Demonstration in Glasgow | dpa

Proteste bei Klimakonferenz "Glasgow muss liefern"

Stand: 06.11.2021 18:07 Uhr

Zehntausende Menschen haben in Glasgow erneut für mehr Klimaschutz demonstriert. Die Verantwortlichen der COP26-Konferenz betonen, dass ihre Stimmen gehört würden - bisher bleiben die Ergebnisse des Gipfels jedoch mager.

Von Werner Eckert, SWR

Sie tanzen im Regen auf Glasgows Straßen. Zehntausende sind dort unterwegs. Aber sie machen nicht Party, sie machen Druck. "Die hatten jetzt Jahrzehnte Zeit", sagt Ami Ferguesson. "Warum hat sich nichts geändert? Sie haben doch gar kein Interesse an Veränderung. Und deshalb sind wir heute hier so viele."

Werner Eckert

Auch viele Gewerkschaften und linke Gruppen sind dabei. "Eine kaputte und manipulierte Wirtschaft ist das, die uns an den Rand der Katastrophe führt", sagt Asad Rehman. "Unseren Politikern fehlt einfach der Wille."

Demonstration in Glasgow | AFP

Die Demonstranten machten auch mit phantasievollen Aktionen auf ihr Anlegen aufmerksam. Bild: AFP

Drinnen in den Konferenzgebäuden sind die Proteste nur auf den Bildschirmen zu sehen. Alok Sharma, der Präsident der Klimakonferenz, versichert aber, dass der Druck ankommt: "Ich verstehe Frust und Ärger der jungen Leute völlig. Sie verlangen, dass geliefert wird. Und ich sage: Paris hat versprochen, Glasgow muss liefern."

Damit legt er die Latte sehr hoch. Die britische Präsidentschaft schüttet jeden Tag ein Füllhorn an Ankündigungen aus - viele Schlagzeilen, wenig Details. Die Delegierten versuchen, dafür ein Konzept zu finden, das die vielen mehr oder minder verbindlichen Zusagen auch messbar und überprüfbar macht.

Optimismus trotz schmaler Ergebnisse

Konferenzpräsident Sharma verbreitet Optimismus: "Als wir diese Präsidentschaft übernommen haben, waren weniger als 30 Prozent der Weltwirtschaft auf das Ziel Klimaneutralität ausgerichtet. Jetzt sind es 90 Prozent. Das ist in jedem Fall ein Erfolg."

Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn die wirklich verbindlichen und konkreten Zusagen bringen die Welt immer noch auf einen Weg zu etwa 2,7 Grad höheren Temperaturen. Das stellen Wissenschaftler klar.

Elbas emotionaler Appell an die Verantwortlichen

Viele Themen werden auf den vielen Bühnen und Verhandlungssälen in Glasgow aufgerufen. Und selbst Showgrößen machen sich da für den Klimaschutz stark. Der britische Schauspieler Idris Elba etwa betont seine afrikanischen Wurzeln und erinnert an das Schicksal der Kleinbauern: "Die liefern 80 Prozent der Nahrungsmittel der Welt. Davon kriegen wir nichts mit."

Sie sind jedoch vom Klimawandel betroffen, so der Schauspieler: "Jedes Jahr, wenn sie säen und pflanzen, wächst weniger. Und auch wir werden das eines Tages merken: Dann ist nämlich nichts mehr zum Essen da, wenn wir einkaufen."

 Idris Elba bei seiner Rede in Glasgow | dpa

Schauspieler Idris Elba beklagt das Schicksal der Kleinbauern in Afrika. Bild: dpa

Das ist ein Thema, das auch die ugandische Klimaaktivistin Vanessa Nakate aufnimmt: "Unsere Politiker müssen ihre Politik an der Wissenschaft ausrichten und die Emissionen auf null reduzieren. Und zwar jetzt. Aber wir müssen nicht nur auf null Emissionen kommen, sondern auch auf null Hunger."

Es steht viel auf dem Spiel bei dieser Konferenz.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. November 2021 um 18:00 Uhr.