Boris Johnson | AP

"Partygate"-Skandal in Großbritannien Bericht macht Regierungsspitze verantwortlich

Stand: 25.05.2022 13:48 Uhr

Der "Partygate"-Skandal holt Großbritanniens Premier Johnson erneut ein: Ein Untersuchungsbericht macht die Regierungsspitze für Verfehlungen während des Corona-Lockdowns verantwortlich. Einen Rücktritt schloss Johnson jedoch erneut aus.

Ein interner Untersuchungsbericht hat die britische Regierungsspitze für die Verfehlungen im "Partygate"-Skandal verantwortlich gemacht. "Viele dieser Veranstaltungen hätten nicht zugelassen werden dürfen", heißt es in dem Bericht der hochrangigen Beamtin Sue Gray zu Partys am Regierungssitz während des Corona-Lockdowns. Die Führungsspitze müsse "Verantwortung für diese Kultur" übernehmen.

In den vergangenen Monaten waren in britischen Medien immer neue Berichte über Feiern im Amtssitz von Premierminister Boris Johnson in der Corona-Zeit erschienen. Diese fanden teilweise statt, obwohl im ganzen Land strikte Beschränkungen für das Zusammenkommen von Menschen galten.

Johnson übernimmt "volle Verantwortung"

Der britische Premierminister Johnson sagte, er übernehme "die volle Verantwortung für alles, was passiert ist". Allerdings beharrte er erneut darauf, dass er keine Regeln bewusst gebrochen habe, auch Rücktrittsaufrufe ignorierte er. Johnson sagte, er sei "demütig" und habe "eine Lektion gelernt", aber es sei jetzt an der Zeit, "weiterzumachen" und sich auf die Prioritäten der Regierung zu konzentrieren.

Keir Starmer, Vorsitzender der oppositionellen Labour-Partei, sagte, der Bericht werde als Denkmal für die Hybris und Arroganz der Regierung von Johnson stehen. Es sei unmöglich, die Worte des Premierministers vor dem Parlament zu verteidigen.

Fotos belegen Teilnahme des Premiers

An Johnsons Aussagen gibt es starke Zweifel. So gibt es diverse Fotos, die zeigen, dass der Premierminister an den Feiern selbst teilgenommen und mitgetrunken hat. Von der Polizei erhielt er dafür auch schon einen Strafbescheid - ebenso wie 125 weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mehrere Abgeordnete seiner konservativen Tory-Partei sowie die Opposition hatten bereits öffentlich Johnsons Rücktritt gefordert.  

 Mit Informationen von Imke Köhler, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. April 2022 um 08:52 Uhr.