Boris Johnson | dpa

Pläne des britischen Premiers Johnson will letzte Corona-Maßnahmen abschaffen

Stand: 21.02.2022 11:32 Uhr

In England sollen offenbar auch die letzten Corona-Maßnahmen fallen - etwa die Isolationspflicht. Experten warnen vor einem "weltweiten Dominoeffekt". Die Opposition glaubt, Premier Johnson will damit nur von "Partygate" ablenken.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat die Abschaffung der letzten Corona-Maßnahmen in England angekündigt. "Die Pandemie ist noch nicht vorbei, aber dank der unglaublichen Impfkampagne sind wir der Rückkehr zur Normalität einen Schritt näher gekommen und geben den Menschen endlich ihre Freiheit zurück", erklärte Johnson.

Johnson will noch heute Pläne erläutern

Johnson will im Laufe des Tages - voraussichtlich am Nachmittag - im Parlament seine konkrete Strategie für das "Leben mit Corona" darlegen. Seine Regierung, die für die Corona-Maßnahmen in England zuständig ist, hatte die meisten Beschränkungen wie die Maskenpflicht schon Ende Januar abgeschafft. Schottland, Wales und Nordirland entscheiden eigenständig über ihre Corona-Maßnahmen und gehen oft einen etwas vorsichtigeren Weg als England.

NHS-Kritik: "Regierung kann keinen Zauberstab schwenken"

In England soll als eine der letzten Schutzmaßnahmen nun voraussichtlich noch in dieser Woche die Pflicht zur häuslichen Isolation nach einem positiven Corona-Test abgeschafft werden. Auch die kostenlosen Test-Angebote will die Regierung zurückfahren.

Gesundheitsexperten und die Opposition kritisierten die Abschaffung der Schutzmaßnahmen als verfrüht. Die Spitzen des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS lehnen die Abschaffung der Isolationspflicht und der kostenlosen Tests mehrheitlich ab, wie der Verbandsvorsitzende der NHS Confederation, Matthew Taylor, erklärte. Zwar gebe es dank der Impfungen und neuer Corona-Medikamente inzwischen "echte Hoffnung", sagte Taylor. "Aber die Regierung kann keinen Zauberstab schwenken und so tun, als sei die Bedrohung vollständig verschwunden."

WHO: Abschaffung der Isolationspflicht "sehr unklug"

Der Corona-Beauftragte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), David Nabarrro, kritisierte die Abschaffung der Isolationspflicht als "sehr unklug". Er mache sich "wirklich Sorgen", dass Großbritannien mit diesem Ausscheren aus dem wissenschaftlichen Konsens einen weltweiten "Dominoeffekt" auslösen könnte, sagte Nabarro in der BBC.

Opposition: Johnson will von "Partygate" ablenken

Die oppositionelle Labour-Partei zeigt sich insbesondere über den Wegfall kostenloser Tests besorgt. Sie wirft der britischen Regierung aber auch vor, mit der Abschaffung der letzten Schutzmaßnahmen von der Affäre um Lockdown-Partys am Regierungssitz in der Downing Street ablenken zu wollen, die als "Partygate" immer wieder für Schlagzeilen sorgt. "Boris Johnson erklärt den Sieg, bevor der Krieg vorbei ist, um von der Polizei abzulenken, die an seine Tür klopft", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Labour-Partei, Wes Streeting.

Großbritannien ist mit mehr als 158.000 Todesfällen eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder Europas. Die Zahl der Neuinfektionen ist zwar immer noch hoch, die Infektions- und Hospitalisierungsrate ist aber seit Jahresbeginn stark zurückgegangen. Am Sonntag hatte der Buckingham-Palast bekanntgegeben, dass Queen Elizabeth II. (95) positiv auf das Virus getestet wurde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Februar 2022 um 13:17 Uhr.