Weltklimakonferenz in Glasgow | REUTERS

Klimagipfel beginnt in Glasgow "Hört den Schrei der Erde"

Stand: 31.10.2021 14:15 Uhr

In britischen Glasgow hat die Weltklimakonferenz begonnen. Zum Auftakt warnte UN-Klimachefin Espinosa vor der "eigenen Auslöschung". Der Papst forderte die Weltgemeinschaft auf, den "Schrei der Erde" endlich zu hören.

Unter hohen Erwartungen an die Regierungen der Welt hat in Glasgow die Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen begonnen. Regierungsvertreterinnen und -vertreter aus rund 200 Staaten beraten zwei Wochen lang über eine ambitioniertere globale Klimapolitik.

Zum Auftakt forderte die UN-Klimachefin Patricia Espinosa deutlich mehr Ehrgeiz der Staatengemeinschaft im Kampf gegen die Erderhitzung. Man stehe beim Klimaschutz an einem "Wendepunkt der Geschichte", sagte die Exekutivsekretärin der Klimarahmenkonvention (UNFCC). "Entweder, wir setzen auf eine schnelle und großangelegte Reduzierung der Emissionen, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Oder wir akzeptieren, dass die Menschheit einer düsteren Zukunft auf diesem Planeten entgegenblickt." Ein Weiter so beim Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase komme einer "Investition in unsere eigene Auslöschung" gleich.

Weil die Emissionen weiter steigen, brauche es mehr Klimaschutzzusagen speziell der großen G20-Wirtschaftsmächte, so Espinosa weiter. Begleitet werden müsse dies von mehr Unterstützung für ärmere Staaten. Dabei gehe es nicht nur um die schon zugesagten 100 Milliarden US-Dollar jährlich für den Klimaschutz in Entwicklungsländern, sondern um die Mobilisierung von Billionen. Es müsse ein "neues Zeitalter der Widerstandskraft" eingeleitet werden. Die Verhandler ermutigte sie, über ihren Tellerrand zu gucken und festgelegte Verhandlungspunkte zu hinterfragen.

"Lassen Sie uns sicherstellen, dass Glasgow hält, was Paris versprochen hat", sagte auch der Brite Alok Sharma der kurz zuvor zum Präsidenten des Gipfels COP 26 gewählt worden war. Das Fenster, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, schließe sich, sagte er. Es häuften sich Überschwemmungen, Wirbelstürme und Rekordtemperaturen. Die Welt verändere sich zum Schlechteren und die Menschheit könne das nur gemeinsam bekämpfen. "Diese COP ist unsere letzte große Hoffnung, 1,5 Grad im Rahmen des Möglichen zu halten. Diese internationale Konferenz muss liefern", so Sharma.

Schulze: "Neue Phase der Klima-Zusammenarbeit"

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze appellierte an die internationale Gemeinschaft, einen ambitionierten gemeinsamen Klimaplan aufzustellen. "In Glasgow kann und muss die Weltgemeinschaft die noch offenen Fragen zu den Regeln der internationalen Zusammenarbeit beim Klimaschutz abschließend klären. Wenn das gelingt, dann kann Glasgow eine neue Phase der internationalen Klima-Zusammenarbeit einleiten", sagte Schulze zum Auftakt der Konferenz.

Es müsse jetzt darum gehen, einen Schwerpunkt auf die konkrete Umsetzung der Klimaziele zu legen. "Das ist dringend nötig: Die Welt ist noch lange nicht auf 1,5-Grad-Kurs", sagte Schulze. Gemeint ist das oberste Ziel der Vertragsstaaten, die Erderhitzung möglichst unter 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu halten. Darauf hatten sich die Staaten bei der Weltklimakonferenz in Paris vor sechs Jahren verbindlich verständigt.

Müller: "Klimakatastrophe lässt sich verhindern"

Auch der geschäftsführende Bundesentwicklungsminister Gerd Müller richtete sich an die Weltgemeinschaft: "Die weltweite Klimakatastrophe lässt sich verhindern. Wir haben die Technologie und das Wissen, allein entscheidend ist der weltweite Wille zum entschlossenen Handeln." Die Industriestaaten trügen die "Hauptverantwortung einer ökologisch, sozialen, weltweiten Wachstumswende, sagte Müller.

Der britische Premierminister Boris Johnson erklärte, er hoffe auf eine "Atmosphäre der Verantwortung und Ambition", um das Pariser Ziel am Leben zu halten.

Papst: "Schrei der Erde und der Armen" muss gehört werden

Papst Franziskus forderte "konkrete Ergebnisse" vom UN-Klimagipfel. "Der Schrei der Erde und der Armen" müsse endlich gehört werden, sagte er auf dem Petersplatz in Rom. Nur so gebe es eine konkrete Hoffnung für künftige Generationen.

Der britische Thronfolger Prinz Charles forderte die Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten dazu auf, die "verzweifelten Stimmen" junger Leute in der Klimakrise zu hören. Der Weltklimagipfel in Glasgow sei "buchstäblich die letzte Chance" für die Erde, sagte er in Rom, wo heute der G20-Gipfel zu Ende geht.

Thunberg verteidigt radikalen Protest

Die Umweltaktivistin Greta Thunberg warf COP-Gastgeber Großbritannien dagegen vor, Klimaschutz nicht ernst genug zu nehmen. "Wenn man ein Muster politischer Entscheidungen sieht, die stets vermeiden, echte Maßnahmen zu ergreifen, kann man aus diesem Muster Schlussfolgerungen ziehen. Nämlich, dass Klimaschutz derzeit wirklich nicht die höchste Priorität hat", sagte sie. Hintergrund war die Ankündigung der britischen Regierung, Abgaben auf Inlandsflüge zu senken. Außerdem hält London trotz Protesten am Ausbau eines neuen Ölfelds in der Nordsee fest.

Zudem verteidigte Thunberg radikale Protestformen im Kampf für mehr Klimaschutz. Manchmal sei es eben notwendig, einige Menschen zu verärgern, um auf Themen aufmerksam zu machen, sagte die Schwedin der BBC. "Die Schulstreik-Bewegung wäre nie so bekannt geworden, wenn es keine Reibungen gegeben hätte, wenn einige Leute nicht angepisst gewesen wären", so Thunberg. Wichtig sei aber natürlich, dass niemand bei den Demonstrationen verletzt werde.

Zum Klimagipfel reisen voraussichtlich etwa 25.000 Menschen an, darunter Tausende Journalisten und Klimaschutzaktivisten. Auf der Tagesordnung in Glasgow steht unter anderem eine Bewertung der freiwilligen nationalen Klimaziele bis 2030, die die Staaten vor der Konferenz eingereicht haben. Außerdem wollen die Klimadiplomaten über Transparenzregeln, Berichtspflichten und die Ausgestaltung eines internationalen Handels mit CO2-Emissionsrechten verhandeln. Auch über die finanzielle Unterstützung armer Staaten im Kampf gegen die Erderwärmung soll beraten werden.

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Moderation 31.10.2021 • 18:20 Uhr

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