Zwei Männer tragen eine Holzplatte neben schwer beschädigten Gebäuden und zerstörten Autos in Bachmut (Ukraine). | dpa

Krieg gegen die Ukraine Russland weitet Angriffe im Osten aus

Stand: 25.05.2022 11:53 Uhr

Russlands Angriffe im Osten der Ukraine werden offenbar zunehmend heftiger. Truppen aus verschiedenen Richtungen werden laut US-Experten zusammengezogen. Präsident Selenskyj signalisierte Putin unterdessen erneut Gesprächsbereitschaft.

Drei Monate nach dem Beginn ihrer Invasion in der Ukraine erhöhen die russischen Truppen im Osten des Landes nach Angaben aus Kiew massiv ihre Angriffe. Es würden derzeit schwere Kämpfe um die Großstadt Sjewjerodonezk geführt. Dort starben nach Angaben des Gouverneurs der Region Luhansk mindestens sechs Zivilisten. Acht weitere Menschen seien dabei in den vergangenen 24 Stunden verletzt worden, so Serhij Hajdaj weiter. Er warf russischen Soldaten vor, absichtlich Unterkünfte von Zivilisten anzugreifen.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Sjewjerodonezk liegt im Donbass. Die Ukrainer leisteten nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums heftigen Widerstand. Sjewjerodonezk und umliegende Städte bilden die einzige Gegend von Luhansk, die noch von der ukrainischen Regierung kontrolliert wird.

Russland zieht offenbar Reserven für Offensive ab

Die Militärexperten des US-Kriegsforschungsinstituts Institute for the Study of War (ISW) berichteten in ihrer jüngsten Ukraine-Analyse zudem, dass das russische Militär im schwer umkämpften Gebiet Luhansk Kräfte aus verschiedenen Richtungen zusammenziehe. Die für eine Offensive nötigen Reserven würden aus den Gebieten um Charkiw, Isjum, Donezk und Saporischschja abgezogen.

"Wir beobachten jetzt die aktivste Phase der umfassenden Aggression, die Russland gegen unser Land entfaltet hat", schilderte auch ein Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums die Lage. Neben Sjewjerodonezk ist auch die nahe gelegene Stadt Lyman nach Angaben des ukrainischen Generalstabs Ziel der russischen Attacken. In beiden Orten werde die Bodenoffensive durch Luftangriffe und Artillerie unterstützt.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/24.05.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/24.05.2022

Saporischschja von Raketen getroffen

Daneben meldete der Generalstab auch Gefechte aus dem Raum Bachmut südwestlich von Sjewjerodonezk. Russische Truppen hätten die Ortschaften Komyschuwacha, Jakowliwka und Troitzke angegriffen, sich aber nach Verlusten wieder zurückgezogen. Im Raum Awdijiwka gebe es ununterbrochenes Artilleriefeuer auf die Stellungen der Verteidiger. An anderen Frontabschnitten war es dem Lagebericht nach ruhiger. Im Süden der Ukraine gibt es demnach keine größeren Kämpfe.

Am frühen Mittwochmorgen wurde zudem die Großstadt Saporischschja im Osten der Ukraine nach Behördenangaben von mehreren Raketen getroffen. Eine der insgesamt vier Raketen sei von der Luftabwehr abgefangen worden. Die Rettungskräfte seien vor Ort, um sich ein Bild von der Lage, den Schäden und möglichen Opfern des Angriffs zu machen.

Selenskyj will weiterhin mit Putin reden

Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte unterdessen bei einer Veranstaltung der Victor-Pinchuk-Stiftung in Davos, die Ukraine kämpfe, bis sie ihr gesamtes Territorium zurückhabe. Er signalisierte auch weiter Gesprächsbereitschaft. Er werde aber nur mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin selbst sprechen. "Ich kann nur mit dem Präsidenten direkt sprechen, keine Mittelspersonen, keine Vermittler", sagte Selenskyj. Dafür müsse Putin seine Blase verlassen. Derzeit verhandle Russland nicht ernsthaft.

Zugleich warf er den westlichen Ländern vor, nicht vereint an der Seite der Ukraine zu stehen. "Meine Frage ist: Herrscht in der Praxis Einheit? Ich sehe sie nicht", sagte Selenskyj weiter. Er warf insbesondere der Türkei und Ungarn vor, unsolidarisch mit seinem Land zu sein, das sich seit drei Monaten gegen einen russischen Angriffskrieg verteidigt. 

Ausdrücklicher Dank an Biden

Selenskyj, der per Video zugeschaltet war, bedankte sich ausdrücklich bei US-Präsident Joe Biden für die Unterstützung der USA. Als europäisches Land brauche die Ukraine aber vor allem "die Unterstützung eines vereinten Europas", sagte Selenskyj. "Wir werden einen riesigen Vorteil gegenüber Russland haben, wenn wir wirklich einig sind", sagte er.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Mai 2022 um 12:00 Uhr.