Das Kernkraftwerk Gravelines in Nordfrankreich | imago images/Andia

Klimagipfel in Glasgow Atomenergie - eine Lösung für wenige

Stand: 10.11.2021 14:03 Uhr

Länder wie Frankreich preisen Atomkraftwerke als probates Mittel, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Dabei spielt Kernenergie in vier Fünftel der Welt gar keine Rolle. Der Weltklimarat hält sie nicht für die große Lösung. 

Von Werner Eckert, SWR

Die Kernenergie ist klimaneutral, lautet das starke Argument der Lobby auf dem Klimagipfel in Glasgow. "Diese Konferenz ist extrem interessant. Wir reden viel objektiver über den Beitrag der Kernenergie zum Klimathema", sagt Rafael Mariano Grossi, der Generalsekretär der internationalen Atomenergie-Organisation IEAE. "Mit mehr Blick auf die Möglichkeiten und Realitäten für etwas, was uns jetzt schon hilft, das Problem zu lösen."

Werner Eckert

Die Atomenergie eben. Und die Ankündigung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron heute, scheint dies zu unterstreichen. "Um die Energieversorgung Frankreichs zu sichern und die Klimaziele für 2050 zu erreichen, werden wir zum ersten Mal seit Jahrzehnten den Bau von Atomkraftwerken auf den Weg bringen", sagt er.

Zehn Prozent Anteil an der Stromproduktion

Kein Land hängt auch nur annähernd so stark von Atomkraft ab wie Frankreich - 70 Prozent Anteil an der Stromproduktion ist einsame Spitze. Deutschland stehe zum Ausstieg, macht der Staatssekretär im Umweltministerium, Jochen Flasbarth, vor der internationalen Presse in Glasgow klar. "Wir sind keine Missionare. Andere Länder treffen andere Entscheidungen. Wir glauben aber, dass wir ökologisch und ökonomisch auf dem richtigen Pfad sind", sagt er.

Weltweit trägt Kernenergie nur etwa zehn Prozent zur Stromproduktion bei. Und zwei Drittel der Produktion sind auf nur fünf Staaten konzentriert. In vier Fünftel der Welt spielt diese Energieform gar keine Rolle. "Die Klimakonferenz ringt um Lösungen für die ganze Welt und nicht nur für einige wenige", sagt Christoph Bals von der Denkfabrik Germanwatch.

"Ich sehe eigentlich fast nur noch in den Staaten, die entweder jetzt schon Atommächte sind oder Atommächte werden wollen, dass es dort ernsthafte Bemühungen gibt, da noch einzusteigen", sagt er. Dort könnten solche Vorhaben aus den Militärhaushalten mitfinanziert werden. Das gelte auch und gerade für die aktuell stark beworbenen Mini-Atom-Kraftwerke.

Erneuerbare Energien gelten als Hauptweg

Die Kombination von ziviler und militärischer Nutzung der Atomkraft ist auch ein wichtiges Argument für die USA, international nicht allzu sehr auf diese Energieform zu setzen. Weltweit gelten erneuerbare Energien als der Hauptweg in eine klimaneutrale Zukunft. Sie sind überall einsetzbar, sicher und günstiger.

Immerhin erhalten die Betreiber des neuen britischen AKW Hinkley Point C deutlich höhere Einspeisevergütungen als etwa Windenergieanlagen. Tatsächlich sinkt der Anteil der Kernenergie an der Energieversorgung weltweit eher, als dass er ansteigt. Die Internationalen Energieagentur und der Weltklimarat halten Kernenergie durchaus für einen Beitrag zum Klimaschutz, aber nicht für die große Lösung. 

Jan Kowalzyk von der Organisation Oxfam international hält deshalb die Debatte um diese Energieform für ein Randthema der Konferenz. "Die Risiken existieren. Sie sind vielleicht gering, aber sie existieren", sagt er. Es gebe ja einen guten Grund, warum Atomenergie überhaupt nicht versicherbar ist, wenn es denn zu einer Katastrophe kommen sollte. "All das sind für mich Signale, dass die Atomenergie vielleicht noch mal versucht, da wieder einen Fuß in die Tür zu kriegen, aber es wird langfristig nicht gelingen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. November 2021 um 13:00 Uhr.