Teilnehmer der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow bei der Registrierung | AP

COP26 in Glasgow Wo Klimagipfel an ihre Grenzen stoßen

Stand: 30.10.2021 11:24 Uhr

Die morgen beginnende Klimakonferenz von Glasgow weckt Hoffnungen, aber auch Befürchtungen. Warum Durchbrüche kaum zu erwarten sind.

Von Werner Eckert, SWR, zzt. Glasgow

Erwartungen hat man nicht einfach, sie werden gesetzt und sind politisch motiviert, meist innenpolitisch - und so betreiben die Politiker im Vorfeld des Klimagipfels in Glasgow Erwartungsmanagement. US-Präsident Joe Biden macht Druck und spricht von Alarm. Und sein Sondergesandter fürs Klima, John Kerry, nimmt den Ton auf: "Glasgow ist die letzte wirkliche Hoffnung die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden - durch unsere Entscheidungen und ihre Umsetzung."

Werner Eckert

Tatsächlich wird die theoretische Chance, die Erderhitzung bei 1,5 Grad zu stoppen, wohl nur noch kurz bestehen. Aber den Druck auf Glasgow abzuladen, hält Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, für wenig zielführend: "Keine Klimakonferenz kann die Welt von heute auf morgen anders machen."

Das Ganze sei nämlich ein langer Prozess, so Flasbarth, bei dem die Staaten und die Wirtschaft zuhause die Entscheidungen treffen. Die UN-Verhandlungen sicherten nur den rechtlichen Rahmen.

Ein grundsätzliches Dilemma

Grundsätzlich ist das aber das Dilemma dieser Konferenzen: hohe Erwartungen auf der einen Seite und geringe Möglichkeiten auf der anderen.

Der US-Präsident denkt kaum zuerst an Glasgow, wenn er Druck macht: Er muss seine Landsleute zuhause und seine Senatoren auf eine neue Klimaschutzpolitik einschwören. Er wollte in Glasgow ein fertiges Gesetzespaket vorlegen, kann das aber nicht, weil es Widerstand in den eigenen Reihen gibt.

Auch China hält sich mit konkreteren Zusagen zurück, und Indien folgt wiederum China. Dessen Staats- und Parteichef Xi Jinping kommt gar nicht nach Glasgow, auch Russlands Wladimir Putin bleibt weg - und dass auch die Queen und der Papst abgesagt haben, macht die Sache bitter für Boris Johnson, den britischen Premier und Gastgeber. Sein Erwartungsmanagement lautet so: "Das wird ein hartes Ding und ich bin tief besorgt: Das kann auch schief gehen!"

Wo Entscheidungen fallen können

Niklas Höhne, der die Denkfabrik New Climate Institute leitet, analysiert: Es gebe nur einen Bereich, in dem es wirklich Entscheidungen aus den Verhandlungen heraus geben könne und müsse. Nämlich "eine Einigung zu den Regeln des Pariser Klimaabkommens, alleine um zu zeigen, dass dieser Prozess Entscheidungen fällen kann und nicht immer wieder nach hinten vertagt. Das ist das Allerwichtigste."

Es geht da um Regeln dafür, wie sich Staaten, die ihre Klimaschutzziele nicht erreichen, Gutschriften zukaufen können von anderen, die mehr tun.

Wie steht es um die Selbstverpflichtungen?

Politisch schaut die Welt natürlich auf die nationalen Selbstverpflichtungen, die jetzt, rund fünf Jahre nach der Klimakonferenz von Paris, verschärft werden mussten. Das ist aber eher ein Prozess, und Glasgow wird da kaum bahnbrechende Ankündigungen erleben - die sind im Lauf des Jahres gemacht worden.

Ein schleppender Prozess, aber immerhin. UN-Generalsekretär Antonio Guterres will aber mehr: "Die Wissenschaft ist eindeutig, jetzt müssen die Politiker konkret handeln. Sie müssen nach Glasgow mit mutigen und schnellen Ansagen kommen, wie sie Klimaneutralität erreichen."

Dann geht es um das Geld, jene 100 Milliarden US-Dollar, mit denen die Industriestaaten den ärmeren ab 2020 jährlich beim Klimaschutz helfen wollten. Das wird erst 2023 klappen - auch da sind die Fakten klar, politisch diskutiert wird das aber in Glasgow.

Und dann werden da Themen wie der Kohleausstieg und klare Vorgaben für das Treibhausgas Methan Themen sein. Da werden sich Allianzen zusammenfinden, die vorangehen.

Thunbergs Appell an die Jugend

Die Menschen müssten erkennen, dass es so nicht weiter gehen kann und das System geändert werden müsse, sagt die Ikone der Jugend-Klimabewegung Greta Thunberg. "Da kommen die Veränderungen her, nicht von den Konferenzen."

Alle darüber hinaus gehenden Themen - Klimaziele, Geldflüsse, Kohleausstieg - werden in Glasgow politisch behandelt und nicht verhandelt.

Der Wandel müsse von den Menschen kommen, sagt Thunberg. Sie müssten erkennen, dass es so nicht weiter gehen könne und der Lebensstil geändert werden müsse.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Oktober 2021 um 10:00 Uhr.