gestärkt. Außerdem sind die Staaten nun aufgerufen, ihre dafür noch völlig unzureichenden nationalen Klimaziele bereits bis Ende 2022 auf den Prüfstand zu stellen - drei Jahre früher als bislang geplant.

Sharma entschuldigt sich unter Tränen

Der "Klimapakt von Glasgow" fordert zudem, "ineffiziente" Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Die Formulierung wurde allerdings in letzter Minute auf Druck von China und Indien abgeschwächt. Der britische Gipfel-Präsident Alok Sharma entschuldigte sich bei den Delegierten mit den Tränen kämpfend dafür, wie und dass diese Last-Minute-Entscheidung zustande gekommen war. Dies tue ihm "zutiefst leid", sagte Sharma.

Deutliche Worte fand auch UN-Generalsekretär António Guterres. Seiner Einschätzung nach hat die Klimakonferenz die Gefahr einer Klimakrise nicht gebannt. Die in den Beschlüssen von Glasgow erzielten Fortschritte seien "nicht genug" und voller "Widersprüche", erklärte Guterres in einer ersten Stellungnahme: "Die Klimakatastrophe steht weiter vor der Tür."

Baerbock enttäuscht über Abschwächung

Auch die Grünen-Chefin Annalena Baerbock zeigte sich enttäuscht über die Beschlüsse der Klimakonferenz. "Es ist bedauerlich, dass in der Schlussphase der Konferenz Indien und China die gemeinsame Forderung zum Kohleausstieg abgeschwächt haben", erklärte Baerbock.

Die Staatengemeinschaft habe die Bedrohung angesichts der Nutzung von Kohle zwar anerkannt, "aber noch lange nicht gebannt".  Klimakonferenzen wie die COP26 seien ein wichtiger Ort für Impulse, erklärte die Grünen-Chefin weiter. Derzeit fehle es aber "an der erforderlichen gemeinsamen Kraft für einen wirklich großen Aufbruch". 

Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller kritisierte den Ausgang der Konferenz. "Aus Sicht der Entwicklungsländer sind die Ergebnisse absolut unzureichend, zu kleinteilig und zu langsam", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Glasgow habe zum Schutz ärmerer Länder vor den Klimafolgen keine befriedigende Antwort gegeben.

Deutliche Kritik von Umweltschützern

Auf dem Nachrichtendienst Twitter meldete sich Klimaaktivistin Greta Thunberg zu Wort: "Der COP26 ist vorbei. Hier eine kurze Zusammenfassung: Bla, Bla, Bla." Thunberg betonte, die eigentliche Arbeit gehe außerhalb der Konferenzhallen weiter: "Wir werden niemals aufgeben, niemals."

Auch aus Sicht von Umweltorganisationen gehen die Beschlüsse nicht weit genug. Zwar wurde das Ende der weltweiten Kohleverbrennung eingeleitet, erklärte etwa der deutsche Greenpeace-Chef Martin Kaiser. Doch auf Druck der Öl-, Gas- und Kohleindustrien ließen die Beschlüsse "Klarheit und Geschwindigkeit" vermissen.

Die Hoffnung, die globale Temperatur noch unter 1,5 Grad stabilisieren zu können, hänge nun an denjenigen Ländern, die ihre Verantwortung wahrnehmen wollen, sagte Kaiser.

"Klare Signale für deutsche Koalitionsverhandlungen"

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, sieht einen klaren Auftrag an die deutsche Politik: "Von der COP in Glasgow gehen klare Signale für die deutschen Koalitionsverhandlungen aus: Kohleausstieg bis spätestens 2030, Ausstieg aus der internationalen Förderung von Öl und Gas, die internationale Klimafinanzierung muss bis 2025 stark aufgestockt werden", sagte er.

Über dieses Thema berichtete am 14. November 2021 die tagesschau um 09:58 Uhr und tagesschau24 um 11:00 Uhr.