Weltfinanzminister bei der COP26 in Glasgow | AFP

Vorlage auf Klimagipfel "Zu schwach für einen Durchbruch"

Stand: 10.11.2021 14:47 Uhr

Der erste Entwurf einer Abschlusserklärung der Weltklimakonferenz liegt auf dem Tisch. Er enthält viele Absichtserklärungen - und wenig Konkretes. Umweltaktivisten kritisierten das Papier als "völlig unzureichend".

Wenige Tage vor dem Ende der Weltklimakonferenz in Glasgow hat die britische Konferenzpräsidentschaft den Entwurf einer Abschlusserklärung veröffentlicht. Darin waren allerdings keine spezifischen Einigungen zu den zentralen Zielen des Gipfels enthalten, die die Vereinten Nationen zu Beginn ausgegeben hatten.

Stattdessen heißt es darin, man sei besorgt und alarmiert über die Erderwärmung und rufe dazu auf, bis 2030 den Ausstoß an schädlichen Treibhausgasen um 45 Prozent gegenüber den Werten von 2010 zu reduzieren.

Der Entwurf verweist auf das Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Dies erfordere "bedeutende und effektive Maßnahmen aller Seiten in dieser entscheidenden Dekade".

Wenig Konkretes im Entwurf zu finden

Nötig seien "eine schnelle, tiefe und nachhaltige Verringerung der Treibhausgasemissionen", heißt es in dem Dokument weiter. Die Staaten seien daher aufgerufen, ihre Pläne zur Verringerung ihres Treibhausgas-Ausstoßes bereits bis 2022 und nicht erst 2025 " zu überdenken und zu stärken".

Das Dokument enthält außerdem einen Aufruf zum Erreichen von Klimaneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts. Industriestaaten werden dazu "gedrängt", Entwicklungsländer für "Verluste und Schäden" zu kompensieren - eine Formulierung, die bei manchen reichen Staaten auf Missfallen stößt.

Ferner wird in dem Entwurf dazu aufgerufen, "den Ausstieg aus Kohle und Subventionen für fossile Energieträger" voranzutreiben. Eine Beendigung der Nutzung von Öl und Gas wird allerdings nicht ausdrücklich erwähnt.

Scharfe Kritik von Umweltaktivisten

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace nannte den Entwurf der Briten völlig unzureichend. "Dieses Papier ist kein Plan zur Entschärfung der Klimakrise", sagte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan. "Es ist eine Vereinbarung, dass wir alle die Daumen drücken und das Beste hoffen. Es ist eine höfliche Bitte, dass die Staaten vielleicht, möglicherweise, im nächsten Jahr mehr tun."

Der Klimaexperte der Hilfsorganisation Care, Sven Harmeling, sagte, der Textentwurf der COP-Präsidentschaft enthalte viele wichtige Punkte, allerdings nicht so, "dass wirklich sichergestellt wäre, dass dazu konkrete nächste Schritte gemacht werden müssen". Es komme jetzt darauf an, "dass die COP von Glasgow den weiteren Ausstieg aus den fossilen Energien beschleunigt", sagte Harmeling. Dafür seien "die nächsten 24, 36 Stunden entscheidend".

"Im Moment liegen viele Dinge auf dem Tisch, die noch zu einem guten Abschluss der Konferenz beitragen können. Aber es kann auch noch extrem viel verloren gehen", warnte der Care-Experte.

Umweltminister ringen um Entwurf

Jan Kowalzig von der Hilfsorganisation Oxfam bezeichnete den Verhandlungsstand in Glasgow als "zu schwach als Grundlage für einen echten Durchbruch". Zwar gebe es "einige positive Schritte" bei Maßnahmen gegen die Erderwärmung, beim Umgang mit Verlusten und Schäden infolge des Klimawandels blieben "die Bedürfnisse der ärmeren und besonders betroffenen Länder aber sträflich vernachlässigt".

Über den Entwurf wird nun zwischen den Umweltministern der Staaten in den nächsten Tagen gerungen. Eigentlich ist der Abschluss der Konferenz für Freitag vorgesehen. Es sind allerdings noch viele weitere Fragen zu klären, die der Entwurf nicht beantwortet. Dazu gehört die Frage nach der Unterstützung der ärmeren Länder vor allem nach 2025 und den Standards zum Handel von Emissionsrechten unter den Staaten. Auch Regelungen, wie die verschiedenen Klimaziele vergleichbar gemacht werden können, fehlen noch.

Über dieses Thema berichtete BR24 im Hörfunk am 10. November 2021 um 14:07 Uhr.