Ein Hund wartet in einem Wahllokal in Rom auf sein Herrchen, das in einer Wahlkabine gerade seine Stimme abgibt.  | dpa

Wahl in Italien Niedrige Beteiligung zeichnet sich ab

Stand: 25.09.2022 21:12 Uhr

In Italien steht - mal wieder - die Wahl eines neuen Parlaments an. Die Beteiligung dürfte historisch niedrig werden. Ob davon eher das in Umfragen führende Rechtsbündnis profitieren kann oder die Mitte-Links-Parteien, wird sich zeigen.

In Italien zeichnet sich bei der Parlamentswahl eine historisch niedrige Wahlbeteiligung ab. Um 19.00 Uhr und damit vier Stunden vor Schließung der Wahllokale hatten nur rund 51 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, wie das Innenministerium bekannt gab. Bei den Wahlen im Jahr 2018 waren es zu dem Zeitpunkt rund 59 Prozent gewesen. Dabei hatte Italien damals am Ende mit knapp 73 Prozent die niedrigste Wahlbeteiligung seiner Nachkriegszeit registriert - dieser Wert könnte nun noch einmal deutlich unterschritten werden.

Besonders schwach war der Zulauf laut der Auswertung im Süden des Landes in den Regionen Kalabrien, Apulien, Kampanien und Basilikata sowie auf den Inseln Sizilien und Sardinien mit teils deutlich unter 40 Prozent.

Warteschlangen gab es trotzdem

Trotz der geringen Beteiligung kam es vor manchen Wahllokalen zu Schlangen, was teilweise für Empörung sorgte. Dies lag auch daran, dass von den zwei ausgefüllten Stimmzetteln - je einen für das Abgeordnetenhaus und eine für den Senat - ein Streifen sorgfältig abgerissen werden musste, bevor sie in die Wahlurne kamen. Dieses zusätzliche Prozedere zur Bekämpfung von Wahlbetrug verzögerte den Vorgang. "Ich habe noch nie so eine Schlange gesehen", sagte Forza-Italia-Chef Silvio Berlusconi.

Silvio Berlusconi grüßt Menschen vor einem Wahllokal in Rom  | dpa

Der frühere Ministerpräsident Berlusconi tritt für die Forza Italia an. Bild: dpa

Sieg des Rechtsbündnisses wahrscheinlich

Nach dem Rücktritt des bisherigen Regierungschefs Mario Draghi steht das Land vor einem harten Ruck nach rechts. In Umfragen vorne lag zuletzt der von Giorgia Meloni angeführte Rechtsblock, zu dem neben Berlusconis Forza Italia noch die rechtspopulistische Lega von Matteo Salvini gehört. Meloni ist die Chefin der rechtsradikalen Partei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens), die stärkste Kraft werden dürfte.

"Lasst uns gemeinsam Geschichte schreiben", hatte Meloni am Morgen getwittert. Auch ihre Verbündeten setzten am Sonntag wie schon tags zuvor in den sozialen Netzwerken etliche Wahlbotschaften ab. Sie ignorierten damit eine Vorgabe, auf derartige Äußerungen am Vortag und am Tag der Wahl zu verzichten. Die Lega etwa veröffentlichte einige beleidigende Tweets über ihre politischen Gegner.

Meloni wartet bis zuletzt

Einige der Spitzenkandidaten gaben am Vormittag bereits ihre Stimmen ab, etwa Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Lega in Mailand, der Sozialdemokrat Enrico Letta in Rom oder Zentrumspolitiker Matteo Renzi in Florenz. Staatspräsident Sergio Mattarella wählte in seiner Heimatstadt Palermo, der Chef der Sozialdemokraten, Letta, in seinem Wohnort Rom.

Meloni hatte sich ebenfalls am Vormittag zur Stimmabgabe in einer Schule im Süden Roms angekündigt, erschien dann aber nicht wie geplant. Laut einer Sprecherin will sie nun erst kurz vor Schließung der Wahllokale wählen. Die nationalistische und EU-kritische Politikerin könnte als erste Frau Ministerpräsidentin in Italien werden. Ihre politische Arbeit begann sie in der Jugendorganisation einer neofaschistischen Partei.

Hauptgegenspieler des Rechtsbündnisses sind die Sozialdemokraten unter Parteichef Letta. Sie könnten die stärkste Kraft unter den Mitte-Links-Parteien werden, die in den Umfragen deutlich hinter dem Rechtsbündnis lagen.

Bis zu 40 Prozent bis zuletzt noch unentschlossen

Rund 30 bis 40 Prozent der Wählerinnen und Wähler, so die Meinungsforscher, waren bis zuletzt noch unentschlossen. Ihre Wahl könnte entscheidend für die Frage sein, wie eindeutig der erwartete Sieg der rechten Allianz wird. Erstmals werden weniger Abgeordnete gewählt werden, die beiden Parlamentskammern sind um rund ein Drittel auf insgesamt 600 Sitze verkleinert worden.

Nach den ersten Hochrechnungen wird für Montagmorgen ein vorläufiges Ergebnis der Wahl erwartet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. September 2022 um 20:00 Uhr.