Matteo Salvini und Giuseppe Conte | REUTERS

Kommunalwahlen in Italien Zwei Verlierer und viele Überraschungen

Stand: 14.06.2022 10:22 Uhr

Es ist eine schwere Schlappe für gleich zwei Regierungsparteien: Bei den Kommunalwahlen in Italien haben die Wähler Teile der Koalition abgestraft. Sorgen löst ein Ergebnis auf Sizilien aus.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Die Lega und die Fünf-Sterne-Bewegung sind die Verlierer der Kommunalwahlen, an denen sich in rund 1000 Städten und Gemeinden des Landes ein Fünftel der Wahlberechtigten in Italien beteiligt hat. Die Lega Matteo Salvinis verlor in fast allen Kommunen Stimmen und wurde landesweit von der Rechtsaußenpartei Brüder Italiens überholt. Den größten Absturz erlebte die Fünf-Sterne-Bewegung, die in der aktuellen großen Koalition unter Mario Draghi stärkste Partei ist.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Die Fünf Sterne kamen im Durchschnitt nur noch auf etwas mehr als zwei Prozent, bei der letzten Parlamentswahl hatten sie noch mehr als 30 Prozent erreicht. Der Parteichef und ehemalige Ministerpräsident Giuseppe Conte räumte die Niederlage ein, kündigte aber an, weiterzumachen. Die Chefin der Partei Brüder Italiens, Giorgia Meloni, forderte angesichts der Wahlergebnisse Lega und Fünf Sterne auf, die Regierung zu verlassen. Stärkste Partei in den Kommunalwahlen wurde der sozialdemokratische PD.

Überraschungen und Sorgen

Eine Überraschung gab es in der norditalienischen Stadt Verona. In der rechten Hochburg liegt nach dem ersten Wahlgang der ehemalige Fußballnationalspieler Damiano Tommasi vorn, der unter anderem von den Sozialdemokraten unterstützt wird. Vor allem hatte Tommasi im Wahlkampf, in dem er häufig im T-Shirt auftrat, auf Unterstützung aus der Zivilgesellschaft gesetzt. Der 48-Jährige war viele Jahre Vorsitzender der Fußballergewerkschaft in Italien und in mehreren sozialen Organisationen aktiv. In zwei Wochen muss Tommasi (39,8 Prozent) in Verona in der Stichwahl gegen Amtsinhaber Federico Sboarina von den Brüdern Italiens antreten, der auf 32,7 Prozent kam.

In Palermo hat sich der Mitte-Rechts-Kandidat Roberto Lagalla durchgesetzt -schon im ersten Wahlgang. Zwei Kandidaten seines Bündnisses waren kurz vor der Wahl wegen Mafia-Verdachts festgenommen worden. Unter anderem Amtsvorgänger Leoluca Orlando hatte vor einer Wahl Lagallas und einem Rückfall in Zeiten gewarnt, in denen Palermo Symbol für Mafia-Einfluss war.

Orlando durfte nach zuletzt zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Seine Kritiker hatten Orlando unter anderem vorgeworfen, Palermo zwar ein Anti-Mafia-Image gegeben zu haben, aber für die Müllprobleme und schlechten Straßen Palermos verantwortlich zu sein.