Premierminister Johnson | AFP

Premier Johnson unter Druck Neue Vorwürfe und Rücktrittsforderung

Stand: 15.01.2022 16:12 Uhr

Die Briten saßen im Lockdown - ihre Regierung machte Party. Laut einem Medienbericht waren das keine Ausrutscher. An jedem Freitag soll es am Regierungssitz eine "Weinzeit" gegeben haben. Die Opposition fordert Konsequenzen.

Der britische Oppositionschef Keir Starmer hat Premierminister Boris Johnson angesichts der sich zuspitzenden "Partygate"-Affäre die Fähigkeit zum Regieren abgesprochen. Es sei nun im "nationalen Interesse", dass Johnson abtrete, sagte der Vorsitzende der oppositionellen Labour-Partei auf einer Konferenz in London.

Die konservative Tory-Partei des Premiers rief er auf, das Notwendige zu tun und Johnson los zu werden. "Was wir jetzt haben, ist eine Situation, in der man einen Premierminister hat, der die moralische Autorität verloren hat, zu führen", sagte Starmer. Auch Abgeordnete aus Johnsons eigener Partei hatten schon einen Rücktritt des Premiers ins Spiel gebracht.

Gartenparty, als sich nur zwei treffen durften

Johnson steht seit längerem vor allem wegen Feiern in der Downing Street zu Lockdown-Zeiten immens unter Druck. Er hatte sich am Mittwoch im Parlament für eine Gartenparty in seinem Amtssitz entschuldigt, an der er teilgenommen hatte. Sie hatte im Mai 2020 stattgefunden - zu einer Zeit, in der sich Großbritannien im strikten Corona-Lockdown befand und selbst Treffen von mehr als zwei Menschen im Freien verboten waren.

Doch seit dieser Entschuldigung tauchten Berichte über weitere Feiern im Regierungssitz auf - unter anderem am Vorabend der Beerdigung von Queen-Gemahl Prinz Philip im April 2021. Auch damals galten strenge Corona-Regeln in Großbritannien, wodurch Queen Elizabeth II. alleine in der Kapelle ihrer Residenz Windsor sitzen musste, als ihr Mann bestattet wurde.

Regelmäßig bei der "Weinzeit"

An dieser Feier soll Johnson selbst nicht teilgenommen haben. Bei der "Weinzeit", über die nun der "Daily Mirror" berichtet, hingegen des öfteren. Laut dem Bericht kamen Mitarbeiter der britischen Regierung während des Corona-Lockdowns freitags regelmäßig zu einem Feierabend-Umtrunk im Londoner Regierungssitz zusammen. Der Premier habe sie sogar ermutigt, "Dampf abzulassen".

Die Zeitung veröffentlichte ein Foto, das einen speziell für dieses Ritual angeschafften Weinkühlschrank zeigen soll - und dessen Lieferung über eine Hintertür der Downing Street im Dezember 2020.

Regierung will sich erst nach Untersuchung äußern

Laut "Daily Mirror" war die "Weinzeit" in den Online-Kalendern von rund 50 Mitarbeitern der britischen Regierung verzeichnet. Johnson sei am Ende des Arbeitstages oft zu den Treffen dazugestoßen, berichtete die Zeitung und zitierte eine Quelle mit den Worten: "Die Idee, dass er nicht wusste, dass es Umtrunke gab, ist völliger Unsinn."

Ein Regierungssprecher wollte sich nicht zu dem Zeitungsbericht äußern. Die Regierung will nach seinen Worten eine Untersuchung der Beamtin Sue Gray abwarten, die die "Fakten" zu Treffen während der Corona-Pandemie zusammentragen werde. Gray könnte ihren Bericht kommende Woche vorlegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Januar 2022 um 16:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Karl Maria Joseph Wüllenhorst Felleringe 15.01.2022 • 23:53 Uhr

23:49 Uhr von saschamaus75

also, du weist es doch. aber ist das für einen kanzler angemessen, der bisher nur mit nix tun aufgefallen ist