Zelte und Unterkünfte von Binnenflüchtlingen sind im Flüchtlingslager Atma an der türkisch-syrischen Grenze dicht aneinandergereiht. (Archivbild: 15.01.2021) | picture alliance/dpa

Jahresbericht zu Migration Binnenflucht nimmt weltweit deutlich zu

Stand: 01.12.2021 13:59 Uhr

Während der Corona-Pandemie ist die Zahl der Binnenflüchtlinge weltweit auf 40,5 Millionen gestiegen, so die Internationale Organisation für Migration in ihrem Jahresbericht. Gleichzeitig säßen Milliarden Menschen fest.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hat ihren neuen Weltmigrationsbericht vorgestellt. Demnach haben Vertreibungen von Menschen innerhalb ihrer Länder als Folge von Konflikten, Gewalt und Naturkatastrophen "dramatisch zugenommen". Die Zahl der Binnenflüchtlinge sei auf 40,5 Millionen gestiegen.

IOM-Chef sieht "paradoxes Phänomen"

In ihrem Report geht die IOM auf die jüngsten Entwicklungen rund um menschliche Migrationsbewegungen in all ihren Formen ein: von der Flucht vor Krieg und Konflikt bis zu Fachkräften, die im Ausland nach Jobs suchen.

IOM-Direktor Antonio Vitorino wies auf ein "paradoxes Phänomen" hin, das es in der Geschichte der Menschheit zuvor noch nicht gegeben habe: Einerseits würden Milliarden Menschen durch die Pandemie festgehalten, andererseits würden Millionen aus ihrer Heimat vertrieben.

Der IOM-Report kam in einer Zählung im Jahr 2020 auf rund 281 Millionen Migranten weltweit - dies entspräche 3,6 Prozent der globalen Bevölkerung. 2019 waren es 3,5 Prozent gewesen (272 Millionen).

Im Vergleich: Für 1970 verzeichnete die IOM lediglich 84 Millionen Migranten und einen Anteil von 2,3 Prozent der Weltbevölkerung an der Wanderbewegung.

Arbeitsmigranten schicken weniger Geld nach Hause

Rund 60 Prozent der Migranten waren im vergangenen Jahr Arbeitsmigranten. Internationale Überweisungen - also Geldtransfers von Migranten in ihre Heimatländer - sanken 2020 auf 702 Milliarden Dollar (rund 620 Milliarden Euro). Im Vorjahr waren es 719 Milliarden Dollar gewesen.

Rund 3900 Menschen seien auf der Flucht ums Leben gekommen - 2019 waren es 5400, berichtete die IOM. Für "große Migrations- und Vertreibungsereignisse" hätten Konflikte in Ländern wie Syrien, Jemen, dem Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und dem Südsudan in den vergangenen zwei Jahren gesorgt.

Ein Faktor sei zudem politische und ökonomische Instabilität in Staaten wie Venezuela und Afghanistan. Erwähnt werden im Bericht aber auch klima- und wetterbedingte Vertreibung - etwa in China, Bangladesch, den Philippinen, Indien, Haiti und den USA.

Die Zahl der Flugpassagiere ging laut dem IOM-Bericht 2020 um 60 Prozent auf 1,8 Milliarden gegenüber 4,5 Milliarden im Jahr 2019 zurück. Die Pandemie habe die Welt zweifellos verändert und betreffe "alle Aspekte der Migration", sagte die Autorin Marie McAuliffe.

Es sei wahrscheinlich, dass der Anstieg der Zahl internationaler Migranten weiter schwach ausfallen werde, solange es Reisebeschränkungen und andere Auflagen gebe, hieß es.