Der britische Premierminister Johnson | REUTERS

Nach Kritik an Corona-Politik Johnson weist Cummings' Vorwürfe zurück

Stand: 27.05.2021 18:12 Uhr

Nach der harschen Kritik des Ex-Beraters der britischen Regierung, Cummings, hat Premierminister Johnson sich verteidigt. Die Anschuldigungen hätten nichts mit der Realität zu tun. Ähnlich äußerte sich der Gesundheitsminister.

"Einige der Kommentare, die ich gehört habe, haben nichts mit der Realität zu tun" - der britische Premierminsiter Boris Johnson hat sich gegen Kritik an der Corona-Strategie der britischen Regierung verteidigt. Johnsons Ex-Chefberater Dominic Cummings hatte dem Politiker bei einer Ausschussanhörung "katastrophale Versäumnisse" in der Corona-Pandemie vorgeworfen.

Auf die Behauptung von Cummings angesprochen, dass im vergangenen Jahr Zehntausende Menschen unnötig gestorben seien, sagte Johnson: "Nein, das glaube ich nicht." Natürlich habe es "eine unglaublich schwierige Reihe von Entscheidungen gegeben, von denen wir keine leichtfertig getroffen haben". Lockdowns mit Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen seien "sehr schmerzhaft, eine traumatische Erfahrung". "Zu jedem Zeitpunkt wurden wir aber von der Überzeugung geleitet, Leben zu schützen, Leben zu retten und sicherzustellen, dass der Nationale Gesundheitsdienst NHS nicht überlastet ist."

Auch Hancock wehrt sich

Zuvor hatte sich bereits Gesundheitsminister Matt Hancock vor den Abgeordneten des Unterhauses gegen Cummings' Vorwürfe gewehrt. "Ich war immer ehrlich zu den Menschen, in der Öffentlichkeit und im Privaten, jeden Tag" seit Beginn der Pandemie, sagte Hancock. Es gebe "mindestens 15 oder 20" Gründe, Hancock zu entlassen, hatte Cummings am Vortag gesagt. Er habe sowohl im Kabinett als auch öffentlich mehrfach gelogen. 

Der Gesundheitsminister hingegen erhielt am Donnerstag Rückendeckung von Kollegen, darunter Staatssekretär Michael Gove. Hancock habe "einen großartigen Job" gemacht.

Kritik für eigene Arbeit

Am Mittwoch hatte Cummings - der über Monate hinweg selber maßgeblich die Regierungslinie mitgeprägt hatte - der Regierung Versagen vorgeworfen und sich bei seinen Landsleuten für sein eigenes Fehlverhalten in der Krise entschuldigt. "Als die Bevölkerung uns am meisten brauchte, hat die Regierung versagt", sagte der umstrittene Ex-Berater. 

Spektakuläre Fehltritte

In der Vergangenheit war der 49-Jährige durch spektakuläre Fehltritte aufgefallen: Im Mai 2020, als das gesamte Land im harten Lockdown war und strikten Kontaktsperren unterlag, war er mit seiner Familie erst Hunderte Kilometer quer durchs Land gefahren, um seinen Sohn zu den Großeltern zu bringen, und dann von dort aus später noch einmal für eine halbe Stunde nach Barnard Castle - um zu sehen, ob seine Corona-Infektion sein Augenlicht beeinträchtigt hatte. Dennoch hielt Johnson damals an ihm fest.

Cummings hatte maßgeblich die Brexit-Kampagne mitkonzipiert und gilt als skrupelloser Machtmensch. Nachdem er im vergangenen November Downing Street verlassen hatte, hat er sich zu einem erbitterten Gegner des Premierministers gewandelt. Zwar steht Johnson wegen einiger Affären unter Druck, hat jedoch die Gunst vieler Wähler mit einer erfolgreichen Impfkampagne zurückgewinnen können.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 27. Mai 2021 um 16:34 Uhr.