An einer Wand in Rom angebrachte Bilder der Bürgermeister-Kandidaten Roberto Gualtieri und Enrico Michetti. | EPA

Stichwahl in Italien Roms neuer Bürgermeister wird gewählt

Stand: 17.10.2021 04:29 Uhr

In Italien finden in mehreren großen Städten Stichwahlen um das Bürgermeisteramt statt. Sowohl das Mitte-Links- als auch das Mitte-Rechts-Lager erhoffen sich politischen Rückenwind.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Italien hält heute Stichwahlen um Bürgermeister-Ämter in mehreren großen Städten ab. Vor allen die Entscheidung in der Hauptstadt Rom wird mit Spannung erwartet: Nach dem ersten Wahlgang vorne liegt der Kandidat des Mitte-Rechts-Bündnisses, Enrico Michetti. Der Anwalt, Universitätsdozent und Radiomoderator erreichte im ersten Wahlgang 30,1 Prozent. Sein Kontrahent in der Stichwahl ist der ehemalige Finanzminister Roberto Gualtieri vom sozialdemokratischen PD, der 27,0 Prozent erreichte.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

In der Stichwahl gilt der Mitte-Links-Politiker als leicht favorisiert - unter anderem, weil er Unterstützung aus den im ersten Wahlgang unterlegenen Lagern bekommt: Der Drittplatzierte Carlo Calenda, der für kleinere linksliberale Parteien angetreten war, erklärte, er werde für den Sozialdemokraten Gualtieri stimmen. Auch der neue Fünf-Sterne-Chef und ehemalige Ministerpräsident Giuseppe Conte macht sich für den früheren Minister stark. Die bisherige Bürgermeisterin Virginia Raggi von der Fünf-Sterne-Bewegung war bereits im ersten Wahlgang mit 19,1 Prozent der Stimmen klar gescheitert.

Klare Favoriten in Triest und Turin

Der Ausgang der Abstimmung in Rom gilt nach Meinung vieler Kommentatoren in den italienischen Medien als wichtiger politischer Stimmungstest. Denn schon häufig folgte für Parteien und politische Bündnisse auf einen Sieg in Rom ein Erfolg auch auf nationaler Ebene.

In der Industriestadt Turin kommt es ebenfalls zu einer Entscheidung in der Stichwahl zwischen einem Mitte-Links- und einem Mitte-Rechts-Kandidaten. In Führung nach dem ersten Durchgang liegt der Sozialdemokrat Stefano Lo Russo, der im ersten Wahlgang 43,9 Prozent erreichte. Sein Herausforderer ist der Unternehmer Paolo Damilano (38,9 Prozent), der von der Lega, der Partei "Brüder Italiens" und Silvio Berlusconis Forza Italia unterstützt wird.

Auch in Turin könnte entscheidend sein, wie sich die Wählerinnen und Wähler der Fünf-Sterne-Bewegung entscheiden. Ihre bisherige Bürgermeisterin Chiara Appendino war nicht wieder angetreten, die neue Fünf-Sterne-Kandidatin Valentina Sganga kam im ersten Wahlgang nur auf 9,0 Prozent.

Die dritte Metropole, in der es zu einer Stichwahl kommt, ist die Hafenstadt Triest. Hier liegt der Mitte-Rechts-Kandidat Roberto Dipiazza mit 46,9 Prozent relativ deutlich vor seinem Mitte-Links-Herausforderer Francesco Russo (31,6 Prozent).

Bereits im ersten Wahlgang vor zwei Wochen entschieden wurden die Wahlen in Mailand, Neapel und Bologna. Dort hatte sich jeweils die Mitte-Links-Kandidaten durchgesetzt.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 17. Oktober 2021 um 07:51 Uhr.