Boris Johnson | AFP

Johnson verlässt Downing Street "This is it, folks"

Stand: 06.09.2022 13:22 Uhr

Der Vorhang für Boris Johnson ist gefallen. Ein letztes Mal trat er am Morgen vor die schwarze Tür der 10 Downing Street, um sich offiziell zu verabschieden. In gewohnt blumigen Worten zog er Bilanz - und deutete ein Comeback an.

Von Franziska Hoppen, RBB, zzt. London

"Das war’s, Leute." Ein letztes Mal trat Boris Johnson - typisch mit zerzaustem Haar - aus der Tür der 10 Downing Street, dem Amtssitz des britischen Regierungschefs, vor Familie, Freunde und Kollegen. Seine Botschaft: trotzig. Nach dem Motto: Auch, wenn er nicht ganz so lange im Amt war wie offiziell vorgesehen, seine Bilanz als Premierminister kann sich sehen lassen.

Franziska Hoppen

Johnson verteidigte seine Wirtschaftspolitik, zählte – aus seiner Sicht – Erfolge im Kampf gegen die Corona-Pandemie auf, bei den Brexit-Verhandlungen und sein Engagement für die Ukraine. "Gemeinsam haben wir Fundamente gelegt, die sich in Zukunft bewähren werden", sagte er.

Boris Johnson | AP

Ein letztes Mal auf der großen Bühne: Boris Johnson vor Reportern in der 10 Downing Street. Bild: AP

Kein Wort über die Probleme des Landes

Über die steigende Inflation, immer teurere Lebenshaltungskosten, die Energiekrise und das Brexit-Chaos verlor Johnson kein Wort. Probleme, mit denen sich nun Liz Truss, die neue Partei-und Regierungschefin herumschlagen muss. Und zwar dringend.

Schon am Donnerstag soll ihr neues Kabinett über die Krise beraten. Johnson sprach Truss für ihre neuen Aufgaben inbrünstig seine Unterstützung aus: "Wir müssen uns alle hinter Liz Truss vereinen, hinter ihrem Team, ihrem Programm und wir müssen liefern - für die Menschen in diesem Land."

Eine schwierige Aufgabe, nicht zuletzt weil die Tory-Partei zerstritten ist, vor allem nach den letzten Wochen des zermürbenden Wahlkampfes um Johnsons Nachfolge. Gräben, die der scheidende Premier charmant weggrinst: Wenn sein Hund Dylan und die Katze der 10 Downing Street, Larry, ihre Differenzen begraben könnten, dann könnten das wohl auch die Konservativen.  

Johnson, zugleich Trägerrakete und Cincinnatus

Für Johnson ist das leicht gesagt. Er verschwand kurz nach seiner acht Minuten langen Rede mit Frau Carrie in der Limousine, dann im Flieger ins schottische Balmoral zu fliegen. Dort traf er die Queen und legte ihr gegenüber offiziell sein Amt nieder.

Truss traf die Queen im Anschluss. In einer kurzen Tradition bekannt als "kissing of hands" - dem Handkuss - ernennt die Queen sie offiziell als neue Premierministerin. Und schon um 16 Uhr britischer Zeit will Truss ihre Antrittsrede vor der 10 Downing Street halten.

Bis dahin hallen Johnsons doppeldeutige letzte Worte nach: Er sei wie eine Rakete, die nun zurück in die Atmosphäre gleiten und irgendwo im Meer landen werde, sagte er am Morgen. Bedeutet das also das Ende seiner politischen Karriere? Vielleicht nicht ganz: Wie einst der römische Politiker Cincinnatus werde er zurück auf seinen Acker gehen, so Johnson. Nur, das Cincinnatus nach seinem Rückzug später doch noch in die Politik zurückkehrte.

Eine riskante Analogie also: Denn sie könnte durchaus bedeuten, dass Johnson im politischen London der Zukunft, und vielleicht auch in der Amtszeit von Truss, noch eine Rolle spielt.

 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. September 2022 um 12:00 Uhr.