Die italienische Senatspräsidentin Elisabetta Casellati. | AFP

Italien Präsidentenwahl wird zur Kraftprobe von rechts

Stand: 28.01.2022 13:07 Uhr

In Rom läuft der fünfte Wahlgang der Präsidentenwahl. Das Mitte-Rechts-Bündnis hat nun Senatspräsidentin Casellati als Nachfolgerin von Staatschef Mattarella vorgeschlagen. Andere Parteien reagieren empört.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Es ist der Versuch einer Kraftprobe. Das Mitte-Rechts-Bündnis ruft dazu auf, Senatspräsidentin Elisabetta Casellati zu wählen und rückt damit ab vom bisherigen Bekenntnis, sich mit den Mitte-Links-Parteien auf einen gemeinsamen Vorschlag zu verständigen.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Der Chef des sozialdemokratischen PD, Enrico Letta, hat deutlich gemacht, seine Partei werde Casellati nicht unterstützen. Andere PD-Politiker sprachen von einem gefährlichen Vorgehen der Rechten. Aus Sicht der Mitte-Links-Parteien hat die Senatspräsidentin politisch eine zu große Nähe zu Silvio Berlusconi.

Mitte-Rechts-Bündnis fehlen rund 60 Stimmen

Die Chancen, dass Casellati heute gewählt wird, sind auf dem Papier gering. Das Mitte-Rechts-Bündnis stellt zwar die stärkste Gruppe unter den 1009 Wahlfrauen und -männern, zur notwendigen absoluten Mehrheit aber fehlen rund 60 Stimmen.

Das Mitte-Links-Bündnis hatte bereits Mitte der Woche gewarnt, der Versuch eines Alleingangs einer Seite bei der Präsidentschaftswahl würde den Fortbestand der derzeitigen großen Koalition unter Mario Draghi gefährden.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 28. Januar 2022 um 12:13 Uhr.