Boris Johnson verlässt seinen Amtssitz in der Downing Street. | dpa

Großbritannien Johnson baut seine Regierung um

Stand: 15.09.2021 18:24 Uhr

Großes Stühlerücken im britischen Kabinett: Als Reaktion auf öffentliche Kritik hat Premierminister Johnson seine Regierung umgebildet. Die prominenteste Änderung: Außenminister Raab wird degradiert.

In den vergangenen Monaten und Wochen waren mehrere Mitglieder der britischen Regierung zunehmend in die Kritik geraten. Nun zieht Premierminister Boris Johnson Konsequenzen und besetzte mehrere Posten in seinem Kabinett um.

Schon vor der offiziellen Bekanntgabe hatten britische Medien spekuliert, dass der bisherige Außenminister Dominic Raab seinen Posten räumen muss. Per Tweet bestätigte aus dem britischen Regierungssitz 10 Downing Street kam schließlich die Bestätigung: Raab wechselt ins Amt des Justizministers. Zudem soll er demnach zum stellvertretenden Premierminister ernannt werden. Dennoch bleibt es eine Degradierung.

Raab war in seiner Funktion als Außenminister zuletzt im Zuge der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan kritisiert worden. Raab befand sich zu diesem Zeitpunkt im Urlaub und kehrte aus Sicht der Opposition zu spät zurück.

Raabs Nachfolge soll die bisherige Handelsministerin Liz Truss antreten.Truss behält gleichzeitig den Posten als Ministerin für Gleichstellung inne. Sie hat einen guten Ruf an der konservativen Basis und machte sich einen Namen mit dem erfolgreichen Abschluss mehrerer internationaler Handelsabkommen nach dem Brexit.

Justizminister Buckland muss Posten räumen

Kurz zuvor war bekannt geworden, dass Justizminister Robert Buckland seinen Posten räumen muss. Auf Twitter schrieb Buckland, es sei eine Ehre gewesen, in den vergangenen sieben Jahren in der Regierung gedient haben zu dürfen und in den vergangenen zwei Jahren als Lordkanzler. Er schloss mit den Worten: "Auf ins nächste Abenteuer."

Bildungsminister für Corona-Politik kritisiert

Ähnlich wie Buckland hatte auch Bildungsminister Gavin Williamson seinen Wechsel bereits vor der offiziellen Bekanntgabe per Tweet mitgeteilt. Es sei ein Privileg gewesen, diese Funktion seit 2019 auszuüben. Trotz der Herausforderungen durch die weltweite Corona-Pandemie sei er stolz mehrere Reformen im Bildungswesen vorangetrieben zu haben.

Gerade für seinen Umgang mit der Pandemie war Williamson in die Kritik geraten. So wurde ihm vorgeworfen, seinen Kurs zu oft geändert zu haben und die Schulen erst zu spät und dann zu lange geschlossen zu haben. Ein weiterer Kritikpunkt: die wegen der Pandemie abgesagten Abschlussprüfungen in diesem sowie im vergangenen Jahr. Stattdessen wurden die Schüler auf Basis ihrer gesamten Leistung während des Schuljahres beurteilt. Williamson wird durch Nadhim Zahawi ersetzt.

Johnson-Verbündeter wird Wohnungsbauminister

Auch Wohnungsbauminister Robert Jenrick verlor seinen Kabinettsposten. Er wird vom langjährigen Johnson-Verbündeten Michael Gove ersetzt, der sich vor allem um die versprochene Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen dem wohlhabenden Süden Englands und dem wirtschaftlich abgehängten Norden kümmern soll. Als gebürtiger Schotte ist er auch für das Thema Einheit des Königreichs zuständig.

Keinen Wechsel gibt es an den Spitzen im Finanz- und Innenministerium. Schatzkanzler Rishi Sunak und Innenministerin Priti Patel bleiben im Amt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. September 2021 um 18:00 Uhr.