Ein Schiff fährt unter der Waalbrücke im niederländischen Nijmegen hindurch. Der Fluss führt wegen der Trockenheit nur noch wenig Wasser. | dpa

Anhaltende Trockenheit Niederlande rufen Wasser-Notfallplan aus

Stand: 03.08.2022 17:39 Uhr

In den Niederlanden wächst die Sorge, dass angesichts der anhaltenden Trockenheit das Wasser immer knapper wird. Schon jetzt muss vor allem die Landwirtschaft sparen. Die Regierung setzte darum nun einen Notfallplan in Kraft.

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und ihrer Auswirkungen greift die niederländische Regierung zu Vorsichtsmaßnahmen. Sie setzte einen Notfallplan in Gang, um eine Verschärfung der Wasserknappheit möglichst zu verhindern.

Von nun an soll ein zentrales Krisenteam die Verteilung der Wasservorräte übernehmen und Maßnahmen vorschlagen, wie mit dem Wassermangel umzugehen ist. Das kündigte Mark Harbers, der niederländische Minister für Infrastruktur und Wasserwirtschaft an - und warnte:

Die Niederlande sind ein Wasserland, aber unser Wasser ist auch kostbar.

Bereits Auswirkungen auf Landwirte und Fährverkehr

Die Trinkwasserversorgung sei weiterhin gesichert, betonte Harbers. Doch die Trockenheit mache sich bereits jetzt bemerkbar, etwa in der Schifffahrt oder Landwirtschaft. Neben dem zu geringen Niederschlag wirken sich auch die Dürreperioden in den südlichen Ländern Europas auf die Niederlande aus, da Flüsse, die aus diesen Gebieten in die Niederlande fließen, weniger Wasser führen.

In mehreren niederländischen Regionen wurden darum bereits Einschränkungen für Landwirte erlassen. Sie dürfen ihre Felder nicht mehr so intensiv bewässern wie üblich. Mehrere Flussfähren mussten den Betrieb wegen zu niedriger Pegelstände einstellen. Und in Amsterdam müssen mechanische Brücken bei hohen Temperaturen mit Wasser besprüht werden, um zu verhindern, dass sie sich ausdehnen und blockieren.

Schutz der Deiche hat Priorität

Sollte die Trockenheit weiterhin anhalten, müssten eventuell umfassendere Maßnahmen ergriffen werden, so Minister Harbers. Dabei stehe vor allem der Naturschutz und der Schutz der Deiche im Vordergrund. Immerhin werden etwa 60 Prozent der Fläche der Niederlande von Deichen, Dämmen und Dünen geschützt. 30 Prozent des Landes liegen unterhalb des Meeresspiegels und werden durch Deiche und ein System aus Pumpen, Kanälen und Mühlen trocken gehalten.

Harbers appellierte daher auch eindringlich an die Bevölkerung, den eigenen Wasserverbrauch einzuschränken, wenn möglich: "Jeder kann etwas beitragen. Daher bitte ich alle Niederländer, gut darüber nachzudenken, ob sie ihr Auto waschen oder das Planschbecken vollständig füllen müssen."

Auch EU-Kommission drängt auf Wassersparen

Die teils hohen Temperaturen und geringen Regenfälle machen sich in diesem Sommer in ganz Europa bemerkbar. In mehreren Ländern wie Griechenland oder Frankreich richteten Waldbrände massive Zerstörung an. Auch in Sachsen und Brandenburg entflammten Waldbrände. Spanien und Portugal meldeten Hunderte mutmaßliche Hitzetote und Großbritannien rief zum ersten Mal überhaupt wegen der Hitze die Alarmstufe Rot aus.

Die EU-Kommission will angesichts solcher Entwicklungen die Mitgliedsstaaten zu mehr Engagement beim Wassersparen bewegen. Ein Punkt dabei: Die Länder sollen verstärkt wiederaufbereitetes Wasser nutzen, etwa um landwirtschaftliche Flächen zu bewässern. Denn momentan werden Angaben der Kommission zufolge in der EU jedes Jahr zwar 40 Milliarden Kubikmeter Abwasser aufbereitet, aber nur 964 Millionen Kubikmeter werden wiederverwendet.

EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius warnte: "In Zeiten von nie dagewesenen Temperaturspitzen müssen wir aufhören, Wasser zu verschwenden und diese Ressource effizienter verwenden." Darum habe die EU-Kommission nun Leitlinien herausgegeben, mit denen die Nutzung von wiederaufbereitetem Abwasser gesteigert werden soll. Eigentlich sollte erst im kommenden Juni eine neue Verordnung der EU zur Wassernutzung in Kraft treten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. August 2022 um 19:00 Uhr.